Das Glück der Tüchtigen

Hoffenheim siegt auch in Köln

Autor: Alexander H. Gusovius / Bild: Getty Images

Nach fünf bärenstarken TSG-Siegen in Folge durfte man beim Flutlichtspiel in Köln auch mal wieder mit einer Niederlage rechnen. Nicht weil der Gegner so stark einzuschätzen gewesen wäre, sondern weil jedes Bemühen und Ringen immer irgendwann einfach nachlässt, mindestens situativ, und dann ist die schönste Serie im Eimer. Und wäre das schlimm gewesen? Schade, das schon. Aber wirklich schlimm? Nein. Denn die Mannschaft hatte in den letzten Wochen ihre Kritiker bzw. die vollmundige Kritik an der sportlichen Leitung so gründlich widerlegt, dass ein kleiner Einbruch locker drin gewesen wäre und sich ein lahmes Remis oder eine kleine Niederlage noch lange nicht wie Mehltau auf die blütenreine Punktesammlung des Monats Oktober gelegt hätte.

Trotzdem kam es gegen den FC Alaaf nicht dazu, und es half dabei etwas mit, das der deutsche Volksmund „das Glück des Tüchtigen“ nennt. Oder man sagt lieber kultiviert „Fortüne“ und meint imgrunde dasselbe, nämlich dass Fleiß, Tüchtigkeit und Sorgfalt auch über weniger leistungsstarke Phasen hinweghelfen können. Wenn man nur die erste Halbzeit in Köln zum Maßstab nimmt, war das Glück vielleicht noch ein bisschen unverdient. Aus der Gesamtschau beider Halbzeiten kann man jedoch einwandfrei herleiten, dass der späte Strafstoß seine bilanzielle Rechtfertigung hatte. In Halbzeit 1 lief der FC nämlich die Gäste aus dem Kraichgau noch sehr hoch an, war sich für keinen aussichtslosen Sprint zu schade und hob so den gefürchteten Hoffenheimer Spielaufbau mehr oder weniger aus den Angeln. Es war zu spüren und zu sehen, dass die Geißböcke ihren Negativlauf der letzten Wochen unbedingt beenden wollten und bereit waren, dafür alles Nötige zu tun. Leider taten sie auch das Unnötige, und zwar in Gestalt etlicher Nickligkeiten und Fouls, die vom Schiri kaum jemals ausreichend sanktioniert wurden.

Die gelbe Karte sahen zunächst nur die Hoffenheimer Spieler. Dabei wäre eine Flut von Gelbverwarnungen für die Kölner angemessen gewesen. Wenn sich die Kölner später darüber beschwerten, dass sie vom Schiri benachteiligt worden wären, war das zwar irgendwie verständlich, aber insgesamt falsch. Mit ihrer übertriebenen Härte hatten sie Hoffenheim so mürbe gespielt, dass die Spieler aus dem Kraichgau versuchten, den harten Zweikämpfen möglichst aus dem Weg zu gehen, was ihren Spielfluss natürlich empfindlich störte und in der 34. Minute auch noch zu einem abgefälschten Tor durch Cordoba führte, bei dem Baumann etwas unglücklich wirkte. Außerdem war Rupp, man kann es kaum anders sagen, zur Halbzeit kaputt getreten und musste gegen Adamyan ausgewechselt werden.

Doch genau das rächte die derbe Spielweise der Kölner, denn der Armenier schoss in der 48. Minute nach wunderschöner Vorbereitung durch Rudy den Ausgleichstreffer für eine hochaktiv aus den Kabinen zurückgekehrte TSG. Den FC warf der Schreck über das sich dadurch offenbar anbahnende Unheil sofort weit zurück, die Kölner Aktionen wirkten im Folgenden noch viel fahriger, so dass sich zu den wenigen Torchancen der 1. Hälfte kaum noch weitere gesellten. Anders die TSG: In einer ähnlichen Spielszene wie beim Ausgleich scheiterte Adamyan an Horn (49. Minute), der zwei Minuten später auch einen Freistoß von Skov parieren konnte. Locadia, von Adamyan freigespielt, zog den Ball in der 61. Minute knapp am Tor vorbei.

In der Folgezeit verflachte die Partie etwas, weil die Kölner keine Kraft mehr hatten und Hoffenheim in aller Ruhe und Geduld weiter den Ball kreisen ließ, ohne allzu viel Druck nach vorn zu entfalten. Als man sich, auf dem Spielfeld, auf den Rängen und am Fernseher, während der vierminütigen Nachspielzeit gerade mit der Punkteteilung abzufinden begann, hatte zuerst Köln noch eine heiße Torszene, die Terodde ausließ – und bekam Hoffenheim nach Fernsehbeweis völlig zurecht die heißeste Torszene des Spiels zugesprochen: jenen Strafstoß, den Locadia unwiderstehlich zum 1:2 in die Maschen setzte. Es war das i-Tüpfelchen nach wochenlanger, großartiger Performance!

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Alexander H. Gusovius

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