Fraglos gerechte Punkteteilung

Was soll man über ein Spiel schreiben, das anscheinend keine Fragen aufwirft! Den anwesenden Journalisten jedenfalls fiel auf der Pressekonferenz nach der Partie TSG-SGE nichts ein, was sie die beiden Trainer hätten fragen wollen. Das war schon erstaunlich. Vor ein paar Jahren geschah in Sinsheim einmal Ähnliches, aber da war es später Abend, fast Nacht – und alle wollten heim und fragten allein deshalb lieber nichts.

Diesmal jedoch war es später Nachmittag und keiner wollte dringend weg, selbst das „Dopp-Spiel“ (© Lothar Matthäus) von Hertha und Gladbach schien nur von mäßigem Interesse. Waren also die 93 Minuten zwischen Hoffenheim und Frankfurt für jedermann so klar und unhinterfragbar verlaufen, dass einem einfach gar nichts dazu einfallen konnte? Doch, etwas schon: Bevor die Pressekonferenz dann endete, ohne richtig begonnen zu haben, fragte einer der Sportreporter den Gästetrainer noch schnell, ob er glaube, dass man mit 30% Ballbesitz so ein Spiel gewinnen könne?

„Nein“, sagte Nico Kovac – und damit war die Fragerei jetzt wirklich zuende. Aber war damit schon alles gesagt? Tatsächlich kam die Frankfurter Eintracht kaum über 30% Ballbesitz hinaus, hatte ein glückliches, wenn auch nicht unverdientes Tor in Halbzeit 1 erzielt und in der Nachspielzeit ein aus Hoffenheimer Sicht verdientes Tor kassiert, weshalb es am Ende 1:1 stand und die TSG froh und die SGE unfroh war.

Interessant war die Partie dennoch. Vor allem in der ersten Halbzeit dominierte unsere Mannschaft trotz hohem Ballbesitz nur scheinbar das Geschehen, weil die Eintracht mit ihren fast durchgängig robusteren, viel athletischeren Spielern auch noch ständig in beeindruckender Bewegung war und das Spiel der TSG damit wirkungsvoll unterband. Umgekehrt fehlte es an der nötigen Kreativität bzw. endeten unsere kreativen Versuche zu oft im Niemandsland. Besonders Demirbay verzettelte sich in Feinsinnigkeiten, für die es zu selten Abnehmer gab.

In der zweiten Halbzeit ging es zunächst so weiter, aber ab der 70. Minute etwa, als die Spieler der Eintracht von der extremen Laufarbeit allmählich müder wurden und unsere Mannschaft zunehmend die Geduld mit sich selbst verlor, begann sich das Blatt zu wenden. Zu diesem Zeitpunkt waren dann Gnabry für Rupp, Kramaric für Wagner und Amiri für Geiger im Spiel – und man muss sagen, das tat unseren Angriffen gut, weil sie kaum mehr kalkuliert, sondern leidenschaftlich vorgetragen wurden und für die immer noch gut verteidigende Eintracht immer schwerer zu kontrollieren waren.

Das sah man vor allem daran, dass der letzte Durchstich zwar nicht gelang, aber Frankfurt mit der Verteidigung der immer bissigeren Angriffe derart beschäftigt war, dass der Ball irgendwann nicht mehr sauber herausgespielt werden konnte und Hoffenheim sofort den nächsten Angriff startete. Es dauerte trotzdem lang, bis in die Nachspielzeit, ehe unsere Mannschaft den inzwischen verdienten Lohn einfuhr. Gnabry trug dann den Ball links mit feiner Technik in den Strafraum und spielte einen millimetergenauen Pass auf Uth, der als echter Instinktspieler genau richtig stand und einlochte.

Geduld ist eben nicht immer eine Tugend. Das ungeduldige, leidenschaftliche Anrennen gegen die Frankfurter Feste brachte den Erfolg, der mittels kreativem Probieren nicht gelingen wollte. Und so fühlte sich das Remis zum Schluss wie ein Sieg an, der auch ein Sieg über sich selbst war und für die Zeit nach Wagner, falls er im Winter wirklich nach München wechselt, eine interessante Perspektive eröffnet. Gerade gegen Mannschaften wie die Eintracht, die intelligent und wuchtig verteidigen und den Ball schnell nach vorn zu tragen verstehen, braucht es Variabilität und Ideenreichtum ganz vorn, nicht nur im Mittelfeld, wo der Gegner viel effizienter stören kann!

Fotos: Uwe Grün, Kraichgaufoto

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Alexander H. Gusovius