Die Rückkehr des Andrej Kramaric

Hoffenheim knipst Schalke weg

Autor: Alexander H. Gusovius / Bilder: Uwe Grün, Kraichgaufoto

Es war klar, dass Andrej Kramaric  – nach fünf Monaten ohne Pflichtspiel – gegen Schalke in den Kader zurückkehren würde. Dass er auch in der Startaufstellung stehen würde, war eine dicke Überraschung, sicher auch für den Gegner. Doch daran lag es nicht, dass Hoffenheim die Knappen mit 2:0 nachhause schickte. Sondern eher daran, dass Kramaric die gesamten 90 Minuten durchhielt und somit Hoffenheim in der 72. Minute in Führung schießen konnte. Doch eins nach dem andern…

In der ersten Halbzeit sah Hoffenheim schlecht aus, Schalke schien haushoch überlegen. Der Schein trog indessen etwas, so schlecht, wie es aussah, war das Spiel der TSG gar nicht. Vielmehr sorgten die extrem hoch pressenden Gäste dafür, dass es zu keinem sauberen Spielaufbau kam – woran aber auch die gewählte Aufstellung schuld war: Hübner und Akpoguma bildeten die Innenverteidigung, Posch und Skov die Außen, während der vom lädierten Hüftbeuger genesene Kevin Vogt Grillitsch auf der defensiven Sechs ersetzte und auf dieser Position neben Rudy einigermaßen anbindungslos blieb.

Mal ums Mal irrte der Kapitän deshalb förmlich zwischen den Reihen umher, offensiv wie defensiv. Weiter vorn teilte Geiger als Achter sein Schicksal in dieser gar nicht gut funktionierenden Formation, und Kaderabek als zweiter Aufbauspieler fand ebenfalls nicht in Tritt. Insofern war es kein Wunder, dass auch Kramaric und Adamyan nicht zu glänzen vermochten. Stattdessen lief die Schalker Angriffsmaschinerie wie geölt, was aber im Umkehrschluss ebenfalls nicht Wunder nahm, denn im holpernden Verbund der TSG waren die Räume im Mittelfeld nahezu frei bespielbar.

Wenn die meisten Experten später meinten, Schalke hätte in dieser Phase des Spiels nur die letzte Konsequenz im Toreschießen vermissen lassen, dann irrten sie. Denn an dieser letzten Konsequenz wurden die Knappen nicht zuletzt durch die aufmerksame, nie ins Wackeln geratende Hoffenheimer Defensive gehindert, die es nur nicht schaffte, den Ball gegen die wie besessen hoch anlaufenden Knappen sauber nach vorn zu tragen, sodass die Gäste nahezu pausenlos anrannten, aber zuletzt doch immer steckenblieben.

Man durfte davon ausgehen, dass so viel königsblaue Lauferei konditionell irgendwann ans Ende kommen würde. Tatsächlich gönnten sich die Schalker im Gefühl der optischen Dauerüberlegenheit ca. ab der 35. Minute ein erstes Verschnaufpäuschen, und siehe da: Hoffenheim kam sofort besser nach vorn und entwickelte endlich erkennbaren Tordrang. Bis zur Pause hatte das torlose Remis aber Bestand, und nach der Pause änderte Trainer Schreuder seine Marschroute. Erstens schickte er Vogt in die Innenverteidigung, als Chef in die Mitte, wo er sichtbar aufblühte, zweitens nahm er Geiger vom Feld und ersetzte ihn durch Bébou, und drittens zog er die ganze Mannschaft weiter nach hinten und nahm Schalke damit alle die Räume, die in der ersten Halbzeit für den vermeintlichen Glanz der Knappen gesorgt hatte.

Jetzt hieß es nur noch, die nächsten 20 Minuten zu überstehen und auf das nächste königsblaue Konditionsloch hinzuarbeiten. Beides gelang vorbildlich: Schalke spielte sich immer noch mehr fest, ohne die mindeste Aussicht auf Erfolg, wurde davon zusehends träger und wähnte sich dennoch immer noch spielbestimmend. Genau in diese mentale Lücke stieß Hoffenheim ab der 70. Minute und zog nun mächtig den Schlussspurt an: Zunächst durch Bébou, der in der 72. halbrechts steil ging, ein paar Schalker aussteigen ließ und abzog: Nübel konnte die Granate zwar noch abwehren, doch im Hintergrund kam Kramaric angerauscht und feuerte die Kugel unhaltbar in die Maschen.

Den Endpunkt setzte in der 85. Minute gegen die ebenso entkräfteten wie schockierten Knappen Bébou selbst. Diesmal tunnelte er Sané und versenkte den Ball mit einem scharfen Schuss links unten ins kurze Eck. Damit war der berühmte Sack zu und Schalke einmal mehr besiegt. Unterm Strich wird der Sieg als glücklich gehandelt, in Wahrheit war er klug erarbeitet und eine weitere Wegmarke der Handschrift von Alfred Schreuder, der damit zwei Siege in Folge einfahren konnte – was einen seiner Spieler ganz besonders freute, nämlich Sebastian Rudy, der von diesen beiden unterlegenen Gegnern in den Jahren zuvor als nicht gut genug befunden worden war: Bayern und Schalke. Der TSG-Heimkehrer wird sich am Sonntagabend ein Extra-Bierchen gegönnt haben!

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Alexander H. Gusovius

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