Spiel gemacht, Spiel verloren

Hoffenheim hatte beim Pokalspiel in Bremen ca. 70% Ballbesitz, die Mehrzahl der Chancen, zwei Alu-Treffer, zwei nicht gegebene Foulelfmeter sowie einen Gegentreffer zu verzeichnen. „Der Fisch stinkt vom Kopf her“, könnte man in Anlehnung an ein Sprichwort der norddeutschen Gastgeber sagen und müsste dabei wohl als erstes an den Schiedsrichter denken, der es gestern Abend recht gut gemeint hat mit Werder Bremen.

Bzw. eben nicht gut mit uns. Doch am Ende des Tages, um eine beliebte Fußballfloskel zu bemühen, hilft es nicht weiter, sich Gedanken über die Leistungen von Schiedsrichtern zu machen. Auch sie haben gute und schlechte Tage und am Ende immer recht, solange kein unsichtbarer Oberschiri aus dem Kölner Studio eingreift. Nur hat dieser dann das Recht, sich zu irren, und es hilft schon wieder nichts.

Auffällig war es trotzdem, dass auch viele kleinere Entscheidung des Pfeifenmannes zugunsten von Bremen ausfielen. Man möchte das gar nicht im Einzelnen rekapitulieren, sonst packt einen erneut der Ärger, der selten ein guter Ratgeber ist. Vielleicht sollten wir uns lieber vorstellen, wie gut der unverdiente Sieg den armen Bremern getan haben muss, die schließlich seit dem Sommer noch kein einziges Pflichtspiel gewinnen konnten – und dass so ein Schiri eventuell ein mitfühlendes Herz hat, so dass der gute Mann gar nicht anders kann, als hier Milde, dort Strenge walten zu lassen.

Nein, hilft auch nichts. Von Gefühlen übermannte Schiedsrichter sind weder wünschenswert noch eine überhaupt denkbare Realität. Eher handeln die Pfeifenträger, wenn sie konsequent irren, aus reiner Sturheit und ziehen eine Linie durch, von der sie untergründig längst merken, dass etwas daran faul ist – womit wir wieder bei den Fischköppen wären und uns im Kreis zu drehen beginnen.

Verkneifen wir uns also jedes weitere Lamentieren über den Referee und schimpfen stattdessen ein bisschen über den Sky-Reporter, der jedoch möglicherweise nur dem gleichen Mitleidsreflex erlag und aus schierer Anteilnahme am bisherigen Bremer Unglück beide Male nicht den unübersehbar klaren Foulelfmeter erkennen wollte. Beim ersten Anlass, als Demirbay fiel, gab der gute Mann wenigstens im Nachhinein zu, dass die Zeitlupenbilder einen Strafstoß nahelegten, beim zweiten Mal, als Uth zu Fall gebracht wurde, sprach der sensible Ahnungslose dann davon, dass Uth bei seiner Ausholbewegung zum Schuss den ausgestreckten Fuß von Moisander getroffen hätte!

Würde sich ein Taschendieb mit solchen Erklärungen herauszuwinden versuchen, fiele der Richter vermutlich vor Lachen vom Stuhl. Und natürlich haben wir das Spiel gegen Bremen nicht verloren, weil der Reporter sinnfreie Sätze von sich gab. Aber man darf schon mal fragen, warum wir so oft Leute am Mikrophon ertragen müssen, die unverhohlene Sympathie für unsere Gegner zeigen. Und wieso Sky diesmal einen Reporter bemüht hat, dessen ganze Art zu kommentieren eher zum Grand Prix d’Eurovison passen würde.

Es gibt allerdings noch ein drittes Element des gestrigen Abends, über das man sich mächtig ärgern kann – Alexander Rosen hat es presseöffentlich getan, indem er über den Bremer Betonfußball sagte: „Das hat mit Fußball nichts zu tun!“ Tatsächlich war die Bremer Spielweise fast ausschließlich darauf ausgerichtet, das Hoffenheimer Spiel zu zerstören und ansonsten darauf zu hoffen, irgendwann und irgendwie mal eine Chance zum Torschuss zu bekommen – was ja auch gelang. Zu den Mitteln eines Drittligisten zu greifen, ist legitim, hinterlässt jedoch einen Beigeschmack, den man in Bremen nicht gutheißen kann. Denn worauf will man sich stützen, wenn es demnächst wieder um Punkte in der Liga geht? Mit Rumpelfußball wird man die Klasse nicht halten können: Werder Bremen, so die vielleicht bald schon schmerzliche, weil zu spät einsetzende Erkenntnis, geht anders!

Können wir uns auch über uns selber ärgern? Müssen wir es sogar, um nicht als schlechte Verlierer dazustehen? Das ist schwer zu sagen, weil die Moral gestimmt hat, bis zur letzten Sekunde, und weil es so schwer ist, gegen eine bolzende Abwehrmannschaft, die auch noch von schiedsrichterlichem Glück begünstigt ist, Tore zu erzielen. An diesem Abend hat jedenfalls nicht das Glück des Tüchtigen obsiegt. Schade, sehr schade, unsere Mannschaft hätte den Sieg verdient gehabt. Aber das war auch letztes Jahr schon so, als wir wegen seltsamer Schiedsrichterentscheidungen gegen Köln aus dem Pokal ausschieden. Dafür lief es dann in der Liga umso besser – nehmen wir das als gutes Zeichen!

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Alexander H. Gusovius