Remis-Fluch

Und wieder ein früher Führungstreffer, der nicht über die Runden zu bringen war! Stattdessen gab es in Wolfsburg das dritte Liga-Remis in Folge unter dem Motto: „Zum Verlieren zu gut, für Siege nicht gut genug.“ Das nervt, wenn man ehrlich ist. Denn was unsere Mannschaft immer wieder herzeigt und auch gegen die Wölfe phasenweise hergezeigt hat, ist erste Fußball-Sahne. Aber eben nur für gewisse Zeit, und dann wieder nicht.

Wie kann das sein? Wieso spielt Hoffenheim die Wölfe zu Beginn der Partie an die Wand und erzielt in der 4. Minute ein hammerschönes Tor von Belfodil nach Vorlage Kramaric, um alsbald derart in der Versenkung zu verschwinden, dass Wolfsburg die Partie bis zum Halbzeitpfiff wie nach Belieben dominiert und uns, um gleich nochmal ehrliche Worte zu wählen, grottenschlecht aussehen lässt? Während Hoffenheim nach der Halbzeitpause die Verhältnisse erneut umkehrte und nun die Wölfe massiv unter Druck setzte…

Wie ist das alles möglich? Der nächstliegende Gedanke ist: Solange unsere Mannschaft macht, was ihr der Trainer vor der Partie eingeimpft hat, solange spielt sie überragend gut. Das würde dann auch für die fast immer gesteigerte Leistung nach Halbzeitpausen gelten, in denen Julian Nagelsmann sein Team neujustieren kann. Aber reicht das als Erklärung hin? Und selbst wenn es so einfach wäre, wieso reguliert der Trainer das nicht?

Vermutlich liegen die Verhältnisse wie immer viel komplizierter! Zum Beispiel kann man beobachten, dass unsere Mannschaft nach ihren Führungstreffern oft deshalb einknickt, weil sie dann einfach einen Gang herunterschaltet und zu leichtfertig mit der meist noch anhaltenden Überlegenheit umgeht, etwa indem sie den Ball regelrecht ins Tor zu tragen versucht oder einige Spieler, wie in Wolfsburg bspw. Belfodil und Demirbay, gewissermaßen nur noch Premium-Pässe und Gala-Auftritte im Sinn haben und sich auch defensiv eher im gemäßigten Zurücklaufen hervortun als in stringenter Arbeit gegen den Ball.

Das geht dann eine Zeitlang gut, doch die damit einhergehenden Ballverluste und immer längeren Ballbesitzphasen des Gegners führen zu einer Überlegenheitsumkehr, der die Defensive irgendwann nicht mehr standhalten kann – zumal wenn dort nicht alles zum Besten geregelt ist und Garanten der defensiven Sicherheit wie Hübner fehlen oder wie Vogt ihr gewohntes Niveau unterlaufen. Letzterer war diesmal vorwiegend auf der Sechs unterwegs und hatte dort fast noch mehr Probleme als zuletzt im defensiven Zentrum – weshalb er in der Halbzeit zurecht aus dem Spiel genommen wurde. Erster war wider zurück und widerlegte die Idee, Vogt könne durch sein Fehlen instabil geworden sein.

Eine weitere Beobachtung ist, dass unsere Mannschaft fast immer dann ihren besten Fußball spielt, wenn sie zurückliegt. Das mag zum Beweis für Moral und mannschaftliche Geschlossenheit taugen, erklärt aber nicht, wieso beides nicht auch öfters dafür taugt, Führungen zu halten oder auszubauen. Nein, trotz vorhandener Moral und erkennbarer mannschaftlicher Geschlossenheit fällt die TSG gern immer mal wieder auseinander, imgrunde wegen Flausen im Kopf, und bringt sich, wie bei den letzten drei Unentschieden, damit um wertvolle Punkte und mögliche Spielergebnisse.

Wie eben auch in Wolfsburg! Nachdem ein unglücklicher und schuldloser Ermin Bicakcic am Ende von Fehlerketten den Ball einmal per Kopf ins eigene Tor gewuchtet und ein anderes Mal mit dem Rücken über Baumann hinweg in die Maschen gelupft hatte und Belfodils schöner Führungstreffer damit pulverisiert war, arbeitete unsere Mannschaft in der zweiten Halbzeit von Beginn an so intensiv gegen den Ball, dass aus dem zuvor noch so stolzen und angriffslustigen Wolfsrudel eine richtungslose, zerfallende Meute wurde.

Wie sehr sich bei der nun zielgerichteten TSG-Spielweise auswirkte, dass neben Vogt auch der wegen Verletzung ausgewechselte Demirbay fehlte, darüber kann man nur spekulieren, genauso wie über die Einwechslung von Nelson für Zuber. Fakt ist aber, dass es von da an besser bzw. konstanter gut lief, die Mannschaft in sich gefestigter auftrat und auch ohne Flausen und Gala-Versuche auskam und vor allem durch Kaderabek bzw. Kramaric, der zuletzt noch den Fuß am Ball hatte, in der 72. Minute den Ausgleich erzielte.

Mahr war dann nicht mehr drin, die Kräfte waren kurz danach mehr als aufgebraucht. Doch um die hier angedachten Fragen sortiert zuende zu bringen, sei noch gesagt, dass die TSG mit Zupacken und ohne Edelwillen eindeutig weiter kommt als umgekehrt und est dann richtige Leidenschaft und echte Finesse entwickelt – den Mitteln der Wahl, um den elenden Remis-Fluch demnächst abzuschütteln!

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Alexander H. Gusovius

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