Hoffenheim gegen des Rest der Welt

Man hat sich am Samstag, nach dem Sieg über Dortmund, spätestens beim Blick auf die Tabelle, gern mal die Augen gerieben, vielleicht auch, um die eine oder andere Freudenträne zu verreiben. Man reibt sich aber auch zwei Tage danach immer noch die inzwischen trockenen Augen: Messi und Ronaldo ab Herbst 2018 in der WIRSOL Rhein-Neckar Arena! Ein Traum wird wahr!

Dass wirklich beide Megastars in Sinsheim auflaufen, ist zwar eher unwahrscheinlich, denn Real Madrid und Barcelona können nicht zusammen mit Hoffenheim in eine Gruppe gelost werden – so dass die TSG schon die Champions-League-Gruppenphase überstehen müsste, um, falls es da zur Begegnung mit Ronaldo oder Messi kommt, in der K.-o.-Phase auch den anderen zu Gesicht zu bekommen. Völlig unmöglich ist das Szenario jedoch auch nicht, will es nach dem grandiosen Saisonfinale scheinen, das Hoffenheim abschließend auf Platz 3 der Tabelle geführt hat.

Das ist aber auch alles völlig egal! Dieses Gefühl des „Nichts-ist-unmöglich“ sollte man genießen, solange es anhält. Und Spieler und Trainer haben es sich verdient, dass ihr fußballerisches Gesamtkunstwerk weitläufig Anerkennung findet. Über die gesamte Saison hinweg wurde ihre Arbeit unterschätzt und Hoffenheim allein dann zum Anlass von Schlagzeilen, wenn mal wieder über den nächsten Trainerjob von Julian Nagelsmann spekuliert wurde. In den Fußballtalkshows kam die TSG bspw. fast nicht vor – obwohl Hoffenheim einen der interessantesten fußballerischen Ansätze auf den Rasen brachte.

Man muss es sich auf der Zunge zergehen lassen: Hoffenheim Dritter hinter Bayern und Schalke! Die Bronze-Medaille sozusagen, in einem der härtesten Fußballvereinswettbewerbe! Unfassbar, zugleich wunderschön, nachdem es längere Zeit eigentlich nicht nach einer besonders erfolgreichen Saison ausgesehen hatte. Aber am Ende doch wahr! Und als Sahnehäubchen obendrauf der großartige Sieg über die Schwarzgelben, deren Fans es natürlich auch diesmal nicht lassen konnten, Dietmar Hopp zu beleidigen… Dafür stehen sie nun hinter Hoffenheim auf Platz 4.

Das Spiel selber war allerdings keines der glanzvolleren, weder von unserer Seite noch vonseiten des BVB, der von der TSG äußerst wirksam an der Entfaltung der in dieser Saison ohnehin beschränkten Möglichkeiten gehindert wurde. Kaum einer der balltechnisch versierten Dortmunder Angreifer kam in aussichtsreiche Situationen, außer ein Mal Reus, der dann auch gleich ein Tor erzielte. Ansonsten wirkte Hoffenheim durchweg frischer, variabler – und intelligenter… Mit 3:1 fiel der Sieg keinesfalls zu hoch aus.

Ohne Gnabry, Demirbay, Rupp, Geiger und Hübner war der klare Sieg über den BVB alles andere als selbstverständlich. Vor allem Bicakcic wusste jedoch auf Hübners Position zu überzeugen, sogar im Fach Spieleröffnung, das er mit unwiderstehlicher Einfachheit vortrug. Dortmund ließ sich aber nicht nur defensiv von der Hoffenheimer Klarheit und dem besonderen Willen, an diesem letzten Spieltag etwas Großartiges zu erreichen, sondern auch in allen anderen Belangen tief beeindrucken und kam nur mit Glück unter die letzten Vier.

Es wirkte ein bisschen so, als hätte der Fußballgott beschlossen, die Partie gegen Dortmund auf jeden Fall gut ausgehen zu lassen. Wenigstens hatte man zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass unsere Mannschaft die Schwarzgelben niederzuringen hätte – spielerisch leicht, voller Selbstvertrauen, als kompaktes Team trat die TSG auf und erzielte Treffer um Treffer, wann immer es nötig war. Des BVBs leuchtendes Gelb verblasste zusehends, am Ende schossen Konfettikanonen darum blau-weiße Papierwolken über den Rasen…

Ein Triumph sondergleichen! Der unbändige Freude inklusive der obligatorischen Bierdusche des Trainers auf der Pressekonferenz nach sich zog, aber auch viel individuelle Rührung auslöste. Einige Spieler und Verantwortliche rangen mit den Tränen, als dieses „fünfte oder sechste Hoffenheimer Wunder“ (Dietmar Hopp) vollbracht war. Schöner kann eine Saison kaum zuende gehen, größer die Vorfreude auf die nächste nicht sein! Bis dahin gibt es noch ein paar nationale und internationale Finals, Relegationsspiele und eine WM sowie einen hoffentlich beispiellos zu genießenden Sommer.

Der Hoffenheimblog wünscht nur das Beste für diese fast etwas langweilige Zeit bis zur nächsten Bundesligasaison, wenn es dann heißt: Hoffenheim gegen den Rest der Welt!

Fotos: Uwe Grün, Kraichgaufoto

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Alexander H. Gusovius