Hoffenheim, was erlaubt!

So oder ähnlich könnte man, in Anlehnung an ein legendäres Interview des Fußballtrainers Giovanni Trapattoni, die Dortmunder Haltung vor dem Spitzenspiel am Samstag umreißen: Hoffenheim, was erlaubt! Denn der Platz hinter den Bayern, zumal wenn sich auch noch so ein Eindringling wie RB Leipzig dazwischenschiebt, steht nunmal den Borussen zu, allein wegen der direkten Champions-League-Qualifikation… Da kommt das Spiel gegen die TSG gerade recht, um die Verhältnisse im Sinne von Schwarzgelb geradezurücken.

Andererseits beschleicht die Dortmunder das mulmige Gefühl, dass am Hoffenheimer Tabellenplatz doch etwas dran sein könnte – dass unsere Mannschaft am Ende wirklich so gut Fußball spielt, wie es der aktuelle dritte Platz ausdrückt! Und doch liegen Hoffenheim und Dortmund nur ein Pünktchen auseinander, das besagt nicht viel, so wenig wie die um vier Zähler bessere Torquote des BVB. Die Wahrheit muss also am Wochenende auf dem Platz ermittelt werden! Und darauf freut sich ganz Dortmund, weil man eben doch davon ausgeht, dass die irgendwie auch peinliche Tabellensituation zurechtgerückt werden wird.

Wenn man sich da mal nicht täuscht… Julian Nagelsmann hat klar erkannt und gesagt, dass der BVB in der unangenehmen Lage ist, siegen zu müssen. Hoffenheim dagegen muss nicht, sondern will. Im Klartext heißt das, dass die Dortmunder Nerven nicht nur stärker angespannt sind, sondern auch schneller reißen, wenn das Spiel einen anderen Verlauf nimmt als erwünscht. Hoffenheim wiederum kann sogar ruhig bleiben, wenn der BVB in Führung geht. Denn wenn die TSG zurückliegt, spielt sie meist ihren besten Fußball – und späte Tore à la Bayern sind inzwischen fast unsere Spezialität!

Was das Torverhältnis anbelangt, muss man im Übrigen genauer hinschauen. Dann zeigt sich, dass der BVB zwar ein paar mehr Tore geschossen hat als die TSG, aber auch mehr Tore zu verdauen hatte. Die Borussen sind also defensiv durchaus anfällig und müssen befürchten, dass Hoffenheim im Signal-Iduna-Park den einen oder anderen Treffer erzielt, zumal die TSG so viele verschiedene Torschützen hat, dass sich Dortmund auf keinen speziellen Stürmer einrichten kann.

Im Umkehrschluss heißt das, dass der BVB alles daransetzen muss und wird, selber möglichst viele Tore zu schießen. Also werden die Schwarzgelben loslegen wie der Wirbelwind, um die Partie frühzeitig zu ihren Gunsten zu entscheiden. Wenn es unserer Mannschaft jedoch gelingt, die ersten zwanzig Minuten ohne Gegentreffer zu überstehen, steigen die Chancen enorm an, zuletzt als Sieger vom Platz zu gehen. Auch weil die Dortmunder eben umso nervöser werden, je länger sie kein Tor erzielen.

Imgrunde ist die Partie unvorhersehbar. Sie liegt sozusagen in den Händen des Schicksals. Die Frage ist, ob sich der spielfreudige Ballbesitz-Fußball à la Nagelsmann jetzt schon klar gegen den Tuchel‘schen Angriffsfußball durchsetzen kann. Ja, es riecht ein bisschen nach Wachablösung, nach dem nächsten Kapitel in der Entwicklung des Fußballs – dann wäre Hoffenheim vorn. Aber vielleicht ist es dafür noch zu früh, und Dortmund behauptet seinen Rang, der sich nicht zuletzt in einem erheblich höheren Spieler-Etat ausdrückt.

Was soll man machen, wenn weder vernünftiges Nachdenken noch der Blick in die Glaskugel klare Vorhersagen ermöglicht? Am besten ist es, man freut sich einfach auf die Partie zweier offensiv bärenstarker Mannschaften, die bis zum Schluss höchstes Tempo gehen und jede Menge Torraumszenen liefern werden. Und man hält sich an die Einsicht, dass man alles erreichen kann, wenn man sich voll auf die Aufgabe konzentriert und alles abruft… Also, auf geht’s Hoffe, kämpfen und siegen!

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Fotos: Uwe Grün, Kraichgaufoto (http://www.kraichgaufoto.de/)

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