Die zwei Gesichter des SC Freiburg

Der SC Freiburg hat in dieser Saison noch kein Spiel gewonnen. Das soll möglichst auch am Sonntag, dem siebten Spieltag, so bleiben. Die Elf von Christian Streich hat bei den vorigen sechs Partien allerdings immerhin viermal Remis gespielt, ohne jedoch insgesamt mehr als zwei magere Törchen zu erzielen. In der Offensive liegt folglich das Problem des SC. Und auch dabei darf es gern bleiben, wenn es nach uns geht.

Wenn es nach uns geht… Die Frage ist nur, wer wir im Augenblick eigentlich sind. Die Rumpftruppe, die nach Razgrad gereist ist? Wie viele davon werden am Sonntag einsetzbar sein, und wer von den Daheimgebliebenen? Grundsätzlich ist es ja so, dass Julian Nagelsmann es in kürzester Zeit geschafft hat, einen so homogenen, breit aufgestellten Kader zu entwickeln, dass er auch auf mehreren, sogar besonders wichtigen Positionen rotieren kann, ohne dass die typischen Mängel einer echten B-Elf aufscheinen. In Razgrad kam es am Donnerstag trotzdem zur ersten wahrnehmbaren Schwächung, vor allem im Back-up-Bereich…

Machen wir uns trotzdem nicht zu viele Gedanken über die Startelf, in die mindestens Wagner zurückkehren wird, nachdem er für die Nationalmannschaft nominiert wurde. Und freuen wir uns stattdessen auf das Wiedersehen mit Marco Terrazzino, der schon zweimal bei uns und einmal in Freiburg vergeblich sein Glück gesucht hatte und es jetzt beim zweiten Anlauf im Breisgau verdienterweise wohl endlich findet. Bei nur zwei Treffern der gesamten Mannschaft konnte er seine Torgefährlichkeit naturgemäß noch nicht abschließend unter Beweis stellen, aber schon einen Scorerpunkt sammeln.

Bei der spärlichen Punktausbeute der Freiburger sollte man allerdings nicht vergessen, dass unter den bisherigen Gegnern Leipzig, Dortmund, Leverkusen und Hannover waren. Da purzeln Siege nicht eben vom Himmel, so dass die vier Remis-Punkte umgekehrt auch eine gewisse Stabilität belegen – an der sich unsere Mannschaft zwar nicht die Zähne ausbeißen sollte, an der sie aber zu kauen haben wird. Das Pressing der Breisgauer, ihr bevorzugtes Spielsystem auch in dieser Saison, funktioniert durch die hohe Laufbereitschaft wenigstens defensiv ziemlich gut.

Freiburg kann allerdings auch Beton anrühren! Daheim gegen Dortmund ermauerte sich der SC ein 0:0, davon 60 Minuten sogar in Unterzahl, während man bei der darauffolgenden Partie in Leverkusen mit 0:4 unter die Räder kam. Bisher, so das Fazit aus der noch kurzen Saison, hat Freiburg zwei Gesichter: ein lustiges, bei dem viele gute Chancen vergeben werden, und ein trutziges, bei dem sich der Gegner vorsehen muss, unbeschadet über die Zeit zu kommen. Womit nicht nur die Punktausbeute, sondern auch die Gesundheit gemeint ist…

Vor ca. einem Jahr hat sich Christian Streich noch mächtig über das Treter-Image seiner Mannschaft erregt, das ihm vonseiten der TSG angeblich angedient wurde. In der Folge führte sich Freiburg uns gegenüber jedoch erheblich handzahmer auf, als wir das von anderen Gelegenheiten kannten – was hoffentlich bis in diese Saison hinüberreicht. Denn breiter Kader hin oder her: Weitere personelle Sorgen kann Hoffenheim wirklich nicht gebrauchen.

Wir fahren jedenfalls nach Freiburg, um das badische Duell zu gewinnen! Unsere Mannschaft hat dabei nur eine Option: Sie muss die negativen Erlebnisse in Razgrad verdrängen. Zum Verarbeiten, Auskurieren oder auch nur zur Erholung fehlt einfach die Zeit: freitags erst zurück im Kraichgau, geht es fast postwendend Richtung Breisgau. Da überlegt man am besten nicht lang, was geht und nicht geht, sondern tut es… Der Vorschlag unsererseits, was zu tun wäre, lautet: Auf geht’s, Hoffe, kämpfen und siegen!

Foto: Kraichgaufoto, Uwe Grün

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Alexander H. Gusovius