Belfodils Budenzauber

Nicht wenige dachten sich anfangs der laufenden Saison, dass man Belfodil lieber in Bremen gelassen hätte, wo er selten mit genialen Momenten auffiel und umso öfter unglücklich agierte. Die letzten beiden Spiele der TSG haben nun hinlänglich bewiesen, dass Belfo ein Spitzenstürmer ist, der Tore in Serie zu schießen vermag. Wenn etwas noch verbesserungswürdig ist an seiner Art, Fußball zu spielen, dann wohl nicht der für Stürmer typische Eigensinn, sondern dass er bei Ballverlusten oft resigniert stehenbleibt und mit hängenden Schultern zuschaut, wie seine Kollegen den entstandenen Schaden zu reparieren versuchen.

Doch auch solche tieftraurigen, untätigen Sequenzen werden seltener: Belfodil taucht auch auf Höhe der Abwehr immer häufiger auf und ist in Hoffenheim angekommen – sagt er selbst, und dass er im Übrigen jetzt erst die nötige Lebensreife erlangt habe. Wenn man sich bspw. anschaut, mit welchem Stoizismus er das von Kramaric gekaperte Tor zu dessen Rekord als TSG-Meisterschütze ertrug, dann glaubt man ihm das aufs Wort. In Augsburg hat er als Reaktion darauf in der ersten Halbzeit zwar etwas zu oft versucht, Torchancen selber in Tore zu verwandeln, anstatt nach Mitspielern, etwa dem Sportkameraden Kramaric, Ausschau zu halten, die besser positioniert wären, doch die drei Tore in Halbzeit 2 entschuldigten alles.

Nach dem 4:1 über Leverkusen war das 0:4 in Augsburg schon der zweite Vier-Tore-Sieg in Folge. Daran könnte man sich gewöhnen – genau darin liegt andererseits jedoch die Gefahr für die kommenden Spiele: dass man nämlich irgendwie davon ausgeht, dass die Mannschaft von nun an nicht mehr wie bisher so oft ausgelassenen Chancen hinterhertrauert, sondern Tore wie am Fließband fabriziert. Vor allem, wenn sie selbst davon ausgeht. Denn die beiden torreichen Siege über Leverkusen und Augsburg kamen unter für uns günstigen Bedingungen zustande, womit nicht dauerhaft zu rechnen sein wird.

Leverkusen bspw. kam uns durch die riskant offensive, hinten bei weitem zu offen vorgetragene Spielweise entgegen, Augsburg wirkte vergleichsweise matt. Das verlängerte und verlorene Pokalspiel unter der Woche gegen Leipzig hatte Körner gekostet, die gegen uns fehlten und den erwarteten schweren Gang eher zu einem Spaziergang machten. Deshalb ist natürlich noch lange nicht der Umkehrschluss zulässig, dass unsere Mannschaft kein großartiges Spiel gemacht hätte, denn das hat sie: es rückt nur die Verhältnisse etwas gerade – und verdient haben wir nach viel Pech in der Vergangenheit dies bisschen glückliche Konstellation allemal.

Augsburg war aber, an der Erkenntnis führt kein Weg vorbei, an diesem Sonntagnachmittag nicht wirklich wettkampftauglich. Die Puppenspieler schlugen bspw. derart viele Bälle bei schlecht getimtem Zuspiel ins Seitenaus, dass man „Augsburg“ gut und gern in „Ausburg“ hätte umtaufen dürfen. Und auch sonst blieben nahezu alle Versuche der Gegenwehr in den müden Ansätzen stecken. Aber egal – es hat Spaß gemacht, unserer Mannschaft dabei zuzuschauen, wie sie sich von der Hypothek der vielen blöden Gegentore und unglücklichen Unentschieden freimachte und feinsten Fußball zelebrierte.

Wie fein der Hoffenheimer Fußball tatsächlich angelegt ist, konnte man dann bei der anschließend auf Sky übertragenen Partie Gladbach-Bremen sehen. Da spielten zwei andere Aspiranten auf europäische Plätze gegeneinander und produzierten bei allem offensiven Bemühen doch jede Menge Ausschuss – deutlich mehr, als bei noch so ungünstig verlaufenden Partien der Vergangenheit Hoffenheim jemals Ramsch auf den Rasen gebracht hätte.

Wenn die letzten beiden leichteren Spiele also dazu dienten, den Hoffenheimer Turbo anzuwerfen und mit voller Durchschlagskraft in den Schlusssprint der Saison zu gehen, um auch unmittelbare Konkurrenten um die europäischen Plätze wie Bremen, Gladbach und Wolfsburg zu überrennen, die sämtlich noch als Gegner auf uns warten, dann hat alles, worüber man sich so Gedanken machen kann, seinen Sinn und seine Richtigkeit.

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Alexander H. Gusovius