Niederlage gegen Braga! Wo war Uth?

Auf dem Aufstellungsbogen vermisste man ihn schon. Und etwa 45 Minuten vor dem Anpfiff reihte sich Mark Uth dann auch noch in die Essensschlange im Businessbereich ein, leger gekleidet, mit trauriger Miene. Auf die Frage, was er denn da mache, erwiderte er, dass er leider nicht spielen könne, er habe „was am Fuß“. Aber er hoffe aufs Spiel gegen die Hertha…

Damit fehlte die im Augenblick bedeutendste, unbekümmertste Offensivwaffe der TSG! Doch es gab auch ein paar andere bedeutsame Umstellungen: Zuber und Hübner drückten die Bank, für sie spielten Schulz und der wiedergenesene Vogt. In der Mitte zogen Grillitsch auf der Sechs und vor ihm Demirbay und Rupp ihre Kreise. Vorn waren Kramaric und Wagner aufgeboten. Außerdem dabei: Kaderabek, Nordtveit, Bicakcic und natürlich Baumann.

Nimmt man zu den hiermit 14 genannten Spielern noch diejenigen hinzu, die in den letzten Spielen substantiell zum Gelingen beigetragen haben, also Polanski, Gnabry, Geiger, Amiri, Ochs und Szalai, dann verfügt Julian Nagelsmann bereits über 19 Akteure, die zu den Säulen des Hoffenheimer Fußballs zählen. Das heißt, er verfügt im Prinzip über einen echten, doppelbesetzten Kader – und tatsächlich sieht man jedesmal, egal in welcher Besetzung die TSG aufläuft, eine erstaunlich ähnlich spielstarke Mannschaft auf dem Rasen.

Das war auch gegen Braga so – jedenfalls in der ersten Halbzeit. Vor allem in der ersten halben Stunde bot Hoffenheim atemberaubenden Fußball, der die ohnehin defensiver als gedacht eingestellten Portugiesen vollends hinten reindrückte. Ein paarmal hätte es bei den schönen Aktionen schon mal zum Torerfolg kommen dürfen, eigentlich müssen, denn das magere 1:0 in der 24. Minute (Wagners Kopfball nach einem schönen Heber von Kaderabek), das bis kurz vor der Halbzeit Bestand hatte, sollte sich als nicht ausreichend erweisen.

Doch die TSG gefiel sich im anfänglich überragenden Angriffsfußball so sehr, dass sie den letzten Biss vermissen ließ. Und nach Wagners Tor spielte sie sich immer mehr fest in den dichten Abwehrreihen von Braga. Dann verletzte sich Bicakcic auch noch gegen Ende der zweiten Halbzeit am Knie, machte aber weiter. Mit ihm wollte die ganze Mannschaft in die Pause herübergleiten – und nahm kurz den Fuß vom Gaspedal. Braga erkannte die mentale Lücke und stach zu.

Es war das erste Mal, dass die Portugiesen überhaupt gefährlich vors Tor von Baumann kamen. Dass es danach 1:1 stand, war eher ein Witz – und kein guter, wie sich sehr bald nach dem Wiederanpfiff herausstellen sollte, als es plötzlich 1:2 stand… Braga griff nach der Pause überraschend hoch an, brachte das Hoffenheimer Konzept damit erfolgreich durcheinander, verwirrte kurz die sonst sehr stabile TSG-Abwehr und mauerte sich anschließend mehr oder weniger bis zum Ende durch, unter Zuhilfenahme sämtlicher bekannter Tricks, Zeit von der Uhr zu nehmen – sehr zum Verdruss von Julian Nagelsmann, der durchweg fairen Fußball praktiziert.

Spätestens in dieser langen Phase, in der die Mannschaft einfach kein Mittel zum Aufstemmen der portugiesischen Mauer fand und die zentrale Spielsteuerung durch Vogt und Demirbay ohne durchschlagende Impulse blieb, hätte sie jemanden wie Mark Uth gebraucht! Aber er war nunmal nicht einsetzbar… Und so zogen sich die letzten Minuten wie Kaugummi in die Länge, Bragas Spieler sanken im Augsburg-Style bei der geringsten Berührung zu Boden und brachten Hoffenheim durch die ständigen Unterbrechungen endgültig aus dem Takt, so dass es bei allem Bemühen und trotz der Umstellung von defensiver Fünfer- auf Viererkette zu keiner nennenswerten Schlussoffensive mehr kam.

Dass die Partie 1:2 endete, wirkte so unnötig wie Haarausfall! Aber vielleicht war die Vorfreude aufs europäische Kräftemessen einfach zu groß, ein Stück weit sogar zu naiv, um mit der Abgezocktheit der portugiesischen Truppe mitzuhalten. Unseren Spielern stand danach die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben, ihnen war vor halbvollem Haus bei allerdings herausragender Unterstützung der eigenen Fans irgendwie ein Traum weggerutscht. Aber sie sollten sich damit nicht lang aufhalten, schließlich gibt es ja noch genügend Spiele in der Gruppenphase, um die bislang nicht so erfolgreiche Europa-Story umzuschreiben. Dann auch wieder mit Uth…

Fotos: Uwe Grün, Kraichgaufoto

Deine Meinung zum Artikel:
Alexander H. Gusovius

1 Comment