Zäh gegen Zebras

Hoffenheim siegt auch in Duisburg

Text: Alexander H. Gusovius Headerbild: Getty-Images

Pokalfight, eigene Gesetze, David gegen Goliath: all die Schablonen, die gern angewendet werden, um enge Begegnungen im DFB-Pokal zu sensationsgeladenen Tänzchen hochzuschreiben, sind aufs Pokalspiel der TSG in Duisburg nicht anzuwenden. In Hamburg, Bochum, Leverkusen, Saarbrücken und Freiburg dagegen schon, da lagen die Sensationen in der Luft oder traten sogar ein wie beim 3:2 der Saarbrücker über Köln. Selbst in Bielefeld, dem Ort, dessen wirkliche und wahrhaftige Existenz noch immer nicht abschließend geklärt ist, selbst dort auf der Alm also hätten die Hausherren dem angereisten FC Schalke beinahe noch in die Suppe gespuckt.

Nicht so in Duisburg. Dort präsentierte sich ein munterer Drittligist, der Hoffenheim zu Beginn der Partei hoch anlief, weil sich in den vergangenen Spielen der TSG gezeigt hatte, dass man auf diese Weise den gefahrbringenden Spielaufbau der Kraichgauer am ehesten stören kann. Und das gelang auch hier: Duisburg sah in den ersten Minuten sogar um einiges agiler und zielorientierter aus. Dass es dabei nicht bleiben würde, wusste jeder, der Alfred Schreuders Stil in den letzten Wochen genauer studiert hatte. Wie lang es dauern könnte, bis die TSG Fahrt aufnehmen würde, wusste wiederum keiner.

Weil es jedoch wirklich sehr lang dauerte, und zwar bis die gesamte erste und auch Teile der 2. Halbzeit herum waren, wurde das Spiel zu einer über weite Strecken etwas zähen Veranstaltung, in der die Zebras ihrem natürlichen Fluchtreflex zunehmend gehorchten und sich immer weiter hinten einigelten, was aber ganz klar vor allem dem zunehmenden Hoffenheimer Druck geschuldet war – und den Hoffenheimer Druck naturgemäß nochmals mehr zunehmen ließ. Insgesamt jedoch präsentierte sich der Drittligist aus Meiderich dennoch fast nie wie ein Drittligist – eine Einschätzung, von der man inzwischen öfter hört. Was aber auch daran liegt, dass die unteren Ligen in Sachen Fußballkunst immer mehr aufholen, während die erste Liga zunehmend stagniert, weshalb die Verhältnisse dort zusehends enger werden und die beste Liga der Welt bald nicht mehr so zu nennen sein dürfte…

Bis auf Kaderabek, Rudy und Locadia hatte Alfred Schreuder die Positionen im Team allesamt neu besetzt, was immerhin erklärte, warum es so lang dauerte, bis das neuformierte Team in den Rhythmus fand. Und nach der Pause musste auch Rudy mit Rückenproblemen weichen – dafür kam Grillitsch ins Spiel, was sich alsbald auszahlte, als er in der 53. Minute bei einem schnellen Hoffenheimer Gegenangriff noch vor dem Sechzehner einen Schuss ansetzte, der unhaltbar im langen Eck einschlug. Nur sechs Minuten später wurde Adamyan von Baumgartner in Szene gesetzt und erzielte aus spitzem Winkel das 0:2. Das waren die Spielmomente, in denen die Überlegenheit des Erstligisten über den Drittligisten besonders deutlich wurde.

Andere Momente gab es auch. Ein paarmal mussten Pentke – tadellos im Tor für Baumann – und seine Vorderleute viel Können aufbieten, um die Zebras daran zu hindern, mit dem Anschlusstreffer Euphorie in der eigenen Hütte anzuzünden und vielleicht doch noch in Richtung Pokalsensation zu marschieren. Doch die Methode Schreuder mit kontrolliertem Defensivverhalten bewährte sich auch hier, sodass es zuletzt beim alles in allem völlig verdienten Auswärtssieg blieb. Und damit hat die TSG das Achtelfinale klargemacht, seit langer Zeit mal wieder, und wird alles daran setzen, noch weiter vorzustoßen im DFB-Pokal. Wenn man sich anschaut, wie kompakt sich selbst diese weitgehend neu formierte Mannschaft am Dienstagabend darbot, möchte man daran durchaus auch glauben…

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Alexander H. Gusovius

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