Holy Sh…t!

Es war das Spiel der Paukenschläge. Bumm zum ersten, noch am Vortag: Vogt fällt aus! Doppel-Bumm zum zweiten, vor dem Spiel: Schulz und Zuber ebenfalls verletzt. Bumm im Spiel kurz nach dem Anpfiff: Brenet gibt fein ab auf Demirbay, der passt Weltklasse auf Belfodil, der zieht los und tunnelt Ederson zum sensationellen 1:0 für Hoffenheim gegen Manchester City! Finales Bumm kurz vor dem Abpfiff: Posch stoppt eine Flanke von links und kriegt die Kugel nicht schnell genug weg, David Silva kommt in seinem Rücken angerauscht, erspitzelt sich den Ball und erzielt den Siegtreffer für die Truppe von Pep Guardiola.

Bis auf den Ausgleichstreffer von ManCity in der 8. Minute sind damit die Rahmendaten des Spiels alle benannt. Hoffenheim ging einmal mehr und nochmals vermehrt mit einer echten Not-Elf ins Rennen, die Verletztenliste ist inzwischen absurd lang. Trotzdem gelang es unserer vielfach geflickten Mannschaft, die Partie offen zu halten, eine erstaunliche, bewundernswerte Leistung, die ihr so leicht niemand zugetraut hätte. Schade nur, dass am Ende nicht wenigstens ein Punkt dabei heraussprang…

Drei herausragende Akteure gab es in unseren Reihen: Demirbay, der im Mittelfeld sehenswert die Fäden zog und in dieser Form bald wieder internationale Begehrlichkeit weckt, Hoogma, der mit unglaublicher Übersicht die Abwehr anführte und nie den Verdacht aufkommen ließ, mit seinen 20 Jahren imgrunde ohne Spielpraxis zu sein, und natürlich Baumann, der mehrfach grandios intervenierte, wenn City die nie ganz zu verteidigenden Angriffe vortrug. Auf der Tribüne wohnten Bundesjogi Löw und Bundesandi Köpcke der Partie bei… Haben sie jetzt bitte endlich begriffen, was für ein exzellenter Torhüter Oli Baumann ist? Und dass er schleunigst zu Länderspielen zu berufen ist?

Wie muss es all unseren Verletzten von Amiri bis Zuber zumute gewesen sein, als die CL-Hymne ertönte und sie von der Tribüne herab oder am Fernseher zusehen mussten? Wo jeder einzelne von ihnen so sehr davon geträumt hatte, dabei zu sein? Ähnliches gilt für die Fans: Champions League daheim, und wir spielen in schwächster Besetzung. Wie soll man da zeigen, dass man zurecht dabei ist? Das schier Unglaubliche war jedoch, dass selbst unsere Not-Elf bewies, wozu Hoffenheim fähig ist. Und so stellt sich die Frage, wie gut unsere Elf gewesen wäre, wenn sie aus den Besten bestanden hätte: Die Chance auf einen Sieg wäre jedenfalls deutlich größer gewesen, soviel lässt sich sicher sagen, auch wenn man natürlich nicht weiß, was wirklich passiert wäre in den 90 Minuten.

Denn jeder Spieler, der hier ersatzweise für die TSG unterwegs war, wuchs über sich hinaus, in der zweiten Halbzeit noch mehr als in der ersten, als Hoffenheim sich nicht mehr permanent zurückdrängen ließ und sogar Ballbesitz-Fußball auf Augenhöhe praktizierte. Manchester biss sich förmlich die Zähne an uns aus – und lange Zeit wirkte es so, als könnten wir das 1:1 über die Runden bringen. Verdient wäre es gewesen. Mit Nelsons Einwechslung für Szalai anstelle von Kramaric wäre es vielleicht auch gelungen, der Kroate vermochte seine durchwachsenen Auftritte der letzten Zeit auch diesmal nicht zu krönen. Belfodil dagegen ließ nicht nur bei seinem Tor, sondern auch sonst und sogar bei seinen defensiven Antritten erahnen, was man sich von seiner Verpflichtung versprochen hat.

Posch, der bis dahin gut gespielt hatte, wird seinen spielentscheidenden Schnitzer kurz vor Ende der Partie nachts immer wieder vor Augen gehabt und immer von neuem durchlebt haben. Doch er kann, wenn er das hoffentlich bald verarbeitet hat, daran wachsen und zu einem großartigen Verteidiger heranreifen. Das gilt im Übrigen für die ganz Mannschaft, die schon am Sonntag gegen Frankfurt wieder ran muss und in der Champions League ihren Weg über Lyon suchen wird: Niederlagen wie gegen ManCity bauen nach der ersten verständlichen Niedergeschlagenheit mehr innere Substanz auf als knappe, glückliche Siege. Und vermehrt um den einen oder anderen Rückkehrer lässt sich daraus sicher viel machen, sodass man am Ende nicht nur zurecht stolz auf sich sein kann, sondern sich auch freuen darf. Doch, das kommt garantiert noch! Kopf hoch und zum Frühstück erstmal die Eintracht weglöffeln…

Fotos Bericht: Uwe Grün, Kraichgaufoto
Fotos Galerie: Kadir Caliskan

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Alexander H. Gusovius