Klare Steigerung

Hoffenheim unterliegt dennoch in Frankfurt

Autor: Alexander H. Gusovius

Bild: Getty Images

Normalerweise sind frühe Tore eher ein Problem für die Mannschaft, die in Führung geht. Denn so ein glückliches Tor gleich zu Beginn macht gern euphorisch und leichtsinnig und lässt dem Gegner alle Zeit, sich auf die eingetretene Situation einzustellen. Wer allzu früh in Führung geht, sollte deshalb möglichst rasch nachlegen, sonst dreht sich das Spiel womöglich gründlich.

Als die Eintracht zum Saisonauftakt am Sonntag gleich in der 1. Minute nach einer unaufmerksam verteidigten Ecke gegen Hoffenheim in Führung ging, musste man sich darum noch nicht allzu viele Sorgen machen. Wenn die Eintracht es nicht schaffen würde, auf 2:0 oder mehr zu erhöhen, war die Partie mehr als offen. Und genau so kam es: Frankfurt drückte während der nächsten 15 Minuten euphorisiert aufs Tempo und auf den nächsten Treffer, der aber nicht fiel. Hoffenheim fand solange zu keinem geordneten Spielaufbau oder aufbauendem Ballbesitz.

Das gelang erst nach ca. 20 Minuten, als Frankfurt sich etwas zurückfallen ließ und in der etwas glücklichen Führung einzurichten begann. Endlich fing der Ball an zu rotieren, wie es die Pläne von Alfred Schreuder vorsahen. Er kam nur nicht häufig genug in der Offensive an, sodass echte Torchancen Mangelware blieben. Rupp und Skov hatten dennoch die Möglichkeit, einzunetzen, vergaben jedoch aus halber Distanz.

Geiger machte es besser, als er ca. 5 Minuten vor dem Halbzeitpfiff nach einer kurz ausgeführten Ecke von links einen Bogenschuss aufs Tor brachte. Der flog auch in die Maschen, wurde aber nach TV-Kontrolle nicht als Treffer gewertet, weil Rupp sich im passiven Abseits befunden hätte. Zu diesem Zeitpunkt wäre der Ausgleich absolut verdient gewesen, Hoffenheim hatte inzwischen weit mehr vom Spiel und war die dominante Mannschaft.

Nach der Pause drückte die Eintracht, wie nicht anders zu erwarten, wieder mächtig aufs Tempo und wollte den raschen Ausbau der gefährdeten knappen Führung. Diesmal gelang es der TSG jedoch nicht, nach 20 Minuten das Spiel erneut an sich zu ziehen: Die Eintracht hatte nämlich aus ihrer Unterlegenheit vor der Pause den rustikalen Schluss gezogen, Hoffenheims ballführende Spieler jeweils hart zu attackieren, um den Spielfluss zu unterbinden. Wer gedacht hatte, dass weitere 45 Minuten bereitstünden, Frankfurt spielerisch niederzuringen, sah sich wahrlich derb getäuscht.

Daran änderte auch nichts die Einwechslungen von Samassékou für Rupp in der 65. Minute, von Belfodil für Geiger in der 71. und von Grifo für Skov in der 76. Minute. Manche Momente sprachen für die Einwechslungen, doch Samassékou wirkte noch fremd im Mannschaftsgefüge und Belfodil noch nicht wieder im Vollbesitz seiner Kräfte, während Grifo einfach nicht genug Zeit blieb. Insgesamt hatte Frankfurt in der 2. Halbzeit klar die besseren Chancen, wirkte konditionell besser gerüstet und gewann durchaus verdient, auch wenn Belfodil in der Nachspielzeit einen weiteren Abseitstreffer für die TSG erzielte.

Alfred Schreuder und seine Mannschaft müssen nun die richtigen Schlüsse aus der Auftaktniederlage ziehen. Wie könnten die aussehen? Zuerst einmal darf man festhalten, dass Hoffenheim nur durch das unselige frühe Tor verloren hat und über weite Strecken auf Wettkampf-Augenhöhe agierte. Was allerdings nach wie vor ins Grübeln bringt, ist die geringe Dichte an Torchancen, die selbst dann nicht besser wird, wenn Hoffenheim dominiert.

Mit Zuber und Rupp sind im Moment noch zwei Kräfte am Werk, die Schulz und Demirbay nicht adäquat ersetzen können. Zuber sorgt zwar für viel Unruhe, verzappelt sich aber zu oft, während Rupp immer noch fern der eigenen Höchstform spielt: kein Wunder nach so langer Verletzungszeit. Und auch Skov wird noch ein bisschen brauchen, bis er in der Wettkampfhärte der Liga angekommen ist, was ähnlich auch für Samassékou gilt. Rudy macht überwiegend einen guten Job, Vogt wirkt wieder souverän, Geiger spielt noch jugendlich unruhig– und Bebou verliert viel zu oft den Ball, sodass er die hohe offensive Gefahr, die grundsätzlich von ihm ausgeht, häufig selber auf null setzt.

Unterm Strich hat die Niederlage in Frankfurt noch nicht viel zu bedeuten. Der nötige Biss und die mindestens so nötige Spritzigkeit werden den Spielern noch zuwachsen. Die Defensive hat sich schon als recht stabil erwiesen, die Offensive muss sich ins System Schreuder noch tiefer einarbeiten. Doch einer aus der Truppe, das scheint unumgänglich, muss sich zum Leader aufwerfen. Nächste Woche daheim gegen Werder, so das Fazit, kann dann schon ein anderes Ergebnis zubuche schlagen. Letzte Saison verlor die TSG übrigens auch ihr Auftaktspiel, wenngleich gegen die Bayern, und gewann danach mit 3:1 daheim gegen Freiburg…

Please follow and like us:
error0

Deine Meinung zum Artikel:
Alexander H. Gusovius

error

Dir gefällt das was Du hier liest? Erzähle es weiter.