Die Besten der Besten?

Im Confed-Cup-Finale spielte das Hoffenheimer Personal keine Rolle mehr. Wagner war schon länger in den Hintergrund gerückt, Demirbay leider auch, trotz seines sehr guten Auftritts gegen Kamerun – und Süle und Rudy gehören seit drei Tagen dem FC Bayern München an! Trotzdem fiel der TSG im Finale keine unerhebliche Rolle zu, indem Löw seine Elf taktisch erneut entlang der Hoffenheimer letzten Saison ausgerichtet hatte. Aber spielten wirklich die Besten?

Man kann immerhin zugeben, dass Werner und Stindl ihre Sache sehr gut gemacht haben, was bei Draxler, der erstaunlicherweise als bester Spieler des Turniers ausgezeichnet wurde, weniger klar war. In Paris scheint er ja prächtig eingeschlagen zu sein – im Nationaldress und als Kapitän erinnerte er jedoch mächtig an Schalker und Wolfsburger Zeiten, in denen er, als ewiger Übersteiger, immer viel wollte, aber selten viel hinbekam. Demirbay hätte ihn locker ersetzen können und vermutlich in den Schatten gestellt, aber Draxler war nunmal als feste Größe nach Russland gereist.

So blieb es einem anderen Hoffenheimer vorbehalten, für Furore zu sorgen: Jeremy Toljan. Der TSG-Außenbahn-Youngster bereitete das Siegtor bei der U-21-Europameisterschaft vor und löste in den oberen Etagen des europäischen Fußballs eine Art Hype aus, der noch dazu führen kann, dass Toljan seinen Vertrag bei uns nicht verlängert, sondern lieber andernorts zukünftig Fußball spielt. Schade wär’s, aber verständlich… Bei Uth, der schon so gut wie in Köln aufgeschlagen zu sein schien, hat sich der Wind hingegen kräftig gedreht, nachdem Modestes goldgepflasterter Weggang nach China quasi über Nacht geplatzt ist.

Was machen die Kölner jetzt mit ihm? Zum einen hat er sich, nicht gerade zum Ruhm des Effzeh, über die Einfädelung des geplatzten Mega-Deals öffentlich geäußert, zum andern hat man, vielleicht aus finanziellem Überschwang, Cordoba aus Mainz für schwindelige 16 Mio. € verpflichtet. Für Uth dürfte es angesichts des momentanen Überangebots von Stürmern und im Dickicht solcher Zahlen jedenfalls schwer werden, in seine Heimatstadt zurückzukehren. Aus unserer Sicht könnte sich die Kölner Posse um China und Modeste noch als Glücksfall erweisen – wenn Uth, der ein Klassestürmer ist, jetzt doch bei uns bleibt und eine verletzungsfreie Saison hinlegt!

Ein eingespielter Stürmer wie er könnte für unseren Bundesligastart von großer Bedeutung werden. Neben der CL-Quali geht es zum Auftakt gegen Bremen, dann gleich gegen die Bayern und Bayer, so dass vom Start weg Qualität auf den Rasen muss. Vier Spiele Zeit zum Warmwerden wie in der Vorsaison gibt es jedenfalls nicht. Und im defensiven Bereich sind schon Süle und Rudy zu kompensieren, was eine große Herausforderung ist. Besonders letzterer hat eine wichtige Rolle im Confed-Cup gespielt. Rudy gehörte neben Werner, Stindl und Goretzka wirklich zu den Besten der Besten, während ter Stegen, auch wenn er in den Farben des ruhmreichen FC Barcelona das Tor hütet, weniger überzeugend wirkte als Olli Baumann – der aber leider keine Lobby beim DFB zu haben scheint.

Insgesamt wirkte die deutsche U 21, trotz des Rummels um Jogis Ersatz-A-Nationalmannschaft, viel interessanter, viel frischer und eben auch viel perspektivreicher. Die neue Generation, die sich da auf den Weg macht, verspricht auf Jahre hinaus herausragende Freude am Fußball, hohes taktisches sowie technisches Niveau und einen verschworenen Teamgeist, der den Ballkünstlern aus Spanien diesmal den Rang abgelaufen hat. Doch auch dort wächst sensationelle Qualität heran, so dass wir uns um unsere Zukunft als Fans keine Sorgen zu machen brauchen.

Foto: Uwe Grün, Kraichgaufoto

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Alexander H. Gusovius