Neues Leverkusen

Der nächste Spieltag der Bundesliga steht an, es ist erst der zweite. Nur hat man nach den beiden CL-Quali-Spielen das Gefühl, die Liga wäre schon viel länger am Laufen, der Kopf ist randvoll mit großen Bildern. Unseren Spielern wird es ähnlich gehen: Liverpool hat sich wie bei einem Kinobesuch von Transformers I und II über die sportliche Normalität gelegt. Jetzt muss man den Kopf dringend wieder frei bekommen und in Leverkusen am besten gleich alles dafür tun, zurück zum erfolgreichen Fußball Marke Hoffenheim zu finden.

Der Gegner hat sich in der Sommerpause neu aufgestellt und dazu eher abgespeckt als aufgerüstet. Natürlich gab es Neuzugänge wie Bender zu vermelden, markanter war aber der Abgang der kleinen Erbse Chicharito und von Calhanoglu. Denn das Problem von Leverkusen bestand letzte Saison im Wesentlichen darin, dass ein auf den ersten Blick herausragender Kader mit zu vielen Individualisten gespickt war, die eigensinnig und egoistisch veranlagt waren.

Grundsätzlich ist eine Mannschaft als Kollektiv von Individualisten das Optimum. Nichts geht über ein Team von kreativen Fußballern, die in eine Richtung marschieren und füreinander da sind. Wird es mit der Kreativität aber übertrieben und übertrifft der persönliche Ehrgeiz den des Teams, dann fällt eine Mannschaft auseinander. Genau das ist in Leverkusen passiert. Gleichzeitig war die Ausrichtung auf extremen Konterfußball ans Ende gekommen.

Mit der Verpflichtung von Heiko Herrlich, der von Jahn Regensburg kam und dort herausragende Arbeit geleistet hatte, soll jetzt alles besser werden: Leverkusen will wieder im oberen Drittel der Liga angreifen. Zum Auftakt musste Bayer aber erstmal bei den Bayern antreten – und lag zur Halbzeit bereits mit 2:0 zurück, nicht zuletzt aufgrund der Ex-Hoffenheimer Co-Produktion von Rudy und Süle. Das Pausen-Resultat deckte die Spielverhältnisse jedoch nicht ab: Leverkusen tauchte oft genug gefährlich vorm Tor der Bayern auf, ließ die nennenswerten Chancen aber aus und ließ auch in der zweiten Halbzeit die nötige Kaltschnäuzigkeit beim Abschluss vermissen. Die Werkself griff die Bayern mutig an, störte den Spielaufbau und setzte die Abwehr weit vorn unter Druck. Außer einem Treffer durch Mehmedi wollte allerdings kein weiterer gelingen, trotz etlicher guter Angriffe.

Hoffenheim hat also am Samstag einen Gegner vor der Brust, der mit den schnellen Spitzen Volland und Bellarabi und einem beweglichen Mittelfeld keinesfalls zu unterschätzen ist. Bayer wird zuhause darüber hinaus mindestens so engagiert auftreten wie in München – auch weil ein unangenehmer Fehlstart droht. Es wird daher darauf ankommen, vor allem das Tempo im Spielaufbau der Werkself zu unterbinden und selber im Mittelfeld mit schnellen Ballstaffetten dominant zu sein. Damit wäre sozusagen die Hauptschlagader von Leverkusen abgeklemmt.

Für unsere Mannschaft kommt ein anspruchsvoller Gegner wie Leverkusen im Übrigen gerade recht. Nach der schmerzhaften Niederlage in Liverpool muss sie sich elementar gefordert fühlen, um ihr liegengelassenes Spielsystem auf hohem Niveau wiedereinzurichten – nicht zuletzt, um auch für die nächste Partie beim Heimspiel gegen die Bayern nach der Länderspielpause gerüstet zu sein. In Leverkusen wird man sich das CL-Quali-Spiel genau angeschaut haben, ohne jedoch wesentliche Erkenntnisse daraus ziehen zu können. Denn wenn sich die TSG wieder auf sich selbst besinnt, wird sie gegen die Werkself ein ganz anderes Gesicht zeigen.

Das dürfte eigentlich nicht allzu schwerfallen. Leverkusen liegt nicht an der Anfield Road und hat kaum fußballhistorisches Gewicht. Selbst die Vergangenheit als Vizekusen liegt weit genug zurück! Weil Bayer bei den Bayern aber einen so beweglichen, mutigen Vorwärtsfußball geboten hat und die TSG die enttäuschende Niederlage in Liverpool unbedingt aus den Trikots schütteln möchte, zeichnet sich für Samstagnachmittag ein spannendes, enges Duell mit Spielszenen der Spitzenklasse am Fußballhimmel ab. Was wollen wir mehr! Doch, da wäre noch was: Auf geht’s, Hoffe, kämpfen und siegen!

Foto: Kraichgaufoto, Uwe Grün

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Alexander H. Gusovius