Ein Gnabry macht noch keinen Sieg

Wenn Kramaric nicht trifft und Uth ebenfalls nicht trifft, was ja glücklicherweise selten gedoppelt vorkommt, tut sich Hoffenheim schwer, Spiele zu gewinnen: ein Treffer von Gnabry wie in Frankfurt reicht dann nicht. Und an Gelegenheiten für Kramaric und Uth hat es nicht gemangelt, selbst Gnabry hätte das eine oder andere Tor mehr machen können.

Wenn das so klingt, als hätte die Eintracht aus Frankfurt schieres Glück gehabt, nicht wie Köln im Hoffenheimer Torreigen unterzugehen, sondern mit einem Remis davonzukommen, ist die Lage falsch dargestellt: Frankfurt war der erwartet starke, spielstarke Gegner, der bei viel Ballbesitz und attraktivem Fußball mit ein bisschen Glück ebenfalls hätte als Sieger vom Platz gehen können.

Frankfurt, Deutschland 08. April 2018:
1.BL – 17/18 – Eintracht Frankfurt vs. TSG 1899 Hoffenheim
Die Spieler der TSG 1899 Hoffenheim bilden einen Mannschaftskreis zum Schulterschluss.

Aber es ist nunmal, und nicht nur aus TSG-Sicht, eine Tatsache, dass die Mehrzahl der brandheißen Konterchancen nicht von der Eintracht vorgetragen und vergeben wurden. Allein schon deshalb, weil es für Frankfurt nicht viel zu kontern gab, denn Julian Nagelsmann hatte seine Mannschaft taktisch tief genug positioniert, um dieser bevorzugten und äußerst erfolgreichen Frankfurter Gangart einen Riegel vorzuschieben.

Der Plan ging auf, Frankfurt war zum Ballbesitz gezwungen und oft genug auch dazu, den Ball hinten in den eigenen Reihen rotieren zu lassen, weil sich einfach keine Anspielstationen fanden. Der Plan, nach dann irgendwann einsetzenden, riskanten Anspielversuchen der Eintracht schnelle Konter vorzutragen, ging ebenfalls auf – während die Idee, diese Konter erfolgreich abzuschließen, an der Treffgenauigkeit der Hoffenheimer Stürmer scheiterte.

So kam es, dass die Partie ständig auf der Kippe war und jederzeit zugunsten der Gastgeber oder der Gäste hätte entschieden werden können – mit gewissen Vorteilen seitens unserer Mannschaft, die aber, wie gesagt, treffsicherer hätten ausgewertet werden müssen. Am Ende war die Eintracht nicht nur deshalb über das Remis froher gestimmt, sondern auch wegen des dadurch unveränderten Vorsprungs auf die TSG.

Wenn man die Entwicklung der Eintracht aus Frankfurt sieht, von der letzten zu dieser Saison hin, kann man nur staunen. Aus einer körperlich robusten, ihre Körperlichkeit massiv einsetzenden Truppe ist eine immer noch körperbetonte, aber auch spielfähige Mannschaft geworden, die mit
einer Mischung aus Athletik und Spielwitz Zeichen zu setzen vermag und die Bundesliga bereichert.

Kein Wunder, dass man in München offenbar intensiv darüber nachdenkt, Trainer Kovac an die Isar zu holen, dessen Handschrift in Hessen durchaus an seine Münchener Zeiten erinnert, als die Bayern noch einen Stil pflegten, der mit vorbildlicher Physis, geschlossener Defensive und planvollem Angreifen jeden Gegner an den Rand der Verzweiflung trieben.

Frankfurt, Deutschland 08. April 2018:
1.BL – 17/18 – Eintracht Frankfurt vs. TSG 1899 Hoffenheim

Sollte es dahin kommen, wäre man in Frankfurt vermutlich ebenso im Nachteil, wie man es seitens der TSG gewesen wäre, wenn Julian Nagelsmann von den Bayern weggefischt worden wäre. Man müsste mit deutlichen Qualitätseinbußen rechnen – Trainer mit solcher  Durchschlagskraft gibt es eben nur selten. Einmal mehr zeigt sich an dieser Stelle, wie wichtig Trainer im Fußball sind und dass sie, im Vergleich zu ihren Spielern, eigentlich viel höher gehandelt werden müssten. Ein einzelner teurer Stürmer kann, von Jahrhundertspielern abgesehen, nicht im Ansatz so viel bewirken wie ein richtig guter Trainer.

Das Remis in Frankfurt war im Letzten also das gerechte Ergebnis zweier sehr guter Teams von zwei herausragenden Trainern. Es wäre deshalb auch nur gerecht, wenn beide Teams im nächsten Herbst auf europäischer Bühne aufträten, und zwar mit den Trainern dieser Saison. Gerecht wäre es wohl, aber zugleich schön, wenn es Hoffenheim doch noch gelänge, die Eintracht bis zum Saisonende zu überholen.

Fotos: by Kadir

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Alexander H. Gusovius