TSG-VfB: Mal wieder Derby-Time

Wie sehr haben wir den VfB Stuttgart eigentlich vermisst? Naja, nicht so richtig, aber ein bisschen vielleicht doch! Die Derbys gegen den VfB, der selber lieber Abstand hält zu so vertrauten Formeln, hatten immer ihren eigenen Reiz.

Dabei gefiel sich der VfB in der Rolle des blasierten Platzhirschs, des gehobenen Bürgers mit lokaler Tradition, während uns der Geruch des neureichen Emporkömmlings anhaften sollte – was natürlich, wenn man Baden und Württemberg als jeweilige Heimat ins Spiel bringt, ein ziemlicher Blödsinn ist, indem längerfristig gesehen Schwaben wie Alemannen beide rechte ‚Neigschmeckte‘ sind und im Zuge der germanischen Völkerwanderung die hierzulande eigentlich ansässige keltische Bevölkerung gnadenlos vertrieben.

Nimmt man es ganz genau, bleibt von der eingebildeten, vornehmen Überlegenheit der Schwaben ohnedies nicht viel übrig. Denn deren Urväter, die Sueben, gelten zumeist als Untergruppe der Ur-Badener, Alamannen genannt, und sind somit historisch eher selber der Emporkömmling! – All das ficht aber die VfB-Anhänger nicht an: Sie wähnen sich nunmal im Besitz erhabener Eigenschaften und konzedieren allenfalls dem KSC echte Derby-Tauglichkeit, mit dessen badischen Fans man sich darum auch gern mal in gar nicht so vornehme Prügeleien verstrickt – bzw. verstrickte, denn seit Karlsruhe ein tristes Dasein in der 3. Liga fristet und der VfB wieder nach Höherem strebt, ist es auch damit vorbei.

Egal wie – der VfB Stuttgart ist zurück in der 1. Liga und liegt mit 17 Punkten auf Platz 13 der Tabelle, was gerade mal drei Punkte Abstand zu einem Abstiegsplatz bedeutet. Unsere TSG 1899 Hoffenheim dagegen residiert mit 23 Punkten auf Platz 6, verfügt aber leider auch nur über einen Punkt Abstand zum zehnten Tabellenplatz. Anders gesagt kämpft der VfB am Mittwoch dagegen an, in den direkten Abstiegskampf verwickelt zu werden, während die TSG ins Liga-Mittelfeld abrutschen könnte. Und genau da liegt die eigentliche Brisanz des Derbys, Badener und Schwaben hin oder her: Beiderseits müssen drei Punkte eingefahren werden! Was natürlich nicht geht…

Schaut man sich das Torverhältnis der benachbarten Kontrahenten an, offenbaren sich beträchtliche Unterschiede. Stuttgart hat 13:19 Tore auf dem Konto, Hoffenheim 25:20, was auf eine ähnlich starke Defensive hinweist, aber auf mangelnde Stuttgarter Offensivkraft. Bislang hat sich der VfB allerdings in 15 Spielen 186-mal an Torschüssen versucht, Hoffenheim mit 201 Versuchen kaum häufiger. Aussagekräftiger wird es, wenn man die Zahl der Schüsse hernimmt, die tatsächlich aufs gegnerische Tor gingen: da liegt das Verhältnis bei 57:80! Was in etwa heißt, dass der VfB ziemlich schlecht schießt bzw. oft zu sinnlosen Versuchen ansetzt…

Bei den Ballkontakten liegen VfB und TSG gleichauf, bei den zugesprochenen Eckbällen genauso. In Sachen Zweikampf gehören beide Mannschaften zu den schwächeren Ligakandidaten, wobei der VfB sogar etwas besser abschneidet als die TSG, was kein Wunder ist, weil Hoffenheim erschreckenderweise das Schlusslicht bei den gewonnenen Zweikämpfen in der bisherigen Saison bildet. Ansonsten ist noch festzuhalten, dass der VfB recht häufig ins Abseits läuft und sehr oft flankt, egal ob von links oder rechts – was alles typische Kontereigenschaften verrät, die andererseits kein Geheimnis sind: Stuttgart ist halt auch im Fußball wertekonservativ!

So dass damit endgültig klar ist, dass der VfB am Mittwochabend auf die Defensive setzt und hinten drinstehen wird, um unseren Vorwärtsdrang mit Schwabenfleiß anzulaufen und auf effiziente Umschaltbewegungen zu hoffen. Klar ist leider nicht, ob es ein Wiedersehen mit Andi Beck geben wird, der nach seinem äußerst erfolgreichen Engagement bei Besiktas Istanbul jetzt wieder mit dem Brustring Fußball spielt: beim letzten Heimspiel der Schwaben gegen Leverkusen saß er nur auf der Bank.

Nach dem TSG-Konter-Festival gegen Leipzig und dem völlig irregulären Schneespiel in Hannover wird, das scheint sicher, wieder mal einige spielerische Geduld nötig sein, um den Gegner zu bezwingen. Gerade wegen des Schneefiaskos wird unsere Mannschaft jedoch über große Spiellaune verfügen und sollte das Derby deshalb mit der einzigen wirklich wichtigen, nämlich fußballerischen Überlegenheit für sich entscheiden können: Auf geht’s Hoffe, kämpfen und siegen!

Foto: Uwe Grün, Kraichgaufoto

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Alexander H. Gusovius