Auf geht’s, Hoffe, kämpfen und siegen! KÄMPFEN UND SIEGEN!!! Mittwochabend, ab 20.45 unserer Zeit in Liverpool, bleibt unserer TSG auch gar nichts anderes übrig. Denn das Hinspiel letzte Woche ging ziemlich unglücklich mit 1:2 verloren, sodass Hoffenheim zum Erreichen der Champions-League-Gruppenphase mindestens zwei Tore an der Anfield Road erzielen muss. Aufgrund der Auswärtstor-Arithmetik sollte schließlich 0:2 oder höher bzw. 2:3 oder 3:4 usw. auf der Anzeigetafel stehen. Bei einem 0:1 wäre die TSG draußen bzw. in der Gruppenphase der Euro-League angelangt. Steht es nach 90 Minuten 1:2 wie im Hinspiel, geht es in die Verlängerung.

Nimmt man das Hinspiel zum Vergleich, ist die Vorstellung gar nicht so abwegig, dass Hoffenheim das vielfach als Wunder bezeichnete Weiterkommen schafft. Liverpool war „der erwartet starke Gegner“, aber wirklich kein übermächtiger Gegner. Die Reds wurden von unserer Mannschaft sogar über weite Strecken des Spiels dominiert – Jürgen Klopp verkaufte die Einschnürung seiner Mannschaft später allerdings als gewolltes Überlassen ungefährlicher Räume. Dabei fehlte nicht viel, und die Reds hätten in den gefährlichen Räumen ihr blaues Wunder erlebt.

Klopp ist ein Meister seines Fachs – nur zählt dazu weniger die fußballerische Expertise, die bei ihm inzwischen ein wenig angestaubt wirkt. Nach wie vor meisterlich beherrscht er jedoch die Kunst der Selbstinszenierung und öffentlichen Hypnose: Was er mit breitem Lachen, kumpelhaftem Grinsen, fein dosiert eingestreuter Eigenironie und jeder Menge kreuzsympathischer Energie von sich gibt, hat die Kraft des verkündeten Worts. Anders gesagt, glaubt man dem Mann, den fast jeder gerne zum Freund hätte, beinahe alles, was er sagt – und tappt in die Falle.

Denn Klopp verfügt über die rhetorische Kraft, Schwarz in Weiß und Weiß in Schwarz zu verwandeln und damit Erwartungsräume zu öffnen, in die sich die sportliche Realität bzw. der Gegner bereitwillig fügt. Dementsprechend ist nahezu jeder der Ansicht, dass am Mittwoch im Rückspiel Liverpool obsiegt und alles andere eine riesige Sensation wäre – obwohl im Hinspiel die Vorteile doch klar bei Hoffenheim lagen und die Reds einen mehr als holprigen Ligastart hingelegt haben.

Man muss sich das richtig bewusstmachen, um die suggestive Erwartungshaltung zu durchbrechen, die sich sonst wie Blei in die Köpfe, Herzen und Fußballerbeine legt: Es wäre alles andere als eine Sensation, wenn die TSG in Liverpool das Weiterkommen schafft! Eher schon wäre es normal, weil die TSG das intelligentere System spielt und Liverpool wohl nicht zweimal hintereinander auf glückliche Umstände bauen kann. Wenn unsere Stürmer dann noch bei der Chancenverwertung zulegen, kann Hoffenheim die Aufgabe ohne Weiteres meistern.

Man könnte den Spieß auch leicht umdrehen, denn auf der Pressekonferenz vor dem Spiel in Sinsheim vermochte Klopp seine große Nervosität kaum zu überspielen. Aber warum war er eigentlich so nervös? Weil sein Ruf in größter Gefahr ist! Die amerikanischen Investoren von Liverpool haben ihn vor zwei Jahren an die Anfield Road geholt, damit der Verein nach langer Zeit endlich wieder in der Champions League spielt. In der ersten Saison ist Klopp mit dieser Pflicht krachend gescheitert, in der nächsten hat er es mit Ach und Krach gerade mal in die Quali geschafft und muss, wenn sein Ruf nicht Schaden nehmen soll, wenigstens dort reüssieren. Und trifft ausgerechnet auf uns…

Ausgerechnet deshalb, weil dem in Wahrheit nicht mehr so erfolgreichen Erfolgstrainer Klopp damit ein viel jüngerer Trainer gegenübertritt, der sich anschickt, mit Hoffenheim das zu verwirklichen, was Klopp einst gelang – einen anfangs eher durchschnittlichen Kader auf höchstes Niveau zu heben, bahnbrechende Erfolge zu feiern und die arrivierten Trainer alt aussehen zu lassen. Klopp weiß aus eigener Anschauung sehr genau, wie groß die Gefahr ist, dass Julian Nagelsmann ihn schlicht und einfach entzaubert.

Und davor hat er mächtigen Bammel, das macht ihn so nervös. Und genau das sollte die TSG wissen und ruhigen Blutes nutzen. „Scheiß di nix, dann feit di nix“, hat Julian Nagelsmann letzte Saison mal zum Besten gegeben, was frei aus tiefstem Bayrisch übersetzt bedeutet: „Sei ohne Angst, dann wird nichts schiefgehen.“ Nach dem verständlichen Bauchkribbeln in Sinsheim, als die Mannschaft zum ersten Mal die Champions-League-Hymne hörte, wird sie diesmal sicher von Beginn an gefestigter auftreten und den Respekt vor den großen Namen weitgehend abgelegt haben.

Da – und im überlegenen Spielsystem – liegt die Chance, die Heimniederlage wettzumachen und weiter Champions-League zu spielen. Es ist zwar nicht so, dass die andernfalls wirksame Teilnahme an der Gruppenphase der Euro-League zu verachten wäre – keinesfalls! –, aber wir können Liverpool und Jürgen Klopp ja wirklich schlagen. Und darum sollten wir das auch tun! Also nochmal:

AUF GEHT’S HOFFE: KÄMPFEN UND SIEGEN!!!

Foto: Kraichgaufoto, Uwe Grün

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Alexander H. Gusovius