Hoffenheim & Leipzig schießen DFB ins Halbfinale

Tja, liebe Traditionalisten – so sieht’s mal aus! Die TSG 1899 Hoffenheim und RB Leipzig haben durch Demirbay und Werner die deutsche Nationalmannschaft ins Halbfinale geschossen. Und mit Süle und Rudy waren zwei weitere sogenannte Plastikclub-Legionäre auf dem Rasen und trugen entscheidend dazu bei, dass Kamerun besiegt werden konnte… Mal ehrlich, wie schmeckt euch das, liebe Traditionalisten? Gar nicht so übel, oder?

Jogi Löw ließ Sonntagabend in Russland eine defensive Dreierkette antreten, mit Süle in der Mitte und mit Rudy als defensivem Sechser davor. Mit Can als offensivem Sechser, so etwas wie eine hängende 10, stockte das somit gut strukturierte Aufbauspiel leider etwas, indem er in der ersten Halbzeit viel zu eigensinnig und meist auch etwas stumpfsinnig die gesamte Offensivkontrolle auszuüben versuchte und dabei geflissentlich Demirbay übersah, der oft frei und noch öfter einfach besser stand. Es fremdelte ein bisschen auf dem Platz, es roch nach Platzhirschanspruch…

Das sollte sich in der zweiten Halbzeit jedoch alsbald ändern, nachdem nämlich Demirbay mit einem feinen Schuss, wie wir das von ihm im TSG-Trikot kennen, von der Strafraumkante aus das 1:0 erzielt hatte. Der Hoffenheimer hatte sich damit Anerkennung verschafft und wurde endlich angemessen ins Spiel eingebunden. Er lief permanent Räume frei und bekam immer öfter den Ball, mit dem er dann dribbelnd für reichlich Verwirrung in den Reihen des Gegners sorgte. Werner besorgte die beiden restlichen Tore und krönte den Albtraum der Ewiggestrigen.

Darüber hinaus war der gesamte Spielaufbau der Nationalmannschaft eine Art Kopie unserer TSG! Es fehlten eigentlich nur noch Baumann und Wagner, um die Hoffenheimer Achsenwirkung in dieser Partie auch für den hartnäckigsten Verteidiger traditioneller Werte anschaulich zu machen. Apropos Wagner: So hoffnungsvoll sich sein Start in die Länderspielreise anließ, so fatal wirkte es sich aus, dass er gegen Australien seine zwei, drei guten Torchancen ausließ. Löw, ohnehin kein Anhänger des Spiels mit echten Neunern, ließ daraufhin gegen Chile Stindl und gegen Kamerun Werner als hängende Neun antreten, was für Wagners Zukunft in der Nationalmannschaft vermutlich nichts Gutes bedeutet. Er muss jetzt in der Liga unter Beweis stellen, wie unentbehrlich er ist. Falls Wagner der TSG erhalten bleibt, könnte das für uns allerdings von erheblichem Vorteil sein.

Und damit zu den Grausamkeiten dieses Sommers, zum Transferkarussell. Bleibt Wagner, bleibt Toljan, bleibt Kramaric? Dass Uth geht, scheint so gut wie sicher zu sein. Süle und Rudy sind sowieso schon weg! Umso schöner, dass Amiri den Verlockungen der namhaften Anfragen widerstanden hat, dass Demirbay sich zur TSG bekennt und mit Nordveit und Grillitsch zwei Zugänge bereits fix sind. Sollte Wagner im Herbst seiner Karriere einem unwiderstehlichen Angebot folgen, was verständlich wäre, und sollte Kramaric, wie medial gemunkelt wird, von den Bayern oder dem BVB abgeworben werden, dann stünde der TSG ein kompletter Umbruch in der Offensive bevor – keine einfache Situation!

Die Verantwortlichen sind wirklich nicht zu beneiden. Sie müssen im August zur Champions-League-Quali für eine auch offensiv voll funktionierende Mannschaft sorgen, aber die Transferperiode reicht eben bis Ende August – und erfahrungsgemäß ziehen sich die Verhandlungen im Spätsommer immer länger hin. Im Fall der Totalerneuerung der gesamten Offensive könnte das arge Probleme bereiten. Aber schauen wir mal, was bzw. wen Rosen, Nagelsmann und Flick, unser neuer Geschäftsführer Sport, bis dahin aus dem Hut zaubern. Die Gerüchte um Gnabry halten hartnäckig an, und vielleicht bleibt uns Kramaric ja doch erhalten!

Foto: Uwe Grün, Kraichgaufoto

Deine Meinung zum Artikel:
Alexander H. Gusovius