Ludo… Wer?

Wir kennen den Namen des aktuellen Gegners in der Euroleague-Gruppenphase so wenig, wie man dort den Namen Hoffenheim zu buchstabieren weiß. Die Wissenslücke ist aber nicht gerechtfertigt, fußballerisch schon gar nicht: Die TSG 1899 Hoffenheim und der PFC Razgrad spielen beide feinen Fußball, nur halt nicht seit Jahrzehnten, so dass einem der Name Ludogorets, anders als bei Bröndby Kopenhagen oder Udinese Calcio, eben nicht geläufig ist. Doch das kann sich ändern, alles fängt irgendwann mal an…

Bei Ludogorets hat es damit angefangen, dass ein fußballbegeisterter bulgarischer Chemie-Fabrikant in seiner kleinen Heimatstadt Razgrad, wo er auch sein Unternehmen ansiedelte, als Sponsor des örtlichen Vereins einstieg. Der Weg in die erste bulgarische Liga war zwar bei weitem nicht so weit und dauerte lang nicht so lang wie für Hoffenheim und Dietmar Hopp, aber es gibt durchaus die eine oder andere Parallele. Nur hat Ludogorets Razgrad in den letzten Jahren alles, was an bulgarischen Titeln verfügbar war, abgeräumt.

Auch die Bestückung des Kaders mit sehr vielen brasilianischen Spielern unterscheidet Hoffenheim von Ludogorets Razgrad. Und dass die TSG statt eines stolzen Adlers im Wappen einen lustigen Elch mit sich führt… Damit soll’s an dieser Stelle aber genug sein mit den herleitenden Erläuterungen: Wer sich für mehr interessiert, sei auf die vorzüglichen Recherchen der TSG-Medienleute verwiesen, die umfassende Informationen auf www.achtzehn99.de bereitgestellt haben!

Beschäftigen wir uns stattdessen mit der Lage der TSG: Im Doppelpass hat Alexander Rosen gesagt, dass die Mannschaft darauf hinarbeitet, die Gruppenphase zu überstehen, also mindestens Zweiter zu werden. Nach der etwas unnötigen Heimniederlage vor zwei Wochen wäre deshalb mindestens ein Remis in Razgrad nötig, besser ein Dreier! Nach wie vor fehlen jedoch Demirbay und Bicakcic, Amiri ist wohl auch noch nicht einsetzbar. Damit ergibt sich eine ähnliche Situation wie zuletzt gegen Schalke – die sehr gut gelöst wurde, indem Vogt auf die Sechs und Geiger auf die Zehn vorschoben, wenn Hoffenheim offensiv war.

Warum soll das Rezept gegen bulgarische Brasilianer nicht ebenfalls aufgehen? Deren eigentlich sehr spielstarke Mannschaft, die vermeintlich lösbare Aufgaben anscheinend gern etwas unterspannt angeht, wird uns Räume anbieten, die wir von den Abwehrbollwerken der Bundesliga kaum noch kennen. Es wird darum, wie gegen Schalke, darauf ankommen, sich selber erstmal nicht ausspielen zu lassen und dann mit schnellen Kombinationen die weiten Räume zum Torerfolg zu nutzen.

Mag Ludogorets Razgrad hierzulande auch kein großer Name sein: Wir werden am Donnerstagabend ein großartiges Spiel erleben! Bei dem eben mal nicht die Etablierten, sondern die Neulinge am Werk sind, mit frischem Fußball und wacher Seele… Wie gegen Braga ist die Chance jedoch alles andere als gering, siegreich vom Platz zu gehen, wenn unsere Mannschaft ihre neue Mixtur aus spielerischer Finesse und unbändigem Willen wieder auf den Rasen bringt.

Und deshalb her mit den ersten europäischen Punkten: Auf geht‘s, Hoffe, kämpfen und siegen!

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Alexander H. Gusovius