Das große Karussell…

Jetzt dreht es wieder, endlich, das Bundesliga-Karussell! Auf dem riesigen Jahrmarktsgelände des Sports gibt es kaum ein fesselnderes Fahrgeschäft, das an 34 Spieltagen à 9 Spielen insgesamt 306-mal 90 Minuten Hochspannung verheißt. Nur dem ehrgeizigen HSV ist das anscheinend nicht genug, sodass er seinen Fans gern zwei Extraspiele präsentiert. Die Niederlage gegen Oldenburg im Pokal ist ein erster Fingerzeig, dass es auch in dieser Saison wieder so kommt.

Ähnlich klar scheint es um die Suche nach dem nächsten Deutschen Meister zu stehen. Wer soll’s denn richten, wenn nicht der ruhmreiche FC Bayern? Die Macht der Gewohnheit steht dabei aber Pate und tunkt die Meistergewissheit vielleicht etwas zu tief ins Taufbecken. Denn ausgemacht ist der Langstreckentitel für die Bayern diesmal ganz und gar nicht, noch weniger als letzte Saison, selbst wenn ein fast im eigentlichen Wortsinn runderneuerter Uli Hoeneß wieder das Zepter schwingt. Wer weiß, ob die Bayern unter Ancelotti nicht erneut schwächeln – wenn es immer noch kein klares Spielkonzept gibt…

Aber wem könnten schwächelnde Bayern großzügig den Weg zur Meisterschaft ebnen? Dem BVB? Die Querelen um Dembélé erschüttern Dortmund im Fundament, und wenn auch noch Aubameyang gehen sollte, fangen die Westfalen offensiv fast wieder bei null an. Dazu ist ihr umtriebiger Manager Watzke intern umstritten und wirkt amtsmüde. Keine guten Voraussetzungen für eine Meistersaison! Wer dann? Leipzig? Schon möglich… Aber bei aller klugen Weitsicht müssen die Sachsen erstmal den Tanz auf drei Hochzeiten überstehen und die schweren Spiele der Champions-League verkraften.

Gladbach, Wolfsburg, Leverkusen und Schalke würden natürlich gern in die Bresche springen und sich den Meistertitel schnappen. Doch daraus dürfte nichts werden, weil alle vier noch am Wiederaufbau arbeiten, nachdem die Formkurve der letzten Zeit klar nach unten wies. Wir selber sollten übrigens nicht den kleinsten Gedanken daran verschwenden, Nutznießer all der Probleme der andern zu sein: Hoffenheim hat genug damit zu tun, die großartige Leistung der vergangenen Saison zu wiederholen.

Also wird’s vermutlich doch wieder an den Bayern sein, die Schale in den Himmel zu recken. Jo mei, wenn sonst koaner wüll? Im Tabellenkeller sollte es umso turbulenter zugehen. Die Kandidatenliste dafür ist lang: Hamburg, Augsburg, Frankfurt, Mainz, Hannover, Stuttgart, Freiburg… Keiner davon ist für den Abstieg gesetzt, jeden könnte es erwischen (nur der Relegationsplatz ist natürlich vergeben). Das verheißt extreme Spannung im unteren Drittel! Und ein dick gepacktes Mittelfeld. Samt diffuser Lage an der Spitze…

Heute am Abend drücken also erstmal Bayern und Bayer den Startknopf der vermutlich heißesten Saison seit langem. Vielleicht kassieren die Bayern hier sogar schon den ersten Dämpfer. Morgen dann, am Nachmittag, folgen die nächsten Spiele, darunter Hoffenheim und Bremen. Und auch das wird ein heißer Tanz, denn Bremen scheint gut gerüstet für die neue Saison und reist unter der Devise nach Sinsheim, das Spiel gewinnen zu wollen! Offensiv wirkt Werder besser aufgestellt als noch letzte Saison – unsere Mannschaft sollte daher nicht glauben, es mit einem leichteren Gegner zu tun zu haben als vergangenen Dienstag und nächsten Mittwoch. Überhaupt: Was ist das für ein Saisonbeginn! Erst Bremen, eingerahmt von zweimal Liverpool, dann Bayer und danach die Bayern. Schöner und spannender kann’s nicht sein… Auf geht’s, Hoffe, immer kämpfen und siegen!

Foto: Kraichgaufoto, Uwe Grün

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Alexander H. Gusovius