Mit Ecken und Kanten

Hoffenheim schlägt Bremen

Es war ein Spiel mit drei Toren nach Eckball und kantiger Defensive der Gäste, mit einem weiteren Tor nach brutalem Fehlpass und einem, das infolge einer Blitzreaktion fiel. Schön anzusehen war das Ganze nicht. Jedoch schön zu erleben, wenn man mit dem Herzen bei der Heimmannschaft war.

Viel mehr ist über das Spiel gar nicht zu sagen, außer man geht hier und da ins Detail. Und davon gab es einige. Also: Warum fielen drei Tore nach Ecken, davon zwei für Hoffenheim und eines für Bremen? Weil es jeweils an der nötigen Konzentration haperte, was bei beiden Teams auch schon im Auftaktspiel zu beobachten war. So kurz, so klar!

Und wieso war das Spiel über weite Strecken eigentlich nicht schön anzuschauen? Und das, obwohl Sportdirektor Rosen und Trainer Schreuder beide mutigen, attraktiven Fußball versprochen hatten? Weil einerseits Bremen die Räume extrem dicht machte, ungewohnt heftig auf den Mann ging und andererseits die Hoffenheimer Ballrotation noch immer nicht schlüssig nach vorne gelangte, sondern weiterhin wesentlich hintenherum ausgelebt wurde.

Letzteres wurde auch vom Trainer gerügt, der diesmal Baumgartner neu im Mittelfeld aufgeboten hatte, ohne dass davon eine spürbare Belebung ausgegangen wäre. Man muss indessen festhalten, dass viele Offensivsituationen auch deshalb bereits im Ansatz stecken blieben, weil entweder Geiger übermotivierte Bälle nach vorn brachte oder Bébou sich festdribbelte und den Ball alsbald verlor. Stafylidis, für den angeschlagenen Zuber ins Team gekommen, zeigt gute Ansätze, vor allem auch offensiv, was mannschaftlich nur viel zu selten genutzt wurde.

Es scheint so, um noch einmal auf Bébou zurückzukommen, als würde er vor lauter Bemühen im Kopf schwer werden und dadurch geradezu zwanghaft die falschen Entscheidungen treffen – ein Eindruck, den er mit seinem Tor unterstrich: bei dem er nämlich überhaupt keine Zeit zum Nachdenken hatte. Skov steckte einen umkämpften Ball zu ihm durch, Bébou zog blitzschnell ab und jagte die Kugel mit extremer Härte unhaltbar in die Maschen. Wenn er die gedankliche Schwere abzulegen vermag, wird Bébou zum nächsten TSG-Rekordverkauf…

Der nächste Hoffenheimer, der unter Nachdenklichkeit leidet, spielte weiter hinten: Kevin Vogt. Viel von seiner Verunsicherung der letzten Saison hat er ja in der Zwischenzeit ablegen können, doch gelegentlich bricht sie noch durch, wie bei seinem gefährlichen Fehlpass aus der Umschaltbewegung, als die TSG kurz vor Schluss sogar in Überzahl spielte und durch Bébous heißen Treffer in Front lag. Da schob Vogt die Kugel ohne Not, aber ehrgeizig rechts ins bevölkerte Mittelfeld, wo Klaassen sie dankbar annahm und auf Osako weitergab, der nach ein paar Metern Kurvenlauf den Ausgleich erzielte.

Zu diesem Zeitpunkt musste man befürchten, dass Hoffenheim wie unter Trainer Nagelsmann nun völlig den Faden verlieren und sich auch noch eine Niederlage einhandeln würde, doch die Schreuder’sche Truppe fiel nicht in sich zusammen, sondern baute sich auf, ging nun endlich wie versprochen mutig nach vorn und kam durch Kaderabeks Kopfballtreffer nach Eckball zum letztlich verdienten Siegtreffer. Zwischendurch hatte es auch noch einen Treffer durch Füllkrug gegeben, bei dem Vogt ebenfalls nicht wirklich gut ausgesehen hatte. Doch da irgendein Körperteil von Füllkrug, der anatomisch zur verlängerten Hand gerechnet wird, vor dem Treffer mit dem Ball in Berührung kam, zählte das Tor nicht. Diese neue Regel wirkt in ihrer Striktheit etwas sinnfrei, wurde aber per Videobeweis korrekt angewendet – anders als das Foul von Toprak an Bébou in den allerersten Spielminuten, das zu einem Strafstoß hätte führen müssen!

Es lag also nicht am Kölner TV-Keller oder am Glück, dass Hoffenheim als Sieger vom Platz ging. Wenn ein Grund auszumachen war, dann dieser: die Mannschaft wirkte trotz der noch disharmonischen Ballrotation im Mittelfeld in sich geschlossener als früher, sie wirkt harmonischer abgestimmt. Ob sie sich zu echten Spitzenleistungen aufwerfen kann, wird man sehen. Fürs erste war dieses Heimspiel noch keine Offenbarung, aber immerhin ein ermutigender Schritt!

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Alexander H. Gusovius

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