T-Rex beim T-Cup

Beim Telekom-Cup, dem nicht sehr aussagekräftigen Gute-Laune-Turnier zu Beginn der ernsteren Trainingsvorbereitungen auf die neue Saison, gab es am Samstag dennoch einen klaren Sieger: den FC Bayern München. Ähnlich unvorbereitet und personalgeschwächt in das kleine Turnier gestartet wie die Gegner Gladbach, Bremen und unsere Wenigkeit – schließlich hatten alle Spieler noch Urlaub, die in der Sommerpause in ihren Auswahlmannschaften tätig waren –, positionierte sich der deutsche Branchenprimus einmal mehr am oberen Ende der Nahrungskette

Der FC Bayern war der T-Rex beim T-Cup. Auch ohne etliche urlaubende oder rekonvaleszente Spieler verputzte er die Gegner wie Niklas Süle einst Hamburger mit Fritten (womit bei den Bayern jetzt aber endgültig Schluss ist…) und ließ leider auch der TSG nicht den Hauch einer Chance. Allerdings gestattet es die enorme Kaderstärke den Bayern, dass auch in solchen Fällen immer noch namhafte Spieler auf dem Platz stehen: mit Lewandowski, Coman, Müller, Ribéry im Angriff war für ausreichend Klasse gesorgt.

Anders Hoffenheim! Wegen Julian Nagelsmanns konsequenter Durchmischung von erfahreneren mit unerfahrenen Spielern gestalteten sich die 45 Minuten gegen den FC Bayern eher zu einem interessanten Experiment, bei dem das Ergebnis absolut nachrangig war. Anfangs machte sich das Fehlen der gesamten Mittelachse der letzten Saison (Baumann, Rudy, Demirbay, Kramaric, Wagner) gegen die überraschend hoch pressenden Bayern noch arg bemerkbar, und Nordveit sowie Hoogma vermochten als rechter und linker Innenverteidiger Hübner und Süle ebenfalls nicht adäquat zu ersetzen. Doch je länger das Spiel lief, desto mehr spielte sich die absichtsvoll zusammengewürfelte Truppe ein und kam gegen Ende sogar gefährlich vors Tor des zurückgeholten Tom Starke.

Im 45-Minuten-Spiel um Platz 3, das Hoffenheim anschließend gegen Gladbach im Elfmeterschießen gewann, wurde komplett durchgewechselt. Jetzt kam von Beginn an deutlich mehr von jenem Spielwitz zum Tragen, der uns in der letzten Saison so erfolgreich gemacht hat. Polanski, der gegen die Bayern etliche Fehler produziert hatte, war durch Schär bzw. Grillitsch ersetzt worden, der einen ebenso guten Eindruck hinterließ wie Zulj neben Rupp im Spiel zuvor, während sich die Youngster Posch, Wähling, Kobel und Skenderovic allesamt für die Zukunft zu empfehlen wussten. Gladbach hatte phasenweise seine liebe Not mit den spielstarken Hoffenheimern.

Die Ergebnisse bei diesem kleinen Turnier sind imgrunde Nebensache. Es geht viel mehr um interne Erkenntnisse, um den Abgleich mit der Konkurrenz, um die weitere Trainingssteuerung – und für die Fans um ein bisschen Spaß und erste Eindrücke von den Neuverpflichtungen. Leider konnten wir dabei Gnabry noch nicht in Augenschein nehmen, der erst am Dienstag den Medizincheck absolviert und dann wohl ins Trainingslager nachreist. Andererseits – die kurzen Spiele am Samstag waren ja kaum mehr als eine Art Vorspeise, bei der man schließlich nicht satt werden will, sondern den Magen auf die kommenden Freuden einstimmen möchte!

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Alexander H. Gusovius