Wolfsburg – Hoffenheim 1:1

Es war die ideale Rückkehr des Kevin Akpoguma, und das aus zwei Gründen: Zum einen ersetzte er beim Spiel in Wolfsburg in Halbzeit 2 den angeschlagenen, gelbverwarnten Posch souverän, zum anderen konnte er sich damit zugleich fürs nächste Ligaspiel gegen Gladbach empfehlen, wo Bedarf sein wird, weil Hübner infolge seiner fünften gelben Karte aussetzen muss. Denn mit Bicakcic und Nordtveit stehen mindestens zwei weitere Innenverteidiger vermutlich nicht zur Verfügung – und dazwischen wartet noch der schwere Gang nach Bremen zum Pokal.

An Akpoguma, auch wenn er beim Gegentreffer im Getümmel war, hat es sicher nicht gelegen, dass unsere Mannschaft in der Nachspielzeit noch den Ausgleichstreffer kassierte. Dass er nach seiner schweren Halswirbelverletzung letzte Saison in Düsseldorf überhaupt wieder so schnell Fußball spielen kann, und dann noch so gut, ist ein mittleres Wunder. Darüber darf man sich freuen – wie man sich über das Remis ärgern kann! Zehn Minuten früher hätte Kramaric alles klarmachen können, wenn er, statt beim halblinken Konter auf Casteels selber ein laues und in der Folge sehr haltbares Schüsschen abzugeben, auf den mitgelaufenen und völlig frei stehenden Wagner abgespielt hätte, der den Ball mit garantiert größeren Aussichten im leeren Tor untergebracht hätte.

Zudem hatte Olli Baumann, der derzeit beste deutsche Torhüter, in Halbzeit 1 erstens einen Elfmeter und zweitens unsere Mannschaft auch sonst öfters im Spiel gehalten. Natürlich wirkt es da nochmal angemessener, dem häufig selbstlosen Kramaric heftige Vorhaltungen zu machen, die er sich aber nach dem Spiel in der Kabine offenbar schon zur Genüge anhören durfte. Ein Klassestürmer wie er weiß außerdem genau, was er da verbockt hat. Ein sensibler Spieler wie er nimmt sich sowas sowieso zu Herzen.

Schauen wir uns also die vielen anderen Minuten an, in denen unsere TSG ja ebenfalls die eine oder andere Torgelegenheit ausließ, wobei sie vor allem in Halbzeit 1 zusätzlich gefährliche Wolfsburger Torannäherungen entschärfen musste. Dass diese Wölfe bisher noch kein einziges Saisonspiel gewinnen konnten, ist kaum zu glauben. Die Autostadt verfügt, das war klar zu sehen, über ein hochgradig spielbegabtes Team mit exzellenten Einzelspielern, die variabel angreifen, klug verlagern, jederzeit Gefahr ausstrahlen, gut verteidigen und auf der Bank weitere Hochkaräter sitzen haben. Dennoch hatte Hoffenheim trotz des Spiels von Donnerstag im Rücken außerhalb der letzten zehn Minuten insgesamt mehr vom Spiel und ließ nur im Angriff Defizite erkennen, weil der letzte Pass, die exaktere Flanke fehlte, um lang vor Kramarics Problemball alles klarzumachen.

Umso mehr ärgert man sich eben über das Remis. Doch was soll man machen, andere Mannschaften haben manchmal auch das Glück des Tüchtigen. Obendrein war der Führungstreffer nur durch einen Elfmeter zustande gekommen, zwar regelgerecht wegen Fouls gegeben, aber es handelte sich dabei eben um kein Feldspieltor, das zu einem richtig verdienten Sieg ja irgendwie dazugehören würde. Regelgerecht war die Leitung von Schiri Zwayer ansonsten übrigens bloß zu Teilen. Wäre er nur der überkorrekte Referee, der er ohnehin ist, indem er äußerst kleinlich den Spielfluss bei marginalsten Kontakten ständig unterbricht, würde es gerade noch angehen.

Das Problem bei der Partie gegen Wolfsburg war jedoch, dass er ziemlich einseitig pfiff. Sandro Wagner durfte egalwie attackiert werden, die Pfeife blieb stumm. Aber wehe, Wagner kam seinerseits in Kontakt mit dem Gegenspieler, dann musste der bloß leicht stolpern, schon ertönte der Pfiff. Und genau so geschah es vielfach zuungunsten der anderen TSG-Spieler! Zusammen mit Sky-Kommentator Hagemann, der Wolfsburg beständig mit wohlwollenden Kommentaren förmlich zu füttern versuchte, war das schon ein seltsames Pärchen, das einem das Zuschauen etwas verleiden konnte. Zum Ausgleich wollte man dann wenigstens die knappe Führung und drei Punkte gerettet wissen, so dass man sich darüber, dass auch das nicht klappte, zuletzt wohl am meisten ärgerte. Und deshalb vergeben wir Kramaric jetzt ehrlichen Herzens und halten fest, dass ein Punkt in Wolfsburg trotz allem so übel nicht ist!

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Alexander H. Gusovius