Nach Stuttgart ist vor Dortmund

Die Nummer 1 im Land ist im Prinzip schon durch die Reihenfolge festgeschrieben: Baden wird im Ländernamen eben vor Württemberg genannt, das ist unverrückbar wahr. Durch den Sieg der TSG Hoffenheim über den VfB Stuttgart ist das nun fußballamtlich ganz klar bestätigt worden. Zieht man außerdem das Spielergebnis von 1:0 zurate, könnte man sogar noch eins draufsetzen: Hoffenheim wäre dann die 1, Stuttgart wäre die…

Aber lassen wir das, schließlich hätte die Partie auch 2:1 ausgehen können – und schon wäre das lustige Zahlenspiel nicht mehr so lustig. Und die Leistungen beider Mannschaften am Mittwochabend waren auch nicht gerade danach, dass man das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht kriegen würde. Die TSG und der VfB: Beide haben allenfalls mäßige Vorstellungen abgeliefert. Im Letzten war der Sieg über den VfB dennoch verdient, weil Stuttgart nach vorn so gut wie gar nichts auf die Beine gestellt hat – aber überzeugend ist er auch nicht ausgefallen.

In den ersten Minuten vergab Stuttgart sogar zwei exzellente Möglichkeiten, in Führung zu gehen, weil Vogt da noch im Vorwärtsgang der TSG vor der Abwehr spielte, um Geiger weiter nach vorn zu schieben und offensive Überzahl zu erzeugen. Der schöne Plan ging nur leider schief, denn dadurch ergaben sich bei Kontern unfassbare Räume für die Schwaben. So dass Julian Nagelsmann alsbald die gewohnte Formation wiederherstellte: Vogt als defensive Mitte, Geiger auf die Sechs. Das Spiel der TSG stand von da an wieder auf sicherem Fundament, vom VfB ging praktisch keine Gefahr mehr aus.

Als völlig unsicher erwies sich dagegen das Pass-Spiel unserer Mannschaft. Man konnte gar nicht so oft den Kopf schütteln, wie das Zuspiel im Mittelfeld oder von dort in die Spitze scheiterte. Darum ging auch von Hoffenheim kaum irgendeine Gefahr aus. Das mannschaftliche Miteinander erwies sich vielmehr als eine Art Solisten-Bigband, in der jeder vor allem auf den eigenen Part achtete, aber nicht darauf, zusammen zu musizieren. Dementsprechend wurden auch die wenigen TSG-Angriffe, von denen echte Torgefahr ausging, von Solisten vorgetragen, wobei sich Gnabry als fähigster Solist mit schnellem Antritt und hoher Wendigkeit hervortat.

Und der VfB? Die Schwaben fanden noch weniger in Tritt. Sie liefen viel hin und her, doppelten unsere Spieler, verstellten die Räume und erstickten bei so viel defensivem Eifer ihren offensiven Ehrgeiz gleich mit. Bis zur Halbzeitpause und auch weit darüber hinaus wurde darum beiderseits allenfalls Hausmannskost geboten, wenn man das eher dürftige Spielgeschehen denn so nennen möchte. Das kam auch bei den Fans beider Lager nicht besonders gut an, die sich vom Derby natürlich mehr erhofft hatten. Die Bewertungen der Fans kann man übrigens besonders klar und detailliert auf dem Portal von „Emotionum“ nachvollziehen:

Man ist aber nicht Fan, um zu meckern – auch wenn das manchmal angemessen ist. Sondern man will vor allem das Beste für die eigene Mannschaft, die man liebend gern gewinnen sehen möchte. Es war dann einmal mehr Uth, der fürs Fanglück sorgte und mit einem späten Tor den in der zweiten Hälfte erkennbar größeren TSG-Siegeswillen belohnte. Dabei gebührte Kaderabek der Siegerlorbeer noch viel mehr, weil allein sein hartnäckiger Einsatz das Abstaubertor von Uth erst ermöglichte. Am Ende reichte das magere 1:0, das fußballerisch zwar nicht satt machen konnte, aber für angemessene Zufriedenheit sorgte: weil der VfB besiegt nachhause fuhr!

Bereits am Samstag steht jetzt das Halbsaisonfinale in Dortmund an. Geiger, einer der Aktivposten gegen Stuttgart, wird wegen seiner fünften gelben Karte fehlen – ein herber Verlust. Vermutlich wird dann Amiri wieder für Demirbay auflaufen, der seit einigen Wochen neben sich her zu traben scheint und viel zu oft nach dem ganz großen Pass Ausschau hält und ebenso oft den Ball verliert, vertändelt oder eben nicht an den Mann bringt. Vielleicht spielen aber auch Demirbay und Amiri zusammen: Julian Nagelsmann wird sich bestimmt etwas einfallen lassen, um in Dortmund wieder Glanz in den fußballerischen Auftritt zu bekommen.

Das immer lautere Geraune um seinen Wechsel in der nächsten Saison ausgerechnet dorthin wird daran nichts ändern. Zu hoffen ist nur, dass die medialen Vibrationen nicht auf die Mannschaft bzw. ihr Verhältnis zum Trainer durchschlagen. Aber für den Auftritt in Dortmund, einer der echten Höhepunkte in jeder Saison, sollten die Spieler auch über genug Eigenmotivation verfügen, um die etwas faden Aktionen gegen Stuttgart vergessen zu machen.

Überhaupt kann beim BVB eigentlich nichts schiefgehen. Dessen neuer 3-Punkte-Trainer Stöger hat ja in Mainz seine Quote bei seinem ersten Job für Schwarz-Gelb bereits ausgeschöpft… Und trotzdem ist viel Motivation nötig, um in Dortmund zu bestehen. Stöger lässt defensiv geordneter als Bosz spielen, zwei Viererreihen machen die Räume eng, und vorn ist immer noch jede Menge Offensivpower zugange. Aber alles in allem war die Dortmunder Mannschaft auch bei ihrem Sieg in Mainz immer noch wacklig genug unterwegs, um ernsthaft darauf zu setzen, jene drei Punkte mitzunehmen, die wir brauchen, um richtig gut gelaunt in die Winterpause gehen zu können!

Auf geht’s Hoffe, kämpfen und siegen!

Fotos: Uwe Grün, Kraichgaufoto

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Alexander H. Gusovius