Schwer wie Blei

Freiburg holt Dreier in Sinsheim

Autor: Alexander H. Gusovius / Bild: Uwe Grün, Kraichgaufoto

Gegen Freiburg war dieselbe Mannschaft aufgeboten, die sich in Leverkusen bravourös ein torloses Remis erkämpft hatte. Und es war dasselbe Konzept zu erkennen. Aber es war ein ganz anderes Spiel. Die ersten Spielszenen zeigten bereits auf, wohin die Reise gehen würde. Die Freiburger Spitzen liefen Hoffenheim hoch an, extrem hoch und in vollem Lauf, und setzten die Dreierkette um Vogt, Posch und Bicakcic damit arg unter Druck. Der Effekt davon war, das sich kein Spiel nach vorn entwickelte. Ständig kam ein Freiburger dazwischen und störte den geplanten Spielaufbau.

Nach ein paar Minuten schaffte die TSG es trotzdem, die Freiburger Konterbande zurückzudrängen und sich etwas mehr Raum im Mittelfeld zu verschaffen. Das Ergebnis davon war aber nicht der ersehnte Spielaufbau samt Drang nach vorn, sondern das aus den vergangenen Spielen bekannte, ratlose Kreisen des Balls hinten herum. Einzig Ermin Bicakcic erfasste die Lage richtig – und fasste sich ab und zu ein Herz, indem er in halbe Räume, die sich dann und wann boten, mit dem Ball am Fuß beherzt vorstieß.

Doch auch daraus folgte nicht viel: Freiburg verteidigte extrem aufmerksam und lief alles zu, was zu Gefahr hätte führen können. Bébou und Belfodil standen vorne also auf verlorenem Posten oder verloren ihrerseits meist den Ball, wenn sie ihn mal bekamen, indem sie sich festdribbelten oder zu lang nach einem Mitspieler Ausschau hielten, dem sie den Ball hätten zuspielen wollen.

Geiger als eine Art hängender Mittelstürmer bzw. Spielmacher mit Tordrang erwies sich in dieser Konstellation als weitgehend ineffizient: Grillitsch und Rudy in seinem Rücken vermehrten nur das Gedränge in der Mitte, während Kaderabek und Stafylidis auf den offensiven Außenbahnen kaum Wirkung einfalteten und hinten fehlten, wenn der SC konterte. Denn das verringerte Anlaufen der Freiburger bedeutete nicht, dass sie sich hinten eingeigelt hätten, im Gegenteil gingen die Südbadener bei jeder sich bietenden Gelegenheit munter nach vorn.

Und davon boten sich viele, etwa in der 11. Minute: Heintz spielte steil auf den links startenden Günter, der die Hoffenheimer Defensive erschreckend einfach überlief und sich auch um den wirkungslos in den Strafraum mitgehenden Vogt nicht kümmerte, sondern aus spitzem Winkel das 0:1 erzielte, worauf sich das Spiel allerdings fast zu drehen begann. Es schien, als hätte die TSG diesen Paukenschlag benötigt, um ihr etwas starres, mechanisches Spiel abzuschütteln und nun aus eigener Initiative offensiv zu werden.

Belfodil und Kaderabek hatten kurz nacheinander Pech bzw. scheiterten sie wie später Rudy an Schwolow, der einen starken Tag erwischt hatte. Das ließ für den Moment Hoffnung keimen, doch auch Freiburg war gegen eine seltsam bleischwer agierende TSG weiter mit viel Tordrang unterwegs: Höler, Haberer und der Ex-Hoffenheimer Schmid vergaben um die 20. Minute herum aussichtsreich. Petersen machte es nach einer halben Stunde Spiel besser, sein Abstaubertor wurde wegen Abseits aber zurecht nicht gewertet.

Kaderabek köpfte, als sich die Partie Richtung Halbzeit neigte, noch zweimal am Tor vorbei, dann gewann Frantz einen Zweikampf gegen Grillitsch die Oberhand und setzte Haberer ein, der Oli Baumann per Flachschuss keine Chance ließ. Zu dieser Zeit liefen sich Rupp und Locadia bereits am Spielfeldrand warm, um nach der Pause eingesetzt zu werden: für sie mussten Grillitsch, der eher schwach gespielt hatte, und Bicakcic, von dem man das keinesfalls sagen konnte, weichen.

Damit einher ging die Umstellung von Fünfer- auf Viererkette und der Rückzug von Geiger ins Mittelfeld. Mehr Schwung ging von alldem aber nicht aus, auch mit drei Stürmern wirkte Hoffenheim offensiv merkwürdig gehemmt. Anders die Gäste, die durch Petersen in der 59. Minute bereits auf 0:3 erhöhten, was die Lähmung des Hoffenheimer Spiels nochmals verstärkte. Weiter wurde mit scheinbarem, weil uneffektivem Ballbesitz viel hinten herum gepasst, und es mangelte nicht nur an Ideen, sondern offenbar auch an der nötigen Spritzigkeit.

Zu den von Beginn an bleischweren Köpfen gesellten sich, anders gesagt, nun auch noch bleischwere Beine. In der Endphase kam Skov für Stafylidis, blieb aber ebenso ineffizient wie alle anderen Akteure aus Nordbaden. Zu besichtigen war über 90 Minuten hinweg ein strukturelles Versagen, das mit jeder Spielminute auch mentales Versagen nach sich zog. Das System Schreuder scheint bisher weder in den Köpfen noch in den Beinen angekommen zu sein. Wenn sich daran nichts ändert, hilft bald nur klares, strukturelles Umsteuern, sonst droht eine Abwärtsspirale. Das schönsten Momente an diesem Sonntagnachmittag waren die Ehrungen von „Eisen-Ermin“ Bicakcic und „Sali“ Salihovic, beim einen für 100 Spiele in den Farben der TSG, beim anderen anlässlich seines Karriereendes. Salis Verdienste um die TSG würden aber erst durch ein Abschiedsspiel ausreichend gewürdigt.

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Alexander H. Gusovius

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