Willkommen zurück, Alfred Schreuder!

Darauf hat man lange warten müssen! Noch im Winter hat die TSG den Nachfolger von Julian Nagelsmann verkünden wollen – nur dass der Winter jetzt fast herum war und niemand mehr so recht daran glaubte. Doch auf den letzten Metern haben die Verantwortlichen tatsächlich noch Wort gehalten…

Nun ist der Frühling ausgangs des Winters da und der neue Name heraus. Doch Überraschung: der neue Name ist ein alter. Alfred Schreuder, vormals Co-Trainer von Julian Nagelsmann, vor über einem Jahr in die Niederlande zurückgekehrt, weil ihm ohne seine Familie die Zeit lang wurde im Kraichgau. Dass sie nicht mitgezogen war, lag vermutlich nicht zuletzt daran, dass Schreuder noch von Feuerwehrmann Huub Stevens geholt worden war: vermutlich nur auf begrenzte Zeit, die sich erst verlängerte, als der Knurrer von Kerkrade wegen Herzproblemen passen musste und den Chefsessel Julian Nagelsmann überließ, der Schreuders Hilfe brauchte.

Also da ist er wieder! Die Nachricht ist auch deshalb so überraschend, weil absolut niemand Alfred Schreuder auf dem Schirm hatte. Über Monate wurde einzig der Name Rose heiß gehandelt, zuletzt nur noch lauwarm – und neue Namen wurden in den Ring geworfen, nur Schreuder nicht. Die TSG hielt dicht, kommentierte nichts und niemanden und kann damit jetzt eine Nachfolgeregelung präsentieren, die so ideal zu sein scheint, dass man sich schon fragt, wieso man nicht von selbst darauf gekommen ist.

Vielleicht auch deshalb, weil Nagelsmann seinen hochkompetenten Ex-Co-Trainer kürzlich nach Leipzig holen wollte und Ajax Amsterdam abwinkte, wo Schreuder seit einiger Zeit wieder als Co sehr erfolgreich tätig ist und dabei mithalf, Real Madrid aus der Champions League zu werfen. Schreuder wird wohl an der Ablehnung nicht unbeteiligt gewesen sein und zu diesem Zeitpunkt schon mit Hoffenheim verhandelt haben. In Leipzig werden sie sich nun ein wenig mehr ärgern als ohnedies… Und mit Alfred Schreuder kehrt ein Trainer zur TSG zurück, der nicht nur die Mannschaft und die meisten der Spieler sehr gut kennt, sondern auch wesentlich an den Erfolgen der ersten zwei Jahre unter Nagelsmann beteiligt war. Er kennt folglich auch das Spielsystem und die besonderen Trainingsmethoden, die er denn auch nach Amsterdam exportiert und dort modifiziert angewandt hatte. Mit Erfolg, wie der großartige Fußball von Ajax beweist.

Cheftrainer war er übrigens auch schon, in Enschede. 45 Spiele lang hat er dort die Mannschaft gecoacht und ist ein Vertreter des holländischen „Voetball totaal“, jenes attraktiven, schnellen Angriffsfußballs, den Wikipedia so beschreibt: „Totaler Fußball ist ein Spielsystem im Fußball, bei dem auf jeder Position, die zuvor von einem Spieler verlassen wurde, ein anderer nachrückt. Dies führt dazu, dass alle zehn Feldspieler zusammen angreifen und alle zehn Feldspieler zusammen verteidigen. Kein Spieler muss auf seiner Anfangsposition bleiben, jeder kann nacheinander Stürmer, Mittelfeldspieler oder Verteidiger sein. Das System erfordert von den Spielern ein hohes Taktikverständnis, um die entstehenden Lücken schnell zu füllen – im besten Fall kann jeder Spieler auf jeder Position spielen. Außerdem wird den Spielern eine herausragende Technik und körperliche Leistungsfähigkeit abverlangt. Der Begriff Totaler Fußball wird im weiteren Sinne dazu verwendet, das effektive, dominierende Spiel der niederländischen Nationalmannschaft um die beiden Spieler Johan Cruyff und Ruud Krol in den 1970ern zu bezeichnen. Der taktische Gegenpart zum Totalen Fußball ist der italienische Catenaccio.“

Besagter Johan Cruyff hat diese begeisternde Art, Fußball zu spielen, übrigens nach Spanien mitgenommen und dort ins Herz des FC Barcelona verpflanzt, wo sie unter Pep Guardiola mit Messi zu taktischer Blüte gelangt ist. Jetzt erleben wir das also mit als TSG-Variante und entwickeln den Fußball von Nagelsmann auf diese Art weiter, und ein schönes Extra dabei ist, dass Alfred Schreuder auch die Gegenseite kennt: das defensive Absichern à la Huub Stevens und dessen „die Null muss stehen“. Kommt hinzu, dass sich die TSG mit der Verpflichtung treu geblieben ist! Inhaltliche, intelligente Lösungen statt großer Namen, so hält man es auch bei den Verpflichtungen von Spielern, und so war auch Nagelsmann auf den Chefsessel geklettert.

Freuen wir uns also auf Alfred Schreuder, den kernigen Niederländer, der noch kurze Hosen trägt, wenn unsereinem die Gelenke längst eingefroren sind, den intimen Kenner des Fußballs Marke Hoffenheim, den Vertreter der großen holländischen Schule! Herzlich willkommen zurück im Kraichgau, Alfred Schreuder!!!

Fotos: Uwe Grün, Kraichgaufoto

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Alexander H. Gusovius

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