Kölle Alaaf, aber erstmal Istanbul

In Köln freut sich alles auf die kurz bevorstehende Karnevalszeit, die bekanntlich bereits am 11.11. um 11 Uhr 11 beginnt – bundesligatechnisch also ein paar Tage nach unserem Auftritt dort. Nun ist die Lage des heißgeliebten Effzeh alles andere als rosig, was den Start in die närrische Zeit etwas eintrüben könnte. Darum liebäugelt man in der Domstadt mit einem Heimsieg über die TSG, auch weil man so schon ein paar Tage vor dem 11.11. Grund hätte, Unmengen von Kölsch fließen zu lassen.

Wir sollten den Kölnern diesen Gefallen nicht tun. Umgekehrt würde Köln uns zuliebe schließlich auch nichts anbrennen lassen, schon gar keinen Sieg. Nach den üblen Gladbacher Fan-Ereignissen bei uns im Stadion werden die FC-Fans auch das üble Banner- und Sprechchorgewese vermutlich noch zu toppen versuchen, so dass wir rein von daher alles daransetzen sollten, dass nicht nur der Dom in Köln, sondern Köln auch das Tabellenschlusslicht bleibt.

Wobei es den Geißböcken selbst bei einem Heimsieg schwerfallen dürfte, einen Platz hochzuklettern, weil sie, falls Bremen überhaupt verliert, gerade mal mit Werder punktgleich wären und auch noch einen Sechs-Tore-Rückstand aufgearbeitet haben müssten. Doch so weit wird es nicht kommen, wenn unsere Mannschaft sich kommenden Sonntag um 15.30 auf ihre Qualitäten und Tugenden besinnt – was sie umso mehr tun wird, nachdem wir kürzlich die erste Heimniederlage seit langem kassiert haben. Da gilt es etwas geradezubiegen und unsere mäßige Auswärtsbilanz aufzupolieren!

Vorher geht’s aber erstmal nach Istanbul. An das Gruppen-Hinspiel erinnern wir uns gern, weil wir es so überzeugend gewonnen haben. Der eine oder andere Alt-Star des Erdogan-Vereins wird sich bis Donnerstagabend wohl zurückmelden, während wir auf Kaderabek und Uth verzichten müssen, die sich gegen Gladbach verletzt haben. Wenigstens Uth, der Kölsche Jong, sollte in seiner Heimatstadt anscheinend wieder einsetzbar sein, wo er umso eifriger bemüht sein wird, Tore zu schießen, als seit neuestem spekuliert wird, dass er als Bayern-Lewandowski-Backup gehandelt werden könnte.

In Istanbul müssen andere das Toreschießen hinkriegen. Die einstige TSG-Paradedisziplin hängt ja momentan etwas durch, weil nicht nur Wagner, sondern auch unsere wendigen, leichtfüßigen anderen Angreifer überhart gedeckt werden – in Istanbul wird das jedoch nicht so sein. Die dortige Defensive ist dazu nicht agil genug, und Istanbul muss vor eigenem Publikum das Spiel machen, wenn nicht die letzte Chance verstreichen soll, doch noch in der Gruppenphase zu bestehen! Und Istanbuler Offensive heißt im Umkehrschluss: Hoffenheimer Räume nach vorn…

Gilt das auch für Köln? Die Geißböcke werden keinesfalls unkontrolliert angreifen, dafür haben sie einfach zu oft verloren in der neuen Saison, ganze acht Mal schon. Dass sie dabei nicht durchweg schlecht gespielt haben, sollte uns eine Warnung sein: Kellerkinder ziehen sich gern unerwartet aus dem Schlamassel. Man muss demnach sehr auf der Hut sein und darf sich vom harten Gegenpressing des FC nicht den Schneid abkaufen lassen. Mitsamt der Hysterie der Kölner Fans kann sich sonst schnell eine regelrechte Wand aufbauen, an der unsere Mannschaft sich den Kopf einrennt. Das wird auch in Istanbul so sein, wo allerorten viel Fußballhysterie herrscht. Nur dass die Begeisterung für den Erdogan-Klub nicht so groß ist, wie man es im Präsidentenpalast gern sähe, und sowieso keine 20.000 ins eigene Stadion hineinpassen. Aber die werden für Lärm sorgen, ganz bestimmt.

Die beiden kurz nacheinander stattfindenden Spiele werden einige Hinweise darauf liefern, wohin die Reise der TSG bis Weihnachten geht. Man sollte also beide Partien dazu nutzen, sich nach ein paar wackligen Momenten wiedereinzurichten, um mit gutem Gefühl in die nächste Länderspielpause gehen zu können und dann bis Weihnachten einen kleinen Zwischensprint hinzulegen. Aber machen wir uns nichts vor: Das ist alles nicht so einfach, wie es sich liest. Trotzdem darf man zuversichtlich sein: Köln ist definitiv zu schlagen, Istanbul ebenso. Beide Male wird es wie gewohnt zu Chancen kommen, das Spiel für uns zu entscheiden. Man muss sie nur nutzen – worauf unsere Mannschaft aber garantiert jede Menge Lust hat. Also auf geht’s, Hoffe, an Bosporus und Rhein, kämpfen und siegen!

Foto: Kraichgaufoto, Uwe Grün

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Alexander H. Gusovius