Von Elchen und Wölfen

In Deutschland breiten sich immer mehr Wolfsrudel aus, aber die scheuen Tiere werden in freier Wildbahn nur selten gesichtet. Sie richten bisher auch nur wenig Schaden an, zu ihrer Beute zählen eher kranke, schwache Tiere in Wald und Flur. Das kann sich jedoch ändern, wenn sie die Nähe zur Zivilisation suchen.

So ähnlich steht es auch um die Wölfe aus der Autostadt. Ihren schwachen Saisonauftakt haben sie einigermaßen überwunden – seither dehnen sie ihr Punkterevier aus und haben unter ihrem neuen Alpharüden Martin Schmidt zwar noch nicht gewonnen, aber auch nicht mehr verloren und demnach in vier Spielen vier Punkte geholt. Sowas stärkt das wölfische Selbstbewusstsein!

Für die TSG wird es darum gehen, das Vordringen der Wölfe in die Fußballzivilisation abzuwehren. Noch liegen sie mit acht Punkten auf Platz 14, tief in der Wildnis der unteren Liga-Ränge, doch mit einem Sieg über uns könnte der Anschluss ans Mittelfeld, wenn nicht sogar der Einzug ins Mittelfeld gelingen. Das wird der Meute Appetit machen, die Aussicht auf Beute schweißt das Rudel zusammen. Und Martin Schmidt wird das seine dazu tun, ihren Wolfshunger anzukurbeln…

Das siegreiche Spiel gegen die Istanbuler Grauen Wölfe von Staats-Führer Erdogan hat indes gezeigt, wie man eine Mannschaft daran hindert, ihren Siegeshunger umzusetzen. Die TSG, sozusagen das Elchrudel der Liga, hat dabei tierisch gut verteidigt, genauer gesagt: aktiv verteidigt, indem sie hoch und energisch gegengepresst hat und die Istanbuler Mannschaft so nie zur Entfaltung kommen ließ.

Wenn Hoffenheim dieses Konzept auch in der Autostadt anwendet, werden die Wölfe fußballerisch nichts reißen können bzw. nichts zu beißen haben. Um die Wortspielerei auf die Spitze zu treiben, würden sie dann selbst bei günstigen Passatwinden zu viele Tore kassieren und sogar im Polo– oder Golfsport unterliegen. Julian Nagelsmann sieht jedenfalls die große Chance, bei nicht nachlassendem Vorwärtsverteidigen zwei, drei TSG-Tore zu erzielen und somit siegreich vom Platz zu gehen.

Die Partie findet erst am Sonntagabend um 18 Uhr statt. Das ist immer noch viel zu nah dran an der Partie in der Euro-League, um sich von der Riesenanstrengung zu erholen. Andererseits sind danach auch wieder nur drei Tage Zeit, bis Hoffenheim am Mittwoch in Bremen zum DFB-Pokalspiel antritt. Das Beste wird vermutlich sein, wenn die Spieler erst gar nicht versuchen, aus dem Spielfilm gegen Istanbul auszusteigen, sondern ihn einfach verlängern.

Die Mannschaft müsste vom ehrenvollen Sieg über Istanbul ohnedies beflügelt sein. Ein paar Spiele lang war es nicht gelungen, die Hoffenheimer PS richtig auf den Rasen zu bringen, so dass vielleicht erste Selbstzweifel aufkamen. Falls es wirklich so war, dürfte das jetzt keine Rolle mehr spielen. Es spricht daher einiges dafür, dass wir die Wölfe, statt uns von ihnen jagen zu lassen, in ihr Jagdrevier zurückdrängen! Also, auf geht’s, Elche, kämpfen und siegen!

Foto: Kraichgaufoto, Uwe Grün

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Alexander H. Gusovius