Zur Abwechslung DFB-Pokal!

Man kommt im Kopf kaum noch hinterher, so viele Spiele absolviert Hoffenheim innerhalb weniger Tage. Kaum hat man die letzte Begegnung halbwegs verarbeitet, steht bereits die nächste an. Das Herz tut sich damit viel weniger schwer, es ist ja sowieso auf Dauerliebe geschaltet und macht sich deshalb eben keinen Kopf, warum und gegen wen wir jetzt schon wieder antreten. Hauptsache wir spielen…

Am Mittwoch ist es Werder. Im Pokal. In Bremen. Moment, hatten wir die sympathischen Fischköppe nicht schon? Doch, am ersten Spieltag, daheim in Sinsheim. Das ging 1:0 aus, und es war absolut nicht zu erkennen gewesen, dass Werder sich drei Monate später tief im Tabellenkeller wiederfinden würde. Bremen trat da zwar ungewohnt defensiv, aber spielsicher und keinesfalls wie ein potentieller Absteiger auf. Wer sich die Begegnung ins Gedächtnis rufen möchte: http://hoffenheimblog.de/2017/08/21/nach-dem-spiel-ist-vor-dem-spiel/

Man kann jedoch leider weder aus der jetzigen Tabellensituation von Werder noch aus dem Spiel im August eindeutige Rückschlüsse auf das ziehen, was uns Mittwochabend 20.45 Uhr erwartet. Und warum ist das so? Weil der Pokal eigene Gesetze hat – ist ja klar… Vermutlich wird Bremen vor eigenem Publikum und mit dem genesenen, lange schmerzlich vermissten Kruse eher nicht auf Torverhinderung aus sein, sondern sich aufs schnelle und wiederholte Toreschießen verlegen: Werder wird sich von seinen lautstarken Fans ins Ziel tragen lassen wollen – und das geht nur mit stimmungsvollem Fußball nach vorn!

Andererseits weiß Bremens Trainer Alexander Nouri natürlich, dass er nicht bedingungslos angreifen lassen darf, sonst riskiert er schnelle Tore gegen sich. Er steckt also in einer Zwickmühle – und seine Mannschaft steht auch deshalb unter ziemlichem Druck, den die TSG für sich nutzen kann. Imgrunde sollte man der Bremer Mannschaft deshalb anfangs durchaus ein paar Spielanteile überlassen, um sie, wenn sie sich gerade im Vorteil glaubt, überfallartig zu verunsichern und zum geeigneten Zeitpunkt zu zerlegen.

Werder hat das Problem, immer selber den entscheidenden Impuls für das Spiel setzen zu müssen, wenn man eine nicht unkomplizierte Situation nicht endgültig verknoten will. Anders gesagt, droht bei einem eventuellen Ausscheiden aus dem Pokal eine derart zugespitzte Krisenlage, dass es wohl bald um den Job des Trainers gehen dürfte. Und das will keiner an der Weser: Alexander Nouri hat Bremen bereits letzte Saison in auswegloser Lage umpolen können und es fast bis in die Euro League geschafft. Und wer sollte es statt seiner richten? Weinzierl? Nach dem unglücklichen Jahr auf Schalke weiß man nicht, wen man da engagieren würde – außerdem wird er seine Zelte wahrscheinlich bald in Köln aufschlagen.

Nur ist das alles nicht unser Problem. Unsere Probleme sind stark dezimierte Innenverteidiger, der übervolle Terminkalender und eine gewisse Verunsicherung in der Offensive darüber, ob man besser selber schießt oder abgibt. Das ist vergleichsweise komfortabel und sollte sich lösen lassen: Kramaric wird in näherer Zukunft jedenfalls eher zu viel als zu wenig abspielen, an die Terminflut kann man sich gewöhnen und Akpoguma hat sich als stellvertretender Innenverteidiger-Stellvertreter mehr als empfohlen.

Unsere Mannschaft braucht in Bremen darum eigentlich nur aufmerksam zu bleiben, geduldig zu sein und die Chancen gut zu nutzen, die sich sicher bieten werden. Klingt eigentlich ganz einfach… Aber das ist es nicht, gerade nicht im Pokal! Denn wegen des pokaltypischen „Alles-oder-Nichts“ kann sich die Partie, gerade in der zweiten Halbzeit, zu einem Krimi entwickeln, wie es in früheren Jahren gang und gebe war bei Begegnungen zwischen Bremen und Hoffenheim. Diesmal hoffentlich nicht… Aber spätestens dann, wenn den Torhütern die Bälle nur so um die Ohren fliegen sollten und das Spiel völlig außer Kontrolle geriete, würde es heißen: Auf geht’s, Hoffe, kämpfen und siegen!!!

Foto: Kraichgaufoto, Uwe Grün

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Alexander H. Gusovius