El Plastico lebt!

El Plastico lebt!

Es wirkte seltsam unangestrengt, wie Hoffenheim am Samstagnachmittag Leipzig mit 2:5 regelrecht überfuhr. Dabei war den Spielern danach die Anstrengung ins Gesicht geschrieben: Uth hatte gegen Ende des Spiels sogar heftige Krämpfe zu überstehen. Kein Wunder, denn alle waren wie gewohnt viel gelaufen und hatten alles gegeben, bis der Sieg in trockenen Tüchern war.

Trotzdem überwog der Eindruck von Leichtfüßigkeit, wofür es zwei Gründe gab. Zum einen ist unsere Mannschaft inzwischen derart eingespielt, dass ihr technisch und taktisch ausgereifter Fußball in den besten Momenten etwas Federleichtes, fast Schwebendes hat. Zum anderen wirkte die Partie in Leipzig wie vorbestimmt. Je länger sie lief, je mehr schien es, als könnten die Leipziger tun, was sie wollen: sie würden egalwie sowieso verlieren.

Im Vorhinein war das allerdings alles andere als klar. Bei Spielen, in denen es „darauf ankommt“, neigt unsere TSG ja eher zum Einknicken, was in etlichen DFB-Pokalwettbewerben zu besichtigen war. Zudem konnte RB eigentlich nicht noch einmal derart ins TSG-Messer laufen wie im Hinspiel, als die Sachsen mit 4:0 unter die Räder kamen. Man musste daher erwarten, zumal es um die Chance ging, sich noch für die Champions League zu qualifizieren, dass RB ein regelrechtes Feuerwerk abbrennen und sich ein Bein ausreißen würde.

Dazu kam es jedoch nicht. Denn das Problem für RB war, dass aus dem Hinspiel klar war, wie brandgefährlich es werden kann, wenn man Hoffenheim zu intensiv bespielt und sich pfeilschnelle Konter einfängt. Deshalb gingen die Sachsen die Sache diesmal weniger heißblütig an, machten dabei aber den nächsten kapitalen Fehler, weil sie damit ihre ideale, hohe Taktzahl unterliefen und nicht in den nötigen Schwung fanden. Und dann kam Murphys Gesetz hinzu, dass also für sie schieflief, was nur schieflaufen konnte: bei den beiden ersten Toren und der roten Karte für Forsberg allemal.

Dass soll nicht heißen, unsere Mannschaft hätte diesen immens wichtigen Auswärtssieg im Schlaf errungen. Anders als Leipzig machte Hoffenheim zunächst mal vieles richtig, dazu noch auf höchstem Niveau – Chancenverwertung inbegriffen. Und je länger das Spiel lief, je mehr war zu sehen, was den Unterschied beider Mannschaften ausmachte: RB ist müde gespielt und hat seinen Spirit verloren, die TSG wirkt wieder so frisch wie zu Beginn der Saison und hat zu einem bemerkenswerten Spirit hingefunden, der sich nicht zuletzt auf mannschaftliche Geschlossenheit stützt.

In dieser Form gelingt viel und kann noch mehr gelingen. Leider haben die Vizekusener mal wieder gepatzt und Dortmund am Wochenende gewinnen lassen, so dass es uns nicht mehr aus eigener Kraft möglich sein wird, den BVB am letzten Spieltag aus den CL-Rängen zu kegeln und selber hineinzuspringen. Aber davor sind noch zwei Spiele, die der BVB erstmal gewinnen muss – und wir auch: Hannover und besonders Stuttgart sollte man keinesfalls unterschätzen!

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Alexander H. Gusovius