Drei Tore für ein Halleluja

Hoffenheim, traditionell vom November-Blues befallen, hat den Auftakt zum ungemütlichsten Monat des Jahres mit einem Paukenschlag begonnen. Der 3:0-Sieg in Köln war die Abkehr von gewohnten Mustern, nachdem diesmal eher ein Oktober-Blues mit durchwachsenen Ergebnissen zu durchleiden war.

Wie gewohnt legte unsere Mannschaft in den Anfangsminuten ein beeindruckendes Tänzchen auf den Rasen. Die einzige Sorge, die man haben konnte, war ein zu früher Treffer samt Auslassen der Folgechancen – bzw. offensivem Nachlassen… Die Befürchtungen wurden weitgehend entschärft, als Geiger „erst“ in der 9. Minute das 0:1 erzielte und Hoffenheim anschließend weiter am Drücker blieb. Sie kehrten jedoch zurück, als es auch nach 45 Minuten immer noch 0:1 stand und Osako kurz zuvor mit einem Gewaltschuss den Pfosten getroffen hatte.

Keinesfalls wäre der Ausgleich verdient gewesen. Unsere Mannschaft spielte eine Halbzeit lang klar überlegen und hätte durch Posch (21.), Amiri (24.), Uth (32.) und Geiger (35.) weitere Tore erzielen können, vielleicht müssen. Deshalb sah man der zweiten Halbzeit, besonders nach den Erfahrungen im Oktober, mit gemischten Gefühlen entgegen, aber wieder wurde die Besorgnis entschärft, diesmal durch Uths zweiten Steilgang aufs Kölner Tor, der durch ein Foul im Strafraum beendet wurde und einen unstrittigen Elfmeter in der 56. Minute nach sich zog.

Nicht mal Sky-Reporter Marcus Lindemann fand daran etwas auszusetzen, der sonst die absurdesten Theorien aufstellte, was Schiri Aytekin für Köln alles hätte pfeifen müssen, sollen und dürfen. Wagner schnappte sich den Ball und versenkte ihn scharf links unten. Mit dem 0:2 war nun ein Zwischenstand erreicht, der dem bisherigen Spielverlauf erstens viel besser entsprach und zweitens für innere Ruhe hätte sorgen können. Tat er aber nicht. Denn in die anhaltende spielerische Überlegenheit der TSG mischten sich hier ein offensiver Fehlpass oder und dort ein unklarer Spielaufbau, was den Kölner Hoffnungen, doch noch ins Spiel zurückzufinden, zusehends Nahrung verschaffte.

Das war die Phase des Spiels, in der sich Olli Baumann um den finalen Sieg mehr als verdient machte. Ohne seine Glanzparaden und Superreflexe hätten die Geißböcke wohl den Anschlusstreffer erzielt –dann wäre das Stadion hochgekocht und hätte Köln nach vorne gepeitscht! So jedoch hielt die TSG-Defensive, die mit Posch, Akpoguma und dem glücklicherweise doch nicht schwer verletzten Abwehrchef Vogt einerseits außen blutjung und andererseits durchgängig großartig besetzt war, dem Kölner Druck stand. Kam hinzu, dass Grillitsch im Raum vor der Abwehr alle Hoffnungen, die man in seine Verpflichtung gesetzt hatte, vollauf bestätigte.

Seine Interpretation des Sechsers geriet mehr als überzeugend. Sicher im Stellungsspiel, gut in der Balleroberung, grandios im Ballverteilen und Antreiben sowie wunderbar flexibel nach hinten und nach vorn ließ er zum ersten Mal ahnen, dass hier jemand das TSG-Leibchen übergezogen hat, der die wehmütigen Erinnerungen an Rudys Sechser-Darbietungen abklingen lässt. Im Verbund mit dem etwas weiter vorn positionierten, stets Unruhe stiftenden Geiger entstand eine Mittelfelddominanz, die den kreativen Kräften wie Amiri und Demirbay entscheidenden Raum zur Entfaltung ließ.

In der 80. Minute machte Wagner den Sack zu, von Kramaric vorm Tor sauber in Szene gesetzt. So verdient das 0:3 war, so viel Erleichterung verschaffte es nach den vielen unglücklichen Gegentoren in den Schlussminuten der letzten Spiele. Und statt auf Platz 11 der Tabelle abzusinken, was möglich gewesen wäre, kletterte Hoffenheim auf Platz 5. Alles gut also – und doch nicht ganz: Kölner Fans skandierten übers gesamte Spiel hinweg immer wieder die bekannten üblen Schmähungen gegen Dietmar Hopp und garnierten ihre Hassgesänge noch mit Hassbildern, die an Widerwärtigkeit kaum zu übertreffen sind. Wer so etwas vernachlässigenswert oder irgendwie witzig findet, irrt gewaltig: Hinter der verbalen und bildlichen Verrohung steckt eine Gewaltbereitschaft, die gestoppt werden muss, bevor sie schlimmere Folgen zeitigt.

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Alexander H. Gusovius