Der Fluch der letzten Minuten

Die Freude der TSG-Fans an den närrischen Tagen ist in diesem Jahr kräftig gedämpft, woran die Orkanböen, die aktuell übers Land ziehen, den geringsten Anteil haben. Schuld daran ist vielmehr der mittlerweile zwei Tage zurückliegende Verlauf des Bundesligaspiels in Frankfurt, das die Eintracht mit 3:2 nicht unbedingt verdient gewonnen hat. Was den TSG-Fans die Laune stattdessen entscheidend verhagelte, war demnach nicht die Spielweise unserer Mannschaft, sondern die Frankfurter Treffer zwei und drei in letzter Minute, die gleich zweimal kurz vor Schluss fielen: erst zum Ende der regulären Spielzeit, dann zum Ende der Nachspielzeit.

Nach dem Remis in Leipzig ein paar Tage zuvor, wo es zum Ausgleichstreffer gegen uns auch erst kurz vor dem Abpfiff kam, gesellt sich zum Fluch der vielen Remis damit nun auch noch der Fluch der letzten Minuten. Das tut verflucht weh, macht sowas von keinen Spaß – bzw. ist es nachgerade zum Verzweifeln, denn wenn man so gut spielt und kriegt den Lohn dafür in letzter Sekunde vor der Nase weggeschnappt, dann verliert man leicht mal den Faden und hadert man mit allem und jedem und weiß kaum noch wohin mit seinen Gefühlen.

Trotzdem sollte man sich nicht zu Ungerechtigkeiten verleiten lassen und die Mannschaft und ihre Betreuer in Bausch und Bogen verurteilen, wie es in den (un)sozialen Medien dieser Tage immer mal wieder geschieht. Anders und zum allgemeineren Verständnis etwas derber formuliert, war die Niederlage in Frankfurt sicher ein handfester Grund, um zu kotzen, aber nicht, um abzukotzen. Fußballspiele sind aus Fansicht zwar dazu da, irgendwie Spaß zu machen, aber sie sind nunmal nicht an die Garantie auf Siege gekoppelt – sonst gäbe es ja auch keine Verlierer.

Das Leben ist schön, aber öfters mal ungerecht. Das gilt auch für Fußballspiele. Wer Siege, gern auch mal dreckige Siege feiern will, muss auch verlieren können wie wir in Frankfurt. So weit, so klar! Das Blöde ist nur, dass es in dieser Saison andauernd so geht, dass wir wie in Frankfurt tollen Fußball abliefern, am Ende aber in die Remis-Röhre gucken oder sogar verlieren. Dabei hätte man vor dem Spiel angesichts der ewig langen Verletztenliste gar nicht gedacht, dass unsere (Rest)-Mannschaft noch derart wettbewerbsfähig sein würde. Umso schmerzlicher war dann der Knock-out…

Wie erwartet ging die Eintracht bald in Führung. Als dann in der 37. Minute auch noch Demirbay das umfängliche TSG-Lazarett erweiterte, angeschlagen vom Feld musste und für ihn Szalai kam, schien die Niederlage unabwendbar, obwohl unsere TSG, gerade auch defensiv, eine bärenstarke Vorstellung gab. Doch die nun notwendigen Umstellungen im Spielsystem machten uns noch stärker, und so erzielte Joe-le-Taxi nach Szalais Vorarbeit kurz vor der Halbzeitpause sogar noch den gerechten Ausgleichstreffer.

Nach der Pause traf erst Szalai mit einem Fernschuss-Kracher die Querlatte, zehn Minuten später Belfodil zur umjubelten Führung ins Tor. Kurz darauf zog sich Adams, der eine sehr gute Vorstellung gegeben hatte, die zweite gelbe Karte zu und flog vom Platz. Jetzt war unsere aufopferungsvoll kämpfende Mannschaft nur noch zu zehnt unterwegs und hielt sich trotzdem tapfer, verlor aber gegen die nun immer aggressiver anrennenden Frankfurter in der 82. Minute auch noch Amiri, bei dessen medizinischer Behandlung es zu unschönen Szenen mit Hasebe kam, womit der Japaner wohl vorhatte, den Leistungswillen der Eintracht nochmals anzustacheln.

Leider ging der Plan auf, flankiert von der fast schon entkernten Hoffenheimer Resterampe, die nur noch über die Zeit zu kommen versuchte und aufopferungsvoll mit Joelinton im Abwehrverbund fightete, aber sich in der 89. Minute den Ausgleichstreffer einfing. Mit einem weiteren verfluchten Remis wäre diesmal angesichts der Umstände wohl jeder zufrieden gewesen, nicht jedoch mit dem, was in der auf sechs Minuten großzügig angesetzten Nachspielzeit geschah, als unmittelbar vor dem Abpfiff die unentwegt anrennende Eintracht auch noch den Siegtreffer erzielte.

Für die europäischen Träume war das vorerst einer zuviel. Es wird auch nicht leicht sein, sich schnell aus dem Stimmungstief zu befreien, ob als Fan oder als Spieler. Und die Verletztenliste ist geradezu unwahrscheinlich lang – im Prinzip können wir bald mit einer erweiterten U-23 oder besser gleich mit der U-19 antreten. Aufrichten könnte man sich an dem Spiel in Frankfurt aber auch: mutiger und besser hat nur selten eine derart vom Pech heimgesuchte Truppe gespielt und gekämpft, sodass man nach diesem Wochenende, mitten im närrischen Sturmtief, auf diese TSG 1899 Hoffenheim eben umso stolzer sein darf…

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Alexander H. Gusovius