Bologna, Liverpool und der Supercup

Es war nur ein Testspiel, Havard Nordtveit hat es nach der Partie gegen Bologna richtig eingeordnet: Im Pokal, in der Liga und in der CL-Quali müsse man wohl noch mehr Substanz aufbieten. Aber ansonsten sei der Auftritt der TSG, sagte er sinngemäß, doch schon recht ordentlich gewesen.

Recht hat er. Was unsere Mannschaft letzten Samstag gegen den italienischen Erstligisten gezeigt hat, war sogar beeindruckend. Nicht zuletzt Nordtveits eigener Auftritt auf der sensiblen rechten Innenverteidigerposition: auf Süles Spuren. Dessen Fußstapfen sind groß, aber für Nordtveit offenbar nicht zu groß. Große Übersicht, hohes Standvermögen, aufmerksames Stellungsspiel, kluge Spieleröffnung – allein beim Ablaufen des gegnerischen Stürmers ist und bleibt Süle einstweilen eine Klasse für sich!

Da die TSG am Sonntag ein zweites Spiel gegen Bologna vereinbart hatte, das unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand und einen anderen Mannschaftsmix ermöglichte, war die Startaufstellung am Samstag nur bedingt aussagekräftig. Es fehlten Kramaric, Szalai und Wagner, Grillitsch und Amiri, so dass vorne Gnabry mit Uth, hinter ihnen Rupp und Demirbay und dahinter Geiger auf der Sechs spielte. Zuber, Kaderabek, Vogt, Hübner und Baumann komplettierten die sicher nur zu Teilen zukünftig wahrscheinliche Startelf.

Doch die empfahl sich und kombinierte atemberaubend schnell und ballsicher nach vorn, Mal ums Mal. Dabei half, dass Bologna nach ca. einer halben Stunde einen Platzverweis zu kompensieren hatte, weil zuerst Hübner einen der Ihren etwas übermotiviert umgesenst hatte, worauf er vom Platz getragen werden musste – weshalb die Italiener zu einer Reihe übler Revanche-Fouls ansetzten, aber glücklicherweise niemanden zusätzlich verletzten. Was vor allen anderen besonders für Akpoguma galt, der in der zweiten Halbzeit eingewechselt wurde. Ihn nach überstandener Halswirbelfraktur jetzt schon wieder auf dem Platz zu sehen, war großartig – aber anfangs etwas beängstigend…

Trotz der Überzahl bereitete es konzeptionell großen Genuss, unserer Mannschaft zuzuschauen, die hohen Einsatz und großen Teamspirit bewies. Gnabry ist in dieser Form ein Kracher, ein Offensivjuwel: zusammen mit Kramaric wird er jedem Gegner arges Kopfzerbrechen bereiten! Rupp knüpft allmählich an seine Hochform vor der Verletzung an, Demirbay wirkt nach seiner Berufung in die Nationalelf nochmals souveräner, ohne weniger inspiriert zu sein, allein Uth scheint vom Hochgeschwindigkeitsfußball etwas überfordert zu sein. Eine kleine Sensation war Dennis Geiger, der Youngster aus eigenem Haus, der eine erstaunlich abgeklärte Leistung auf Rudys Position ablieferte. Ist er der Überraschungssechser? Zwischen dem Mittelfeld, in das er sich oft klug einschaltete, und der Dreierkette mit Vogt, Hübner und Nordtveit beherrschte er sein Revier souverän.

Die Frage wird sein, ob er im harten Wettbewerb ebenfalls standhalten kann, bspw. gegen Liverpool, das demnächst in der CL-Quali in Sinsheim antreten wird. Ausgerechnet Liverpool, denkt man, und hatte es irgendwie doch schon geahnt. Im Fußball gibt es eine Art Magnetismus, der gelegentlich stärker als der Zufall zu sein scheint – dann treffen Gegner und Spieler umso eher aufeinander, je mehr sie sich aus dem Weg gehen wollen. Aber egal: in der sich andeutenden Form der TSG könnte es sogar gelingen, Klopp und seine Übermannschaft aus dem Weg zu räumen.

Da macht es auch nichts, dass Hoffenheim die tags darauf nichtöffentlich angesetzte Partie gegen Bologna mit 1:2 verlor, nachdem die erste Partie 3:0 gewonnen wurde. Im Gegenteil, solche Niederlagen schärfen die Sinne! Was man am Samstagabend auch in Sachen Bayern beobachten konnte, die nach heftigen Niederlagen in der Vorbereitung im Supercup Dortmund besiegten: zwar erst im Elfmeterschießen, aber nach großartigen Leistungen vor allem in der ersten Halbzeit.

Eigentlich sind ja die Bayern kein besonderes Thema für den Hoffenheimblog. Nur kann man Rudy und Süle, die beide zum Einsatz kamen, nicht so leicht loslassen. Sie haben als besondere Spieler und außergewöhnliche Persönlichkeiten unsere Mannschaft geprägt – und unsere Herzen erobert. Sie jetzt in roten Hemdchen umherlaufen zu sehen, ist schon seltsam, löst reichlich Wehmut aus und führt, weil beide extreme Sympathen sind, trotzdem zu heftigem Daumendrücken.

Wobei Rudy absolut überzeugte, wie er da auf Alonsos Position schaltete und waltete, als hätte er immer schon im Kreis der ganz Großen gespielt! Süle, später eingewechselt, tat sich ein bisschen schwerer, war dafür aber entscheidend am späten Ausgleichstreffer beteiligt, der die Bayern ins Elfmeterschießen brachte und ihnen zum ersten Titel der Saison verhalf. Süle und Rudy im Glitter-Regen, zwischen Lewandowski, Ribéry, Müller und Hummels herumtanzend, den Siegerpokal in den Nachthimmel stemmend: zum Kopfschütteln schön anzuschauen, nicht zuletzt auch deshalb, weil sie damit nebenher für eine Weile noch exzellente Botschafter der TSG sind!

Fotos: Uwe Grün, Kraichgaufoto

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