Mit dem Rücken zur Wand

Der FSV Mainz 05 steht fast schon mit dem Rücken zur Wand! Drei Pünktchen nach vier Spieltagen machen nicht satt, sondern eine faltige Stirn. Dabei schlugen neben der einkalkulierten Niederlage des FSV gegen die Bayern zwei allerdings sehr knappe, auch unglückliche Punktverluste gegen die beiden Aufsteiger Hannover und Stuttgart zubuche. Einzig das Heimspiel gegen Leverkusen haben die Mainzer unter ihrem neuen Trainer Schwarz gewonnen.

Ganz leistungsgerecht ist der Aufenthalt im Tabellenkeller folglich nicht. In den vier Spielen war mehr drin. Aber die Mainzer müssen aufpassen, dass sie nicht in eine Negativspirale geraten, aus der man sich dann bis zum Saisonende nur noch schwer befreit. Es steht also viel auf dem Spiel, wenn wir am Mittwochabend in der Opel-Arena aufschlagen. Umgekehrt übrigens auch… Denn für die TSG geht es darum, der Lösung für jene Mauertaktik näherzukommen, mit der uns die Gegner seit Neuestem den spielerischen Nerv zu ziehen versuchen. Mainz wird das, abgesehen von ihren bisher praktizierten, stürmischen ersten Minuten, kein bisschen anders handhaben. Es wäre zwar zu wünschen, dass die Nullfünfer über die gesamte Spielzeit mutig nach vorn gehen und uns bespielbare Räume anbieten, aber mit so viel höflichem, gastgeberischem Übermut sollte man nicht rechnen.

Wieder wird also geduldiges Anspielen gegen eine dicht gestaffelte Abwehr gefragt sein, unterstützt durch Ecken und Freistöße. Hier liegt eine nicht zu unterschätzende Chance, wenn es nämlich gelingt, die Angriffe aufs Mainzer Tor wenigstens so scharf zu stellen, dass es zu hektischem Ballwegschlagen und zu Fouls nahe am Sechzehner kommt. Noch besser wäre es natürlich, wenn unsere Mannschaft einen Schritt nach vorn nimmt in der Entwicklung vom nur schnellen Passspiel hin zum schnellen, ballbesitzenden Dosenöffnen – per Diagonalball und ständigem Rochieren im Angriff.

In den letzten Spielen war bspw. immer mal wieder zu sehen, dass Zuber und Amiri bei Angriffen die Positionen tauschten. Amiri hielt sich dann streng an die linke Außenbahn, derweil Zuber fast auf der 10 spielte und Demirbay sich weiter links ums offensive Einfädeln bemühte. Sogar die Einbindung von Hübner ins Mittelfeld war gelegentlich zu beobachten. In der Summe zeichnet sich ab, wohin die TSG-Reise gehen soll: ins multifunktionale Angreifen, das Räume schafft, wo keine sind.

Dabei stellt sich die Frage, wie groß der Anteil von Wagner noch sein wird oder kann. Die bisherige Alternative zwischen schnellen Ballkontakten nach vorn und dem langen Anspiel auf Wagner, der die Bälle festmacht und verteilt, verliert an Bedeutung. Es könnte sein, dass hier Uths Chance gekommen ist, um als Spieler mit mehr Varianz künftig die TSG-Offensive anzuführen. Flankiert von Kramaric, der mit Uth auch besser zu harmonieren scheint als mit Wagner, und natürlich von Gnabry, sobald dessen Verletzung auskuriert ist.

Der Gang nach Mainz wird kein leichter sein! Außer es gelingt, den Mainzer Abwehrplan mit raschen Toren zu durchkreuzen… So etwas kann natürlich immer mal gelingen, muss aber nicht – und dann wird es eben schwer! Doch erinnern wir uns an den Beginn der letzten Saison, als es ebenfalls einige Spieltage brauchte, bis die neue Hoffenheimer Spielweise richtig zu greifen begann und die Gegner vor schier unlösbare Probleme gestellt wurden. Die Mainzer sollten dennoch zu schlagen sein, auch wegen der sie nervös machenden Angst vor einem ausgewachsenen Fehlstart in die neue Saison.

Foto: Kraichgaufoto, Uwe Grün

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Alexander H. Gusovius