Auf geht’s, Werder und Hoffe: kämpfen und siegen!

Man muss es einfach nochmal sagen: Wer vor einem Jahr geweissagt hätte, dass es für uns am letzten Spieltag der neuen Saison um Platz 3 oder 4 geht, den hätten wir umarmt, geherzt und geküsst! Was man aber ebenfalls sagen muss: So überraschend die Entwicklung zu einem echten Spitzenteam auch war, gab es hier und da doch kluge Köpfe, die aus der Punktebilanz von Julian Nagelsmann während des Kampfes um den Klassenerhalt vor zwölf Monaten einfach mal den Durchschnittswert ermittelten und mit dem Faktor 34 multiplizierten.

Der Hintergrund des Zahlenspiels: Warum sollte der Trainer einer in den Abstiegskampf verstrickten Mannschaft in der Folgesaison mit sorgenfreien Spielern nicht einen mindestens ebenso guten Punkteschnitt einfahren? Wer sich das so ausrechnete, kam auf einen Wert, der erfahrungsgemäß für eine Platzierung in den europäischen Rängen reichen würde, um Platz 6 herum. Dass es schließlich sogar um die Champions-League-Ränge ginge, war natürlich nicht zu erwarten – hier liegt die eigentliche Sensation!

Man muss sich das klarmachen, bevor man der vergebenen Chance nachtrauert, gegen Bremen das im Vergleich zu Dortmund notleidende Torverhältnis nicht deutlich aufgebessert zu haben. Wäre es bspw. beim Zwischenstand von 0:5 in Bremen geblieben, läge jetzt nur noch ein einziges Törchen zwischen dem BVB und der TSG. So jedoch sind es vier Tore Differenz, so dass Hoffenheim schon mit 6:0 gegen Augsburg gewinnen müsste, um die punktgleichen Dortmunder zu überflügeln! Falls die daheim gegen Bremen nur ein mageres 1:0 hinbekämen…

Zuviel Rechnerei, Spekulation, blindes Hoffen! Bei sowas lässt man auch außen vor, dass die Gegner ein Wörtchen mitzureden haben: was selten gesund ist. Im Fall von Augsburg wird das zudem ein eher starkes Wörtchen sein, denn die Fuggerstädter könnten noch auf den Relegationsplatz zurückfallen, falls der HSV Wolfsburg knapp besiegt und sie selber in Sinsheim zu hoch verlieren. Also werden sie alles aus eigener Kraft Mögliche tun, damit genau das nicht passiert – was nicht wenig sein wird… Spätestens nachdem die Augsburger einen Punkt gegen Dortmund geholt haben, sollte man sie ernstnehmen!

Für Hoffenheim und uns als Fans ist es darum besser, vor diesem letzten Heimspiel der Saison nicht zu sehr in Feierlaune zu verfallen. Ja, es ist großartig, was schon alles geschafft wurde, Platz 4 ist sicher und ein Hammer-Erfolg – aber wer weiß, ob Bremen dem BVB im Signal-Iduna-Park nicht ein Bein stellt! Wir würden uns die Haare raufen, wenn wir dann vor lauter Überdrehtheit einen Punkt oder sogar mehr gegen Augsburg hergeschenkt hätten.

Richten wir uns lieber auf ein reguläres Bundesligaspiel ein, bei dem der Gegner Hoffenheim alles abverlangt! Womit wir zu rechnen haben, ist ein ganz anderes Spiel als zuletzt in Bremen. Gegen Augsburg wird es weit weniger um Laufwege und taktische Finessen gehen, die zu glanzvollen Spielzügen einladen, sondern es wird darauf ankommen, die massiv verteidigende, intensiv in die Zweikämpfe gehende Puppenstube nicht nur technisch, sondern auch physisch auszuhebeln. Es dürfte noch einigermaßen leicht fallen, im vorderen Mittelfeld zu kombinieren. Augsburg wird uns diese Zone regelrecht überlassen, aber im defensiven Mittelfeld umso härter attackieren, um von dort aus Konter nach vorn zu bringen.

Augsburg wird alles auf diese Taktik setzen: Balleroberung, umschalten, mit Tempo vors Tor und den Abschluss suchen. Hinten wird die Puppenstube von acht oder neun Mann bevölkert sein, wird alles ablaufen, zustellen und dichtmachen, wird unsere Angreifer doppeln und physisch bedrängen. Um da durchzukommen, braucht es im Normalfall viel Geduld, viele Flanken, viel Technik, viel Robustheit – und Versuche aus der Halbdistanz. Unser Saisonfinale wird aller Voraussicht nach kein Fest, sondern ein Verschleißspiel!

Aber warum auch nicht? Gefeiert wird erst, wenn die Arbeit ganz getan ist! Und abgerechnet wird ebenfalls erst ganz am Schluss… Je intensiver wir unsere Mannschaft deshalb bis zum Schlusspfiff unterstützen und ihr dabei helfen, im letzten Spiel dieser so erfolgreichen Saison noch einmal alle Kräfte zu mobilisieren, desto größer ist die Chance, dass wir danach umso ausgelassener feiern dürfen… Hoffenheim muss unbedingt auch im Saisonfinale punkten – und braucht Bremen, um Dortmund nach dem mehr als zweifelhaften Sieg über uns doch noch eine Nase zu drehen… Also, auf geht’s, Werder und Hoffe, kämpfen und siegen!

Fotos:
Uwe Grün, Kraichgaufoto (http://www.kraichgaufoto.de/)

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