Uth-Uth-Uth – und doch nur ein Punkt!

Das Traumtor von Uth in der 85. Minute und die Uth-Uth-Uth-Uth-Uth-Rufe der Fans hätten der Schlusspunkt der kraftzehrenden Partie gegen Augsburg sein müssen. Dass dieser wunderbare Moment zuletzt nicht mehr als ein Ausrufezeichen blieb, lag daran, dass die Gäste nie aufgaben – und Hoffenheim gelegentliche Schwächephasen durchlief, die wohl eher im mentalen als im physischen Bereich zu verorten waren.

Einige Male schon hat die TSG inzwischen eine Führung hergegeben, gegen Augsburg gleich zweimal. Das Muster ist imgrunde immer ähnlich: Aus überlegener Spielführung wird ein Tor, die Spannung lässt kurzfristig nach, der Gegner gleicht aus. Gegen Augsburg war das diesmal umso schmerzhafter, weil unsere Mannschaft nach dem ersten Ausgleichstreffer eben nochmal richtig Gas gegeben hatte und mit Uths linker Klebe in den Winkel kurz vor Spielende den Lohn für ihre Mühen bei der kleinen Achterbahnfahrt der Gefühle und Konzentrationsschwankungen eingefahren zu haben schien.

Doch leider kam Augsburg nochmal zurück und erzielte, wenn auch mit Glück, durch den Abpraller von Vogt den 2:2-Endstand. Um ungefähr zu verstehen, wie es zu so etwas kommen kann, muss man als Fan nur in sich selber nachschauen, und versteht dann auch die anderen Ausgleichstreffer. Denn sowie unsere Mannschaft vorn liegt, lehnt man sich innerlich ein Stück weit zurück und denkt: Jetzt läuft’s! Nur dass solche Momente dazu führen, im realen Leben wie im Fußball, dass man kurzfristig in der Spannung nachlässt.

Wenn man es dann mit Gegnern wie Augsburg zu tun hat, die alles daransetzen, erfolgreich zu sein, macht das eine Lücke auf, die viel größer ist, als sie auf den ersten Blick aussieht. In der Bundesliga beträgt der Leistungsunterschied ohnehin selten mehr als fünf Prozent! Da sind Schwächemomente, und wenn sie noch so kurz sind, mitunter von ausschlaggebender Bedeutung. Gefühlte Sicherheit, gefühlte Überlegenheit, gefühlte Siege gibt es letztlich nicht!

Meist punktet stattdessen der schiere Wille. Und von dem hatte Augsburg so viel mitgebracht, dass es zwar nicht zum Sieg, aber doch zum Unentschieden reichte. Das muss man anerkennen – und dass Augsburg nicht mehr unfair spielt wie unter Weinzierl, sondern ein sportlich einwandfreies Auftreten pflegt, das von einer großartigen Abwehrleistung mit gefährlichen Kontern lebt.

Umgekehrt hat unsere Mannschaft gerade mit solchen starken Abwehrleistungen ein Problem, wie jede Mannschaft, die auf spielerische Lösungen setzt. Anders gesagt, kann gegen Augsburg schon mal ein Sieg verlorengehen, wenn Konterchancen bei zwischenzeitlicher Führung nicht genutzt werden. So eine bewegliche, vielbeinige Abwehr zu überwinden ist nochmal schwerer, wenn der Gegner einmal zurückgekommen ist.

Die zweite Halbzeit hat trotzdem gezeigt, wie man Gegnern à la Augsburg, von denen es inzwischen viele in der Liga gibt, beikommen kann. Der Schlüssel liegt in den schnellen Ballstaffetten, mit denen unsere Mannschaft aus der Pause kam. Damit hat sie den Augsburger Abwehrverbund, der im Mittelfeld begann, so in Verwirrung gebracht, dass Fehlerketten entstanden. Es ist nur unendlich schade, dass die Krönung davon, also Uths Traumtor, folgenlos blieb.

Aber das wird vermutlich nicht so bleiben. Die Mannschaft wird aus den wiederholten kleinen Einladungen, die sie an zunächst unterlegene Gegner ausgesprochen hat, sicher lernen. Im Übrigen hat sie das, wenn man genau hinschaut, auch schon getan. Zum Beispiel gehört der etwas zu sorglose Antritt nach Halbzeitpausen, der bereits einige Punkte gekostet hat, der Vergangenheit an. Und mit der Rückkehr von Demirbay und Amiri ins Team zieht auch wieder mehr Kreativität ins Zentrum ein, auch wenn die beiden erkennbar noch nicht wieder ihr Maximum abrufen konnten.

Was macht man jetzt mit dem 2:2 gegen Augsburg? Sich darüber zu freuen, geht natürlich nicht. Sich zu ärgern, liegt nahe, wäre ebenfalls unangemessen. Dafür hat unsere Mannschaft zu viele gute spielerische Situationen gezeigt und sich zu viel Torgefahr erarbeitet, die mehr als nur eine Basis für die kommenden Spiele legen. Wir sind eben noch keine ganze Spitzenmannschaft, egal wie hoch die freudigen Erwartungen sind, die wir Fans, aber auch die Spieler und Verantwortlichen irgendwie in sich tragen, sondern so etwas wie eine Drei-Viertel-Spitzenmannschaft. Das schließt mit ein, dass Augsburg halt auch mal einen Punkt holt! Leider…

Fotos: Uwe Grün, Kraichgaufoto

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Alexander H. Gusovius