Hoffenheim spielt auch Paderborn vom Rasen

Autor: Alexander H. Gusovius / Bilder: Uwe Grün, Kraichgaufoto

Freitagabend, Flutlicht, Gänsehaut: Zwei Minuten sind gespielt, da tritt Skov an, um einen Freistoß aus 30 Metern in die Maschen zu jagen! Der junge Däne mit dem feinen Fuß tritt sonst schon die Ecken, der Effet macht sie für den Gegner unberechenbar. Diesmal, da Geiger auf der Bank sitzt, macht ihm keiner die Ausführung des Freistoßes strittig…

Zwei, drei Schritte zurück, ein vor Konzentration fast böser Blick Richtung Paderborner Kasten, dann läuft Skov an und feuert den Ball mit dem Innenrist über die Mauer hinweg aufs Tor, wo sich die Kugel im letzten Moment vor Zingerle wegdreht und einschlägt! Skov hat das unendliche Male geübt, seit früher Jugend feilt er an seiner Schusstechnik – endlich hat sich der ganze Aufwand gelohnt und hat der gelernte Stürmer, der bei der TSG den linken Außenverteidiger gibt, sein Tor gemacht…

Derart frühe Tore sind indessen, wenn sie nicht alsbald bestätigt werden, oftmals der Auftakt für ein gegenläufiges Spiel. Diesmal nicht: Kaum ist eine Viertelstunde herum, legt Hoffenheim nach. Kaderabek, von Grillitsch mit viel Übersicht rechts im Sechzehner freigespielt, knallt die Kugel unhaltbar ins linke, lange Eck! Zuvor hatte schon Bébou den nächsten Treffer auf dem Fuß, in der 9. Minute zog er, steil geschickt, nur knapp am linken Pfosten vorbei.

Mit dem 2:0 im Rücken spielte Hoffenheim gleich nochmal dominanter, was trotz der klaren Favoritenrolle gar nicht so einfach war, denn der SC aus Paderborn lief die Abwehrreihen der TSG extrem hoch an und suchte sein Heil in eigenen Abschlüssen: in der 29. Minute hatte Baumann gegen Souza noch eingreifen müssen. Doch das Spiel aus der Abwehr heraus funktionierte diesmal perfekt, gefolgt von schnellen Kombinationen durchs Mittelfeld und ständiger Torgefahr.

Dabei hatte Trainer Alfred Schreuder sein Team nach dem Sieg in Duisburg wieder weitgehend umgestellt: allein Rudy, Locadia, Kaderabek und Bébou befanden sich auch gegen Paderborn in der Startelf. Kramaric, der gegen Duisburg geschont worden war, saß erneut nur auf der Bank, kühlte dabei jedoch, was ein wenig Sorgen bereitete, genau jenes Knie, das ihn bereits viele Spiele zum Saisonauftakt gekostet hatte.

An diesem Freitagabend aber wurde Kramaric nicht gebraucht: „In der ersten Halbzeit haben wir ein fast perfektes Hoffenheim gesehen“, gab der Trainer später zu Protokoll. Tatsächlich überrollte eine Angriffswelle nach der andern die Paderborner Abwehr, die davon nicht eben sattelfester wurde. Am bemerkenswertesten war alles in allem jedoch die Hoffenheimer Kombinationsfreude und -sicherheit, was den erwünschten Spielstil von Schreuder perfekt widerspiegelte und den Betrachter förmlich mit der Zunge schnalzen ließ.

Und auch das Toreschießen wurde nicht vergessen. In der 26. Minute gab Kaderabek einen scharfen Ball von rechts fast von der Torauslinie herein, den sich Locadia halbrechts sicherte. Ein, zwei Zucker später hatte er die Kugel nach rechts innen verschoben und sich auf den rechten Schlappen gelegt und zu einem Schlenzer angesetzt, der Zingerle erneut keine Chance ließ. Das Tor war der berühmte, wenn auch sehr frühe Deckel auf dem Spiel, zumal der SC Paderborn seine Abwehr bei eigenen Vorstoßversuchen nun doch etwas weniger entblößte als zuvor und auch Hoffenheim etwas Tempo aus dem eigenen anhaltenden Vorwärtsdrang nahm.

Bis zur Pause blieb es dadurch beim 3:0, das insgesamt so schön anzusehen war, dass es enorm viel Lust und Appetit auf mehr machte. Doch nach dem Seitenwechsel war der Wurm in diesem eben noch so hinreißenden Spiel, und das aus zwei einsehbaren Gründen: Zum ersten hatte Paderborn in der Kabine offenbar beschlossen, sich entgegen der eigenen Spielphilosophie nun doch massiv aufs Toreverhindern zu beschränken, um ein drohendes Fiasko zu vermeiden, was auch gelang, während Hoffenheim nach zwei anstrengenden Spielen in den letzten sechs Tagen weder unnützes Tempo machen, noch in unnütze Zweikämpfe gehen, noch in unnötige Konter laufen wollte.

In der Summe ergab sich daraus ein etwas einschläferndes Fußballgeschehen, das zwar Kapitän Kevin Vogt den Rekordwert von 100% angekommenen Pässen einbrachte, aber für manche Zuschauer, die schlicht und einfach auf mehr Tore und noch mehr begeisternde Angriffe gehofft hatten, so langweilig wurde, dass hier und da sogar unnötige Pfiffe ertönten. Ob es angemessen war, dass im Anschluss ans Spiel ein angefressener Kapitän Vogt dann den pfeifenden Fans riet, in Zukunft lieber ins Theater zu gehen, wo allerdings Pfiffe weitaus weniger üblich sind als beim Fußball, mag dahingestellt bleiben.

Andere äußerten sich maßvoller, aber immer noch voller Unverständnis für die Pfiffe, die natürlich nicht eben von größtem Fußballsachverstand kündeten und vielleicht auch des Respekts vor Spielern entbehrten, die ihre Kräfte klug einteilen und für weitere Großtaten schonen wollen. Andererseits sollte man von ein paar motzigen Pfiffen nicht allzu dünnhäutig werden: der Fußball lebt nunmal von seinen Emotionen, die auch mal ins Kraut schießen können. Mehr nicht.

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Alexander H. Gusovius

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