Kampf um die Spitzengruppe

Ein Blick auf die Tabelle genügt, um zu wissen, worum es am Samstag beim Heimspiel gegen die Fohlen vom Niederrhein geht: um die Nähe zur Spitzengruppe. Denn Gladbach, gefühlt lang nicht so gut in die neue Saison gestartet wie Hoffenheim, liegt nur zwei Punkte hinter uns und würde bei einem Sieg nach oben Kontakt halten. Der umgekehrte Fall würde den Abstand zementieren und könnte im ungünstigsten Fall sogar dazu führen, dass die Fohlen auf Platz 10 der Tabelle zurückfallen.

Natürlich sind Tabellenpositionen im engen Mittelfeld immer nur Momentaufnahmen, doch ist der kommende Spieltag nunmal der zehnte Spieltag – von welchem Moment an die Tabelle nicht mehr lügt, wie eine jener Fußballweisheiten besagt, die simpel daherkommen, aber fein beobachtet sind. Für unsere TSG stellt sich die Sache weniger dramatisch dar. Ein Heimsieg würde die Position knapp hinter dem Spitzentrio aus Dortmund, Leipzig und München stabilisieren, eine Niederlage oder ein Remis immer noch eine komfortable Lage garantieren, da sich München und Leipzig ja am Samstag, wie man so derb wie treffend sagt, kannibalisieren.

13:17 Tore hat Gladbach aus den bisherigen neun Spielen auf dem Kalender. Die 1:5-Heimniederlage letzte Woche gegen Leverkusen sowie das 6:1-Debakel in Dortmund am sechsten Spieltag sind wesentlich daran schuld, dass der Score so extrem negativ ausfällt. Trotzdem haben die Fohlen unbestreitbar ein paar grobe Löcher im hinteren Weidenzaun, ohne dass sie imstande wären, das defensive Defizit durch überzeugenden Galopp nach vorn völlig auszugleichen. Die TSG weist dagegen einen Zählerstand von 16:11 auf – was ebenfalls ein paar Gegentore zuviel sind, aber doch eine gesamtmannschaftlich deutlich bessere Auswuchtung verrät.

Der kommende Spieltag ist auch deshalb so interessant, weil es nur drei Spielpaarungen gibt, die zu direkten Platzwechseln führen könnten: Hoffenheim-Gladbach, Stuttgart-Freiburg, Bayern-Leipzig. Alle anderen Spielpaarungen führen zu echter Festigung der Tabellenposition, was am Ende des zehnten Spieltags tatsächlich eine aussagefähige Reihenfolge im Ligabetrieb herstellt. Danach werden die Tabellenverhältnisse also um einiges stabiler als bisher sein und nicht mehr innerhalb eines einzigen Spieltags leicht durcheinandergewirbelt werden können.

Die Aussicht für unsere Mannschaft, das Spiel am Samstag zu gewinnen und sich damit am Rand der Spitzengruppe festzuhaken, stehen nicht schlecht. Da ist erstmal die Heimstärke, die Hoffenheim auf Platz 1 der Heimtabelle listet: 11 der 16 bisher gewonnenen Punkte wurde in Sinsheim eingefahren. Außerdem wird Gladbach, anders als Bremen, wohl keinen „Bus vor dem Tor parken“, wie Mark Uth es ausdrückt. Heißt, Gladbach mauert vermutlich nicht auf Teufel komm raus, sondern will wie Hoffenheim selber das Spiel machen, so dass sich ein echter Leistungsvergleich ergibt, bei dem eben keine nackte Spielzerstörung praktiziert wird.

Angesichts der unübersehbaren Defensivproblematik der Fohlen sollte unsere Mannschaft insgesamt im Vorteil sein, weil sie endlich auch wieder ihren Kombinationsfußball in Anwendung bringen kann. Unterschätzen sollte man die Gladbacher Sturmabteilung aber nicht. Bevor Leverkusen Tor auf Tor schoss, hatte Gladbach in der ersten Hälfte selber jede Menge Chancen. Trainer Nagelsmann sieht den Schlüssel für die Partie denn auch nicht zuletzt in unserer eigenen Defensive, die mit der Gladbacher Offensivkultur erstmal zurechtkommen muss.

Leider fehlt Benni Hübner nach seiner fünften gelben Karte letzte Woche, dafür ist Wagner wieder einsatzfähig. Gnabry und all die anderen sind noch nicht wieder fit. Davon unabhängig ist aber alles gerichtet für ein spannendes, schnelles, ehrliches Fußballspiel, das die Bremer Betonmusikanten und ihren Rumpelstil halbwegs aus der Erinnerung löscht – und mit funktionierendem Videobeweis hoffentlich gerechter abläuft… Auf geht’s, Hoffe, kämpfen und siegen!!!

Foto: Kraichgaufoto, Uwe Grün

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Alexander H. Gusovius