Schlagen wir den Pokalfinalisten!

Mit disziplinierter Defensive und nicht wenig Glück hat sich die Frankfurter Eintracht ins Pokalfinale vorgearbeitet. Dass sie über 120 Spielminuten einiges an Kraft gelassen hat, konnte man sehen. Eine komplette Regeneration dürfte bis zum Sonntagstermin, wenn sie in Sinsheim antritt, kaum möglich sein. Davon sollte die TSG profitieren können – oder doch nicht?

Die Meinungen gehen auseinander. Manche sagen, dass der glückliche Sieg im Elfmeterschießen der SEG regelrecht Flüüüügel verleihen wird – nein, nicht Flüüüügel, Schreck lass nach, bloß das nicht, sondern nur Flügel! Schließlich ist die hessische Eintracht ein gestandener Traditionsverein, der sich jeden Cent selbst verdient und auch in Zukunft niemals nie auf Zuwendungen von außen bauen wird. So etwas tut nämlich dem Fußball nicht gut, hat schon ihr ehemaliger Chef Heribert Bruchhagen wissen lassen – bevor er beim investorgestützten HSV anheuerte… Aber im Ernst: Natürlich kann so ein Sieg unter Flutlicht samt dem Einzug ins Berliner Pokalfinale breite Schultern machen. An denen mangelt es der SGE ja ohnehin nicht: Die Gladbacher Spieler purzelten nur so über den Rasen nach einschlägigen Körperkontakten, gern auch per ausgefahrenem Ellenbogen oder herzhaften Tritten. Schiri Aytekin hätte wohl öfter eingreifen sollen. Sein Vorhaben, den Spielfluss möglichst selten zu unterbrechen, hat er nur zur Hälfte eingelöst, weil durch seine Geduld der Gladbacher Spielfluss klar benachteiligt wurde.

Bleibt immer noch die Frage, was der späte Sieg plus ausgiebiger, nächtlicher Feier mit der Eintracht macht. Einige Verletzungen und Ausfälle sind für Sonntag ja auch zu beklagen. Oder ist das gar nicht die Frage? Fünf Tage nach solch einem kraftraubenden Spiel sind weder wenig noch viel; und unsere TSG sollte sich vielleicht ohnehin nicht am Zustand des Gegners orientieren, sondern sich auf sich selbst konzentrieren. Dazu hätte sie auch allen Anlass: Spielerisch, taktisch und konditionell ist sie absolut imstande, die gastierende SGE aus eigenem Vermögen zu besiegen. Das Pokalhalbfinale sollte deshalb gar nicht erst zu Spekulationen einladen. Eher sollte es als Anschauungsunterricht dienen, denn das Auftreten der Eintracht gegen die spielstarken Gladbacher ähnelte wohl dem, was uns am Sonntag erwartet. Besonders in der zweiten Halbzeit konnte man sehen, wie intelligent (und nicklig!) Frankfurt verteidigt, wie zäh das Anlaufen gegen einen solchen Gegner werden kann, wenn es nicht gelingt, gefährlich in den Strafraum zu kommen. Die Gladbacher Lösung bestand fast ausschließlich in versuchsweisen, langen Flanken.

Die Frankfurter Defensive hatte damit jedoch überhaupt kein Problem. Um deren lauffreudigen Doppelriegel zu knacken, muss man also auch mit Kurzpässen in die Box und sich dort entweder durch die Mitte spielen oder auf die Grundlinie gehen – und dann scharf vor oder hinter die letzte Defensivreihe passen. Im Luftkampf ist die Eintracht jedenfalls nur schwer zu überwinden. Und im direkten Zweikampf ebenfalls nicht. Denn da langen die Hessen kräftig hin und verschaffen sich schmerzhaften Respekt. Was ist, in diesem Zusammenhang, nur aus unserem netten, freundlichen, liebenswerten Abraham geworden? Schon im Hinspiel fiel er durch den brutalen Ellenbogencheck gegen Wagner negativ auf. Als Hoffenheimer griff er nie zu solchen Mitteln, inzwischen andauernd, auch gegen Gladbach. Aus einem feinen, kultivierten Techniker ist ein Pampaskrieger geworden – womit er sich zwar in die Frankfurter Gegebenheiten angemessen einreiht, aber doch viel an positiver Ausstrahlung eingebüßt hat. Schade…

Worauf wir uns im späten Sonntagsspiel einstellen müssen, ist ein Abnutzungskampf. Die Eintracht wird wieder mit allen erlaubten und weniger erlaubten Mitteln versuchen, die Spielkultur der TSG zu brechen. Wenn es nicht gelingt, mit eleganten Spielzügen möglichst rasch zwei Tore vorn zu liegen und in den Frankfurter Beinen den Substanzverlust vom Pokalhalbfinale zu wecken, kann das gegen diese Betzenberg-Gedächtnistruppe ein richtig schwerer Gang werden. Da der Einsatz von Kramaric wegen seiner Schulterprobleme ohnehin fraglich ist, wäre es vielleicht eine gute Idee, vorn weiter auf Szalai und Wagner zu setzen, gegen die man als Verteidiger bei allzu intensiver körperlicher Nähe ebenfalls blaue Flecken davonträgt. Ansonsten schöpft Julian Nagelsmann aus dem Vollen, so dass vermutlich das Mittelfeld über den Ausgang der Partie entscheidet. Mit Rudy und Demirbay in gewohnter Form und mit Amiri oder Rupp in ansteigender Form sollte es gelingen, unsere Heimstärke zu bestätigen. Auf geht’s, Hoffe, kämpfen – und den Pokalfinalisten besiegen!

Fotos:
Uwe Grün, Kraichgaufoto (http://www.kraichgaufoto.de/)

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