Champions League!

Fußballspiele können zäh sein. Deswegen sind sie noch lange nicht uninteressant. Wie am Sonntag im Spätspiel gegen Frankfurt ist dann das Geschehen auf dem Rasen weniger spektakulär als das, was sich im Hintergrund abspielt. Über viele Tore kann man im Anschluss natürlich nicht berichten – und viele Worte auch nicht darüber verlieren.

Apropos verlieren: Bei zähen Spielen tut es am meisten weh, wenn man sie nicht gewinnt. Aber das war ja zum Glück nicht der Fall, weil gegen 19.20 Uhr wieder mal der Beweis dafür angetreten wurde, dass die Dinge im Fußball, was ihn u.a. so beliebt macht, gern auf die Spitze getrieben werden. Denn ausgerechnet Benjamin Hübner, Sohn des Frankfurter Managers Bruno Hübner, erzielte in der Schlussminute per Kopf den Siegtreffer für die TSG. Nach einem Eckstoß von Rudy, der den Ball in einen magisch flachen Steigflug gebracht hatte, im idealen Winkel, der zum abrupten Sinkflug führte, als der Scheitelpunkt erreicht war… Für Kopfballtore wie gemalt…

Aber ja, das Spiel gestaltete sich ansonsten ziemlich zäh! Hoffenheim war meist in Ballbesitz, bespielte die wie erwartet großartig, unerwartet nicht überhart verteidigenden Frankfurter von der ersten bis zur letzten Minute, kam nur sehr selten gefährlich in den Strafraum, verlor darüber dennoch nicht die Geduld und wurde ganz am Ende für die Mühen belohnt. Die Eintracht spekulierte ihrerseits auf einen späten Treffer, hatte auch ein-, zweimal Gelegenheit dazu, scheiterte aber an der Entschlossenheit von Baumann und Vogt.

Das Stadion explodierte förmlich, als der Siegtreffer fiel. Auf den Rängen und neben dem Rasen war alles und jeder in Bewegung: Jubeltrauben, Umarmungen, gereckte Arme und das Abklatschen von Händen ventilierten den Kesseldruck, der sich während 90 unergiebig-spielüberlegener Minuten aufgebaut hatte, in denen die zahlreich angereisten Frankfurter Fans manchmal lauter zu hören waren als unsere Südkurve – die ihrerseits durch zahllose Sympathie- und Solidaritätsbekundungen zum in Köln zuletzt übel geschmähten Hauptgesellschafter Dietmar Hopp glänzte. Es war ein schönes Zusammentreffen: Zu Beginn die vielen kleinen und großen Pro-Dietmar-Hopp-Schilder und -Banner der TSG-Fans, am Ende der Siegtreffer mit dem endgültigen Erreichen der Champions-League, womit Dietmar Hopp erstens ein schönes nachgereichtes Geburtstagsgeschenk bekam und zweitens ein Traum wahr wurde. Denn Platz 4 ist der TSG nun nicht mehr zu nehmen, mindestens die CL-Qualifikation steht unumstößlich fest. Wer hätte das vor einem Jahr gedacht…

In Dortmund findet dann nächsten Samstag das Gipfeltreffen der beiden Aspiranten auf Platz 3 der Abschlusstabelle zwischen dem BVB und der TSG statt. Das alles entscheidende Spiel wird es noch nicht sein, aber ein vielleicht richtungsweisendes. Und es wird garantiert kein zähes Spiel werden, sondern eine von Torchancen nur so gespickte Partie!

Fotos: Kraichgaufoto, Uwe Grün

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Alexander H. Gusovius