So kann man irren…

Hoffenheim gerät gegen Mainz unter die Räder

Autor: Alexander H. Gusovius / Bilder: Uwe Grün, Kraichgaufoto

Es gab Stimmen, die vollmundig davon kündeten, dass der Hoffenheimblog bis Weihnachten über keine einzige Niederlage mehr zu berichten haben werde. Ähnlich hochgemut dürfte es auch im Kreis der TSG zugegangen sein – nach sechs Siegen in Folge fühlte man sich irgendwie unbesiegbar….

So kann man irren! Dabei hätte der Blick zurück aufs denkbar knappe Spiel in Köln schon gereicht, um zu begreifen, dass die Hoffenheimer Siege keine Selbstverständlichkeit sind, sondern hart, mitunter auch erst mit ein wenig Glück erarbeitet werden müssen. Wenn aber der Gefühlspegel nach einer Serie von Erfolgen hoch ist, denkt der Durchschnittsmensch, wozu auch die meisten Fußballer zählen, dass sich der weitere Erfolg quasi von selbst versteht, dass man mit dem Erfolg untrennbar im Bunde ist, dass einem im Prinzip keiner was kann.

So kann man irren… Erstens gibt es immer jemanden, der einem höchst real was kann, und dabei sollte man zweitens immer den am schärfsten ins Auge fassen, dem man es am wenigsten zutraut. In unserem Fall Mainz: schwach in die Saison gestartet, Trainer entlassen, neuen Trainer von ähnlich erfolglosem Verein verpflichtet, den man gerade erst besiegt hatte. Aber bleiben wir ehrlich. Wer von uns Fans hatte sich da nicht auch schon in Vorfreude den immer siegeshungrigen Magen gerieben und ein gefundenes Fressen in den Mainzern gesehen?

So kann man irren: Die Sieggewohnten der TSG wirkten von der ersten Spielminute an überfordert, sie kamen vor allem mit dem Chaos nicht gut zurecht, das die Mainzer auf dem Spielfeld listig anrichteten. Trainer Beierlorzer hatte das schon als Kölner Trainer nicht schlecht eingefädelt und brachte den Hoffenheimer Spielaufbau diesmal noch gründlicher durcheinander. Aber weil es trotzdem nicht schlecht lief und die TSG, besonders Locadia, immer wieder beste Chancen zur Führung auf dem Fuß hatte,  dachten die Sieggewohnten, dass sie das Spiel mit der gewohnten Geduld schon noch auf die Siegerstraße bringen würden.

So kann man irren… Denn eine der vielen Fußballweisheiten lautet, dass der Gegner das Tor macht, wenn man es selber nicht tut. Zur Freude von Uwe Seeler setzte dessen Schwiegersohn Öztunali in der 33. Minute diese uralte Weisheit in die Tat um. Aber war das schlimm? Zweimal hatten die Sieggewohnten der TSG in dieser Saison schon Rückstände wettgemacht, das würde doch wieder gelingen, ganz klar!

So kann man irren… Bis zur Pause gelang jedenfalls nichts in der Art, trotz einer Serie von Eckstößen und daraus resultierender Halbchancen für Hoffenheim, deren Angriffsreihen vielleicht auch unter der Idee von Trainer Schreuder litten, ausgerechnet Akpoguma, den gelernten Innenverteidiger, in die Offensive zu schicken, wo er mal rechts, mal in der Mitte weniger für Unruhe in den gegnerischen statt den eigenen Reihen sorgte.

So kann man irren: Skov als Außenverteidiger mit Sturmdrang war ja auch schon eine ausgefallene Idee, die indessen gut funktioniert. Umgekehrt Akpoguma nach vorn zu entsenden, dürfte vermutlich nicht die Regel werden. Der Trainer sah den Irrtum auch ein und ersetzte Akpo nach der Pause durch Kramaric. Und weil kurz vor der Pause außerdem Mainz durch Platzverweis dezimiert war, dachte man, das der Sieg nun wohl keine große Mühe mehr machen würde.

So kann man irren… Der Platzverweis schwächte die Mainzer nicht, sondern schweißte sie zusammen und machte sie noch stärker. Vor allem auch deshalb, weil die TSG von ihrer Spielweise, dem geduldigen Ballschieben, nicht abwich und dem bei Weitem kampfeswilligeren Gegner damit die ideale Spielfläche bot. Kam hinzu, dass etliche Fehlpässe aus der Defensive den Mainzern mächtig in die Karten spielten, bis schließlich Kaderabek mit einem sehr unglücklichen Eigentor alsbald den Sack zumachte. Aber da waren ja noch gute 30 Minuten zu spielen, in denen man den Sack, dachte man, locker wieder aufmachen würde…

So kann man irren… An diesem Sonntagabend unter Flutlicht gelang wenig bis gar nichts, woran auch Kramarics spätes, schönes Tor nichts änderte, weil die Mainzer gegen immer riskanter anlaufende Hoffenheimer ihrerseits drei Tore erzielten, sodass am Ende eine regelrechte Klatsche zubuche schlug. Wer nun aber denkt, dass die TSG damit am Ende ist, irrt ebenfalls. Denn es kann sein, dass die Lehren aus der verlorenen Partie wertvoller sind als die verlorenen drei Punkte. Spätestens gegen Leipzig wird man sehen, wie wertvoll…

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Alexander H. Gusovius

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