Beim VfB verloren: Showdown gegen den BVB

Wenn etliche Großchancen nicht genutzt werden, geht eben der Gegner in Führung. Wenn er sein defensives Handwerk versteht und sich dann einigelt, wird man sich kaum mehr Chancen auf den Ausgleich erspielen können. Im Gegenteil ist es fast unausweichlich, dass man irgendwann in einen Konter läuft und das Spiel endgültig verliert.

Mehr müsste man über das Spiel in Stuttgart imgrunde nicht sagen, denn ziemlich genauso ist es abgelaufen: Hoffenheim vergab in den ersten 20 Minuten eine Vielzahl herausragender Chancen, im trügerischen Gefühl, die nächste ganz bestimmt zu bekommen und dann aber zu nutzen. Stuttgarts Verteidigung, normalerweise das Schmuckstück der Schwaben, glich in dieser Phase noch einem Hühnerhaufen. Dann verletzte sich Rupp schwer und musste mit einem Kreuzbandriss vom Platz.

Die bedrückende Zäsur half dem VfB, sich defensiv zu sammeln und auch zur ersten Torgelegenheit zu kommen. Bei einer Flanke von Gentner hatte Akpoguma hinter sich Gomez zu viel Abstand gewährt, die Flanke flog über ihn hinweg und wurde von Gomez optimal verwertet. Mit dem Tor im Rücken gewann der VfB noch mehr Festigkeit und stand zunehmend tiefer, sodass es immer schwieriger wurde, Druck auf die Schwabenfestung zu entwickeln.

Mit der Hereinnahme von Zulj wanderte zudem Zuber auf Rupps Position, der Kaderabek hinten rechts vertreten hatte, während Zulj die frühere Position von Zuber im Mittelfeld einnahm. Das Spiel unserer Mannschaft wurde davon nicht besser, Zulj glänzte im Mittelfeld so wenig wie Zuber auf der rechten Außenbahn, sodass Amiri, der seit Wochen und Monaten irgendwie Gehemmte und zugleich Verspielte, vergeblich versuchte, die Fäden im offensiven Mittelfeld zu ziehen. Grillitsch assistierte ihm von der Sechserposition, so gut es ging, doch die eng gestaffelten Stuttgarter Reihen waren kaum zu knacken.

Trotzdem wirkte das Hoffenheimer Spiel immer noch überlegen. Bloß war hier, im Vergleich zu den letzten Wochen, nur noch ein Torso der erfolgreicheren Mannschaft auf dem Platz: ohne Rupp und Hübner, ohne Demirbay und Gnabry, ohne Kaderabek und Geiger fehlte eine strukturgebende halbe Mannschaft, und das war einfach zu viel, um das Cannstatter Bollwerk zu stürmen! Kam hinzu, dass der VfB sich in allerlei zersetzenden Mätzchen gefiel, in einer Mischung aus derben eigenen Fouls und simulierten Fremdfouls, worin sich besonders Gomez hervortat, der verschiedene Male spektakulär zuboden ging, obwohl er vom Gegenspieler, meist Vogt, gar nicht angegangen worden war.

Schiri Zwayer, ohnehin nicht die hellste Lampe am Schiedsrichterhimmel, fiel immer wieder drauf rein und sah nicht, wie Gomez nach solchen Kaspereien auch noch maliziös grinste. Für die WM, auf die Gomez inständig hofft, sind derlei unsportliche Kapriolen hoffentlich nicht die beste Empfehlung. Mindestens wünscht man sich jetzt, nicht nur aus alter Verbundenheit, dass im Rennen um den WM-Strafraumstürmer Sandro Wagner das Rennen bei „Jögi Low“ (Originalton Loddar Maddhäus) macht.

So vieles in den letzten Spielen glückte, so vieles ging diesmal daneben. Da passte es, dass nach dem verdienten gelb-roten Platzverweis von Ascacibar in der 65. Minute, als unsere Mannschaft einen Mann mehr auf dem Feld hatte und frische Fahrt aufnahm, infolge eines Fehlpasses von Vogt in der 74. Minute ausgerechnet wieder Gomez zum Zuge kam, der dann steil, aber altersbedingt recht langsam auf Baumann zuging und von Akpoguma noch eingeholt wurde, den er jedoch altroutiniert aussteigen ließ, und durch die Hosenträger von Baumann das 2:0 erzielte…

Ein sprichwörtlich gewordenes Wort des Malers Max Liebermann konnte einem bei diesem Tor von Grinsebacke Gomez schon in den Sinn kommen: „Ich kann nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte!“ Auch die Umstellung auf Viererkette und die Hereinnahme von Szalai und Hack brachten keine Veränderung mehr. Zwar erzielte Szalai noch einen Abseits- und einen Alu-Treffer und wirkte Hack offensiv enorm bereichernd, aber Zieler hielt alles, was noch gefährlich aufs Tor kam – und
damit die TSG davon ab, bei einem Sieg fast schon sicher in die Champions League einzuziehen.

Die Chance darauf ist jedoch immer noch gewahrt, nachdem Dortmund daheim gegen Mainz verlor und Leverkusen in Bremen nur remis spielte. Das Problem beim nun steigenden Finalgipfel gegen den BVB nächste Woche in Sinsheim ist nur, dass von all unseren verletzten Leistungsträgern allenfalls Hübner und der natürlich auch der diesmal gesperrte Kaderabek zurückkehren werden. Und es ist mit einem geradezu wütenden BVB zu rechnen, weil der, wenn es ungünstig läuft, sogar noch aus den CL-Rängen fallen könnte. Wenn es so kommt, muss man dagegen nicht viel einwenden, aber bis dahin einsehen, dass ein deutlicher Sieg über Dortmund ein schwieriges Werkstück wird!

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Alexander H. Gusovius