Es könnte gut sein, dass sich der HSV, jener stolze hanseatische Dreimaster, von den zwei TSG-Treffern am Wochenende nicht mehr erholt, weil er, genau wie zwei Wochen zuvor der rheinische Ausflugsdampfer aus Köln, empfindlich unterhalb der Wasserlinie getroffen wurde! In der Konsequenz würden beide Traditionsclubs ausgerechnet nach Niederlagen in Sinsheim in die 2. Liga abgluckern, und niemand anderes als die TSG 1899 Hoffenheim wäre final für den direkten Abstieg verantwortlich…

Wenn man die Dinge auf die Spitze treiben will, könnte man das so sehen – aber so verhält es sich natürlich nicht. Denn die beiden namhaften Größen der Liga haben ihren Abstieg, zu dem es wohl wirklich kommt, ganz allein bewerkstelligt. Der HSV hat in den letzten Jahren sogar sehr viel dafür getan, um endlich abzusteigen, und beim 1. FC Köln handelt es sich schon mal um gar keinen Traditionsclub: gegründet im Jahr 1948, ist der Verein gerade mal so alt wie Prince Charles oder Otto Waalkes. Nein, nicht zusammen, wie jeder für sich! Bzw. so alt wie Joschka Fischer und Gregor Gysi, auch wenn es unübersehbar ist, dass alle Vier inzwischen ebenfalls ein bisschen abgetakelt wirken!

Wir lassen uns daher das Etikett des Traditionsversenkers keinesfalls anheften, sondern freuen uns vor allem darüber, dass unser Team zu der Klasse zurückgefunden hat, die uns vor einem Jahr in den europäischen Wettbewerb führte. Und dass die Untugend früherer Jahre, den Wackelkandidaten der Liga gern mal mit unkonzentriertem Spiel und unnötigen Niederlagen freundlichst aufzuhelfen, offenbar der Vergangenheit angehört.

Besonders in der ersten Halbzeit war das deutlich zu erkennen. Der HSV legte los wie die Feuerwehr, hatte in der ersten Viertelstunde mehr vom Spiel und auch späterhin noch leichte Vorteile beim Ballbesitz, aber das war es mit den Vorteilen dann auch, wenn man davon absieht, dass ein wunderschönes Tor von Hübner (per Fuß!) aus zweifelhaften Gründen nicht anerkannt und ein alles andere als zweifelhafter Foulelfmeter nach Tritt auf Kramarics Fuß nicht gegeben wurde.

Ansonsten sorgte Hoffenheim für die spielbestimmenden Momente, zu denen auch die beiden Tore gehörten, das erste durch Gnabry, das zweite durch Schulz erwuselt, wobei Szalai für das 2:0 noch den Fuß hinhalten musste, der aber die Vorarbeit seines Freundes klar hervorhob. Es hätte auch zu ein paar Toren mehr kommen können, wenn die enormen Räume, die der HSV in seinem etwas hilflosen Vorwärtsdrang bot, zielsicherer genutzt worden wären und die TSG in der zweiten Halbzeit weniger abwartend gespielt hätte – und ein blitzsauberes Tor von Akpoguma nicht ebenfalls aberkannt worden wäre.

An diesem wunderschönen Frühlingstag war das aber alles egal, auch dass Jogi Löw unser schönes Stadion verließ, sobald Gnabry ausgewechselt worden war, also bereits nach gut einer Stunde. Allein seinetwegen war er gekommen, der folglich noch zum Spätberufenen für die WM werden kann. Dabei hätte unser ewiger Bundesjogi mit Gewinn auch Vogt und Hübner und besonders Baumann die Ehre erweisen können, der mit mehreren sensationellen Paraden dafür sorgte, dass der 2:0-Sieg über den HSV nie gefährdet war. Dass er nicht Sejad Salihovics wegen gekommen war, der bei seiner späten Einwechslung für den HSV von den Hoffe-Fans warmherzig begrüßt wurde und alsbald im unverwechselbaren Sali-Style Szenen generierte, mag da noch als vergleichsweise verzeihlich durchgehen.

Insgesamt hat sich unsere TSG gegen den HSV eindringlich zurückgemeldet zum Rennen um die internationalen Plätze – sodass es vom Spiel in Leipzig kommendes Wochenende abhängen wird, ob sogar ein Rennen um die CL-Teilnahme draus werden kann, das dann am letzten Spieltag gegen Dortmund entschieden würde, und zwar in Sinsheim. Es wäre der krönende Abschluss einer phasenweise etwas durchwachsenen Saison, wenn dann der nächste Traditionsclub unterhalb der Wasserlinie getroffen und versenkt werden dürfte!

Fotos Uwe Grün, Kraichgaufoto

Deine Meinung zum Artikel:
Alexander H. Gusovius