Remis nach Elfmeterschießen

Das Endergebnis der Partie gibt nicht annähernd den Spielverlauf wieder – wie es zustande kam, auch nicht: In der vollbesetzten Rhein-Neckar-Arena gab es jede Menge Torszenen hüben und drüben, viel Qualitätsfußball beiderseits, etliche Fehler im Defensivspiel ebenfalls. Allenfalls am Fernseher wirkte der Support der Schalker Fans massiver, im Stadion selbst überwog der Lärm unserer Südkurve. Fast durchgängig gab’s Motivierendes auf die Ohren. An der Phonstärke lag es also nicht, wenn die Partie auf ein Remis hinauslief. Wenn etwas dafür verantwortlich zu machen war, dann eine eine seltsame Hemmung sämtlicher Feldspieler auf dem Platz, gute bis sehr gute Chancen auch zu verwerten. Mindestens so hinderlich waren die herausragenden Reaktionen beider Torhüter, an denen außer bei Strafstößen nichts vorbeikam.

Den ersten Strafstoß bekamen die Knappen zugeschrieben, die – man wollte sich ständig die Augen reiben – mit Rudy angetreten waren, der in altbekannter Minimalspielweise vor und zurück das Spiel der Schalker von hinten heraus strukturierte. Doch nach Rückkoppelung mit Köln nahm der Schiri den Elfer wieder zurück, zurecht. Bis dahin war jedoch noch ein weiter Weg, den unsere Mannschaft wie gewohnt unternehmungsreich in Angriff nahm. Wie fast immer zündete sie in den Anfangsminuten ein offensives Feuerwerk, das in der Regel nach einer Viertelstunde verflacht, wenn nichts dabei herausspringt – so auch diesmal. Denn die Schalker Abwehr stand einigermaßen sicher und war vor allem nicht mit hohen Flanken in den Strafraum zu knacken. Zuber setzte in der 6. Minuten den Ball erneut an die Latte, ansonsten glänzte Fährmann – besonders im Getümmel um die 30. Minute herum, als weder Demirbay noch Joelinton den Ball an ihm vorbei über die Linie brachten.

Da die TSG sich spätestens danach etwas zurückzog, fand jetzt Schalke mit viel Kampf und Willen zunehmend den Weg Richtung Baumann, der in der 20. Minute Burgstaller zum Verzweifeln brachte, während sich umgekehrt aufseiten der Hoffe-Fans das ungute Gefühl breitmachte, die schönen Angriffe der Anfangsminuten könnten auch leicht in einen fatalen Rückstand münden. Der erst gegebene und dann zurückgenommene Elfer war die nächste Warnung, wie schnell so ein Spiel aus der Hand gegeben werden könnte – und manche Fehlpässe und Stellungsfehler im TSG-Abwehrverbund taten ein Übriges.

In Halbzeit 2 setzte unsere Mannschaft ihr zurückgezogenes Spiel fort und Schalke tat es ihr nach, sodass erst der nächste Elfer-Pfiff in der 59. Minute die immer ödere Szenerie belebte – vor allem seitens der Knappen, die wild gestikulierend partout nicht einsehen wollten, dass ihr Elfer vorher nicht ausgeführt werden durfte und sie stattdessen nun einen Elfer gegen sich gepfiffen bekamen, der tatsächlich auf ähnlich wackligen Füßen stand, aber ohne Videobeweis durchkam. Kramaric ließ sich vom Riesen-Lamento der Königsblauen nicht aus der Ruhe bringen und versenkte das Ding. Schiri Kampka schien indessen der Meinung zu sein, dass die Partie auch danach über nicht genügend Pfiff verfügte, und rang sich in der 72. Minute darum wohl zum nächsten Elfer-Pfiff durch – wegen angeblichen Fouls von Bicakcic im TSG-Strafraum. Caligiuri fiel zwar leicht wie ein Herbstblatt vom Baum – die Szene wurde jedoch ebenfalls nicht video-kontrolliert. Bentaleb trat an und sorgte für den Endstand.

Dass jenes 1:1 tatsächlich Bestand hatte, lag allerdings ganz wesentlich an Baumann, der noch zwei grandiose Paraden hinlegte, während unsere Mannschaft nur gegen Ende noch eine Großchance durch Joelinton hatte, die Fährmann souverän neutralisierte. Am Ende war’s ein abwechslungsreiches Spiel ohne Tiefgang oder allzu aufwühlende Ereignisse, das wir aber gut und gerne auch hätten gewinnen können. Unübersehbar war jedoch, dass die Kräfte für mehr nach dem Verschleiß der letzten Spiele nicht ausreichten, sodass man wegen des einen Punktes vielleicht keine Freudensprünge vollführt, mit dem Remis aber tatsächlich zufrieden sein kann – und muss.

Fotos: Kraichgaufoto, Uwe Grün

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Alexander H. Gusovius