Man muss schon eine Weile trainieren, bis sich der berühmte Sixpack herausbildet und zufällige Blicke im Freibad nicht mehr eilig über den gut gepolsterten Badehosenbund wegrutschen, sondern glattweg von ihm angezogen werden. Entsprechend lang hat darum auch die TSG gebraucht, bis sie mit einem veritablen Sixpack, dem ersten in ihrer Bundesligahistorie, aufwarten konnte. Man wünscht selbstverständlich niemandem, umgekehrt so ein 6:0 zu erleiden, keinem Gegner und keinem gegnerischen Fan, aber dass es nun die so oft schon mit Schmähungen und anderen Geschmacklosigkeiten aufwartenden Kölner traf, stimmte nicht gerade unfroh. Kurz darauf hatten in München die ähnlich veranlagten Dortmunder Fans dasselbe Ergebnis zu verdauen – aus TSG-Sicht ein zu Ostern passendes Fußball-Wochenende höherer Gerechtigkeit!

Über das Spiel selbst gibt es eigentlich gar nicht so viel zu sagen, außer dass Hoffenheim nach der Länderspielpause erstaunlich geschlossen und willensstark auftrat und von der ersten Minute an Torchancen wie am Fließband kreierte. Der Spielverlauf war eine einzige Einbahnstraße, Köln bekam nie Zugriff auf die Partie: auch nicht, als sich unsere Mannschaft gegen Ende der ersten Halbzeit etwas zurückzog. Da hatte Gnabry nach sehenswertem Solo aus der Halbdistanz endlich eine der vielen Gelegenheiten zum 1:0 verwandelt und waren die nachfolgenden Chancen ungenutzt geblieben, so dass Köln etwas Luft zum Atmen bekam und mit einer Serie von hammerhart geschlagenen Risse-Eckbällen den TSG-Fans zunehmend Sorgen bereitete.

Zu oft schon war in dieser Saison eine Führung in ähnlicher Konstellation unnötig hergegeben worden! Diesmal jedoch kam es anders, das 1:0 hielt bis zur Pause – und kurz nach Wiederanpfiff sorgte Gnabry mit der nächsten Glanztat für Entspannung seitens der TSG bzw. fürs 2:0! Auf die Kölner übte das Tor natürlich umgekehrte Wirkung aus, sie fielen jetzt endgültig in eine Art spielerisches Wachkoma, fabrizierten Abspielfehler en masse und boten defensiv mitunter krasse Räume an, so dass es unserer immer torhungrigeren Mannschaft nicht schwerfiel, ihren Heißhunger zu befriedigen.

Das ging so bis zur 72. Minute, in der sich auch der frisch eingewechselte Zuber fröhlich in die Torschützenliste eintrug, nach Rupp und Uth, der wie Gnabry doppelt einlochte. Für Köln blieb, nach einigen guten Ergebnissen in der jüngeren Vergangenheit, nur noch die Rolle des prädestinierten Abstiegskandidaten übrig. Und weil das so war, bietet es sich dieser Stelle an, ein Wort zur bisherigen Saisonleistung der TSG einzuflechten: und zwar im direkten Vergleich, denn schließlich hatte der 1. FC Köln ganz genauso wie Hoffenheim in der letzten Saison die Euro-League-Plätze erobert und geriet bei der folgenden ungewohnten Belastung derart ins Straucheln, dass die Geißböcke ans düstere Tal-Ende der saftigen Bundesliga-Almwiesen gelangten.

Auch für uns lief ja die jetzige Saison alles andere als glanzvoll, aber doch himmelweit besser, denn trotz allem sind die sonnenbeschienenen europäischen Weiden wieder in greifbarer Nähe… Mehr muss man nicht wissen, um die Unzufriedenheit über manche schlechten Ergebnisse angemessen einordnen zu können: angesichts der enormen Fliehkräfte durch Europa und den vorausgegangenen Verlust von Schlüsselspielern ist nämlich auch diese Saison eine gute Saison! Das Beispiel von Köln zeigt, was im ungünstigeren Fall so alles passieren kann…

In den letzten 20 Minuten legte die TSG-Torfabrik eine verdiente Pause ein. Der Ball rotierte viel in den eigenen Reihen, Köln wusste, wenn doch mal mit bleischweren Beinen in Ballbesitz, nicht viel mit der Kugel anzufangen und gab sie alsbald wieder her. Den Kölner Fans wiederum fuhr der Spielstand von 6:0 derart tief ins Gemüt, dass sie sich kaum einmal zu ihren üblichen Mätzchen aufraffen konnten. Diese Fußball-Messe war gelesen, das war klar, da half auch kein Stoßgebet mehr, und für die nächste Messe samt Stoßgebeten wäre unter der Woche wieder der Kölner Dom zuständig.

„Oh wie ist das schön“, sangen unsere Fans nach dem höchsten Sieg der TSG-Bundesligahistorie – und genau das war es bis hinauf zu den Logen wirklich: einfach wunderschön, unsere Mannschaft einmal befreit aufspielen zu sehen und ein offensives Feuerwerk zu erleben, das an diesem Wochenende wie eingangs gesagt auch den ruhmreichen BVB gewitterähnlich heimsuchte. Frohe Ostern, kann man da nur sagen, denn diesmal lagen viele bunte Eier, eines schöner als das andere, allseits im richtigen Tornetz!

Fotos Uwe Grün, Kraichgaufoto

Deine Meinung zum Artikel:
Alexander H. Gusovius