Heia Safari

„Donnerwetter, ist das schön, auf Punktejagd zu gehen, bum, bum“, könnte man einen Songtext der
Augsburger Puppenkiste leicht verändern, der auch noch passend mit den Worten endet: „Und dann
kracht der Schuss, bum, bum, Donnerwetter, Donnerwetter, das ist ein Genuss. Heia, heia, heia
Safari!“

Krachend landeten die TSG-Treffer zwar nicht gerade im Netz, aber ein Genuss war es allemal, wie
zuerst, nach etwas zerfahrenem Beginn, der momentan unaufhaltsame Kramaric eine Hübner-Flanke
in magischem Bogen per Kopf millimetergenau im Tor versenkte – ein Tor der Kategorie „unmöglich“,
das nur gelingt, wenn man einen Lauf hat und sich alles zutraut. Das Genießen kam aber auch beim
zweiten TSG-Tor kurz nach der Halbzeitpause nicht zu kurz: Gnabry und Kramaric im Doppelpass-
Konter, bei dem Kramaric den Ball wieder millimetergenau auf den Fuß von Gnabry spielte, der nur
noch einzuschieben brauchte.

Dabei sah es zu Beginn der Partie so gar nicht nach Genussmomenten aus. Die Augsburger Wiese
wirkte von den letzten winterlichen Aufwallungen arg mitgenommen und schien der körperbetonten
Augsburger Spielweise eher entgegenzukommen als dem technisch feinen Vortrag der TSG. Die hin
und her fliegenden Tauben, die sich jeweils auf der unbespielten Seite niederließen, deuteten eher
auf ein tierisches Eldorado hin als auf einen Sportplatz. Wenn sich hier und da auch noch ein kleiner
Maulwurfshügel aus dem Untergrund erhoben hätte: gewundert hätte es einen nicht. Ein echtes
Kampf- und Krampfspiel schien bevorzustehen.

Unsere Mannschaft war allerdings bestens auf das schlechte Geläuf eingestellt und hielt sich fix an
den Matchplan, mit zwar schnellem, aber einfachem Pass-Spiel voranzukommen. Dadurch entfielen
die zuletzt so häufigen und schmerzhaften Ballverluste, was das Augsburger Pressing entschärfte,
während die Gastgeber umgekehrt jede Menge Fehlpässe produzierten und nur selten bis an den
Sechzehner kamen bzw. gefährlich vor Olli Baumann auftauchten. Dadurch entwickelte sich rasch
eine deutliche Hoffenheimer Überlegenheit, die bis zum Schluss anhielt.

Besser gesagt konnte der FCA der TSG zu keiner Zeit das Wasser reichen. Das tat einerseits gut und
befreite die Mannschaft vom Bann der letzten Spiele, als kaum noch eine Führung durchs Ziel

gebracht werden konnte. Andererseits jedoch stimmt es auch besorgt, weil Augsburg trotz derselben
Punktzahl und einem ertrotzten Remis gegen Dortmund in der vorigen Spielwoche einfach schlecht
spielte und der mit Abstand schwächste Gegner der TSG der letzten Monate war, so dass man aus
der Safari in Augsburg keine anderen Schlüsse ziehen kann als den, dass so ein erfolgreicher Ausflug
einfach nur gut tut, aber keine werthaltigen Rückschlüsse auf die Zukunft zulässt.

Und doch hatte und hat man das Gefühl, in Augsburg könnte ein Knoten geplatzt sein. Die simplere
Spielweise könnte nämlich eine Blaupause dafür sein, sich auch bei den nächsten Gegnern das
fußballerische Leben leichter zu machen und die egalwie vorhandene technische Brillanz lieber
momentweise einzusetzen, anstatt technisch ständig auf dem Gas zu stehen und den spielerischen
Motor damit letztendlich zu überhitzen.

Wie gut das Ganze funktionierte, konnte man auch daran erkennen, dass die drei Einwechslungen,
die Julian Nagelsmann vornahm, zu keinerlei Verbesserung oder Belebung führte: Uth für Gnabry,
Amiri für Rupp, Szalai für Kramaric konnten allenfalls die Schlussoffensive der Hausherren durch
engagiertes Anlaufen etwas bremsen, vermochten aber keine neuen Impulse zu setzen. Bleibt also
unterm Strich die Erkenntnis, dass weniger manchmal mehr ist. Augsburg kam damit jedenfalls gar
nicht gut zurecht und sah auch deshalb so schwach aus. Mal schauen, wie die nächsten Gegner damit
umgehen…

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Alexander H. Gusovius