Die schwer erträgliche Langsamkeit des Spiels

Ohne Tempo, ohne Spielwitz, ohne Klasse: so stellte sich das Baden-Derby zwischen Hoffenheim und Freiburg am Samstagnachmittag den meisten Zuschauern und Fans dar. Aber stimmte das auch? Was die Offensivkünste beider Mannschaften anbelangte, lag man mit der Einschätzung sicher nicht daneben, doch defensiv boten beide Teams sehr viel Tempo und lieferten ein kluges und auch erstklassiges Spiel ab.

Aber das ist nicht das, was man sehen will – oder was das Herz höherschlagen lässt. Trotzdem muss man nicht gleich pfeifen, wenn die Hoffenheimer Ballstaffetten vor einer gut sortierten Freiburger Abwehr zum vierten Mal hintenherum laufen, um einen brauchbaren Ansatzpunkt für Offensivaktionen zu finden und dabei nicht gefährliche Ballverluste zu riskieren. Bei solchem Gepfeife schwingt also auch ganz anderer Frust mit. So allmählich kommt man als Fan nämlich nicht um die Erkenntnis herum, dass die aktuelle Saison nicht das hält, was die vorhergegangene versprach.

Und das tut weh! Siege sind im Fußball nunmal das Schönste, da kann man leicht übersehen, dass man eigentlich ein gutes Fußballspiel erlebt hat, wenn auch eher defensiv. Andererseits ist ebenso wenig zu übersehen, dass unsere Mannschaft seit einiger Zeit etwas auf der Stelle zu treten scheint.

Die Kreativschwäche im Sturm fällt als erstes ins Auge, dabei ist die fehlende Kreativität im Mittelfeld mindestens so signifikant. Gnabry, diesmal auf der linken Seite unterwegs, hat demonstriert, woran es fehlte, als er wie Demirbay oder Amiri in der letzten Saison den Ball an zwei, drei Gegnern vorbei unwiderstehlich durchs Mittelfeld trieb. Bei solchen Aktionen entsteht Dynamik und öffnen sich Räume, die dann offensiv brisant werden.

Einmal ist jedoch keinmal, auch Gnabry versuchte sich in dieser Schlüsseldisziplin kaum noch. Und das Führungstor der TSG, das angesichts der exzellenten Defensivleistungen beider Teams nicht ganz zufällig durch einen wunderschönen Freistoß der sich selbst wiederentdeckenden Tormaschine Kramaric fiel, unterlag entlang der schmerzhaften TSG-Gewohnheiten in dieser Saison dem selben Motto: Einmal ist keinmal, bzw. ist ein Tor trotzdem kein Tor, wenn der Gegner unfassbar oft alsbald ausgleicht. Auch das tat weh. Diesmal war Akpoguma der Urheber, Vogt nur als Assistent beteiligt, indem er am Ende vom Akpogumas sehr vermeidbarem Ballverlust den nun ballführenden Petersen nicht einfach ablief, sondern ihm den Ball wegspitzeln wollte, was den guten Mann irgendwie auch zu Fall brachte, ohne schon gleich einen Strafstoß zu erzwingen, was der bei Freiburger Aktionen durchweg eher gutmütig gestimmte Schiri Dingert ganz anders sah.

Und so stand es schon wieder 1:1 und am Ende immer noch, imgrunde gerecht, doch eben rundum frustrierend. Denn die pfeifenden Fans waren aber nicht die einzigen, die so fühlten: Für Julian Nagelsmann und seine Spieler war es ganz genauso, weshalb sie gleich nach dem Abpfiff meistenteils sang- und klanglos in der Kabine verschwanden, wohl auch der anderen Pfiffe wegen – was die Fans naturgemäß auch nicht gerade aufheiterte.

Was macht man nun mit so einem Spiel? Schwamm drüber und abhaken? Wohl kaum, zu oft erlebte man ähnliche Spielverläufe, in denen, man kann es kaum anders sagen, der spielerische Knoten einfach nicht platzen will, was sich inzwischen wie ermüdender Nebel über die Mannschaft und die Fanherzen legt. Bohrende Kritik ist aber auch nicht angemessen, dafür spielt die eigentlich intakte Mannschaft zu gut und gibt sie sich zu viel Mühe. Es gibt, das kann man festhalten, ein kreatives Defizit in der Bewegung nach vorn. Das muss man ebenso feinfüßig wie explosiv beheben, dann gibt es auch wieder Siege zu feiern und muss niemand mehr über die Maßen frustriert sein.

Fotos Uwe Grün, Kraichgaufoto

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Alexander H. Gusovius