Zuber – was erlaube Zuber?

Zwanzig Jahre ist sie nun her, fast auf den Tag, jene legendäre Wutrede von Giovanni Trapattoni, damals Trainer der Bayern, der darin etlichen seiner Spieler die Leviten las: in so kuriosem Deutsch, dass sich manche Wendungen im Repertoire der deutschen Gegenwartssprache festgesetzt haben und vielfältig Anwendung finden. Das Jubiläum lässt sich denn auch, gewissermaßen eins zu eins, anwenden auf das zahlengleiche Remis unserer TSG beim Derby in Stuttgart.

Denn dass ausgerechnet Zuber den Ausgleichstreffer erzielte, zum inzwischen 11. Remis der Saison, und dass er danach auch noch heftig jubelte, und zwar exakt dort, wo unsere TSG-Fans saßen, ist vielen ganz erheblich aufgestoßen. Er selber suchte die Fans danach via Soziale Medien zu beschwichtigen, und es fehlt nicht an ausgleichenden Stimmen, jedoch bleibt ein Geschmäckle, um eine Redensart des Derbyspielorts zu bemühen. In jedem Fall, soviel lässt sich sicher sagen, hat Zuber seinen Emotionen einen gehörigen Tick zuviel Raum gegeben.

Das war auch während des übrigen Spiels zu beobachten. Zuber agierte über weite Strecken ziemlich übermotiviert und strotzte vor fehlgehender Entschlossenheit, es allen zu zeigen, besonders offenbar jenen der TSG, die ihn nicht ausreichend gewürdigt hätten. Bei Zuber, dem so gar nicht Filigranen, sondern physisch grundierten und extrem tätowierten Fußballer, wirkt sowas dann rasch martialisch und mindestens arg übertrieben. Ohne ins allgemeine Zuber-Bashing einsteigen zu wollen (das imgrunde ebenso übertrieben daherkommt, wenn von „du Hund“, „nie mehr TSG“ usw. die Rede ist), darf man Zubers Gejubel doch mindestens „a bissle“ plump finden. Und zuletzt auch noch das Fritzle, jenes VfB-Maskottchen-Krokodil zu umarmen, das musste nun wirklich nicht sein! Unserem Hoffi dürfte sich beim Anblick der Magen umgedreht haben…

Man muss im Übrigen aufpassen, dass einem der Ärger über das nächste unverdauliche Remis nicht verrutscht und man es auf Zubers Kosten abarbeitet. Wir haben mit Bauchgrimmen ein Spiel unserer Mannschaft gesehen, das über weite Phasen mal wieder deutlich dem Spiel des Gegners überlegen war und doch auch wieder seltsam gehemmt wirkte. Wenn Zuber, der im TSG-Trikot zur allgemeinen Hemmung beitrug, sich jetzt im VfB-Leibchen freier und glücklicher fühlt, sollten wir ihm die übertriebene Freude lassen und lieber darüber nachdenken, woher diese eigenartige Hemmung in unserem Spiel kommen mag.

Eine Konstante bei all diesen hergegebenen Führungen ist, dass Hoffenheim sich der Überlegenheit in dieser Saison zu sicher ist und darüber irgendwann den gesamtmannschaftlichen Überblick verliert. Man kann fast die Uhr danach stellen, wann der Gegner dann zum Torerfolg kommt. Wie es aussieht, liegt der Schlüssel dafür im Mittelfeld, wo nach etlichen herausgespielten Chancen eine gewisse Nonchalance einsetzt, die aus sinnlosem Festdribbeln, vergeigten Superpässen, unplatzierten Fernschüssen und zunehmender Trägheit, gepaart mit defensiver Antriebslosigkeit und, sagen wir es rundheraus: Arroganz gepaart ist.

Von unserer Offensive ist dann nicht mehr viel Struktur zu erwarten. Was zu Spielbeginn, wahlweise nach der Halbzeitpause, noch geschlossen daherkommt und den Gegner massiv und aussichtsreich unter Druck setzt, schrumpft alsbald zu einer vielfüßigen, hochklassigen Sportgemeinschaft, der es am Antrieb gebricht. Und an der nötigen defensiven Aufmerksamkeit, was der Gegner natürlich merkt und ausnutzt. Ist das, wenn es denn so ist, eher ein Systemfehler, ein Charakterfehler Einzelner oder eher die Summe individueller Fehler? Vermutlich alles zusammen…

Da nicht damit zu rechnen ist, dass sich ein so hartnäckiger Trend alsbald auflösen wird, müssen wir für diese Saison wohl damit zufrieden sein, dass mehr als ein solider Mittelfeldplatz nicht drin ist. Das ist schade, aber die Realität. Sollte es doch noch zum viel beschworenen Endspurt kommen, immerhin gibt es in acht Spielen noch 24 Punkte zu holen, freuen wir uns. Wenn nicht, lassen wir uns die Laune auch nicht verderben. Der Fußball lebt vom Auf und Ab, und aus jeder Senke geht’s irgendwann wieder nach oben. Spätestens eben nächste Saison…

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Alexander H. Gusovius