Acht Eier im Nest

Ein Herr Dingert, im Nebenberuf Schiedsrichter, hat nicht wenig dazu beigetragen, die Nestquote bei der diesjährigen Ostereiersuche signifikant zu erhöhen, gelegentlich auch abzusenken. Teils gab er Tore, die nicht hätten gelten dürfen, teils vermied er es, auf den Elfmeterpunkt oder die rote Karte zu zeigen. Glücklicherweise hat er den Ausgang der Partie Hoffenheim-Gladbach am Karsamstag damit aber nicht beeinflusst.

Der vogelwilde Sieg der TSG ging im Übrigen auch völlig in Ordnung. Etwas weniger Zickzack im Spiel und deutlich weniger gezackte Herzrhythmus-Linien bei den Fans wären allerdings als Einstimmung auf österlichen Frieden passender gewesen. Nur wollen wir es ja eigentlich genau so: Spannung pur, ins Unerträgliche gesteigert, Hochgeschwindigkeitsfußball, heftigste Wechselbäder der Gefühle… Kopfschütteln, Aufspringen, Kopfschütteln, Aufspringen und, natürlich, Ende gut, alles gut!

Ungefähr so verlief der Samstagnachmittag: Gladbach startete besser ins Spiel, setzte Hoffenheim hoch unter Druck, bis Szalai – die Startaufstellungsüberraschung – aus kaum zu erkennender, sehr knapper Abseitsstellung das 1:0 erzielte und ein paar Minuten drauf nach schönem Zuspiel durch Rudy auch noch das 2:0 nachlegte. Dann schlich sich wieder mal etwas Leichtsinn in die Aktionen der TSG ein, die Gladbach alsbald nutzte – vom eingangs erwähnten Herrn Dingert sekundiert, indem er ein klar erkennbares Handspiel von Hofmann übersah. Nur zu Erinnerung: Dingert war es auch, der am 14. Spieltag nach dem 0:0 in Frankfurt zu Julian Nagelsmann gesagte hatte: „Zur Halbzeit hätte man mich eigentlich auswechseln müssen.“ Als er kurz vor der Halbzeit ein heftig-deftiges Foul von Vestergaard an Kramaric im Strafraum nicht ahnden zu müssen glaubte, war es imgrunde schon wieder soweit…

Dem zuvor erzielten, irregulären Treffer der Fohlen zum 2:2 ging noch der korrekte Anschlusstreffer voraus, den ausgerechnet Vestergaard besorgte. Aber egal wie: Der komfortable Vorsprung der TSG war zur Halbzeit nicht ohne eigenes Zutun pulverisiert, das Spiel fing quasi von vorne an. Und wieder legte Gladbach besser los, egalisierte Kramarics Alu-Knaller aus Halbzeit 1 durch einen eigenen Pfostentreffer und schien der Führung erheblich näher als Hoffenheim – bis Demirbay nach zwei Dritteln der Spielzeit einen vertrackten Freistoß von halbrechts trat, der an Freund und Feind vorbei in die Maschen segelte.

Kurz darauf entlud Dahoud, das große Talent in den Reihen von Gladbach, seinen Unmut über die erneute Führung der TSG (und die bessere Performance von Demirbay!) mit einem doppelfüßigen Sprung auf Demirbays Knöchel, wofür besagter Herr Dingert die rote Karte hätte zeigen müssen! Stattdessen nestelte er bloß den gelben Karton aus dem Hemd. Und Dahoud erzielte ca. 10 Minuten später auch noch ein Tor… Es war aber nicht der erneute Ausgleich, sondern nur der erneute Anschlusstreffer, denn kurz zuvor hatte der eingewechselte Uth aus ca. 20 Metern einen hochpräzisen Gewaltschuss losgelassen, der unhaltbar zum 4:2 eingeschlagen war!

In den letzten 15 Spielminuten inklusive Nachspielzeit schaltete Hoffenheim glücklicherweise keinen Gang zurück, sondern versuchte wie Gladbach in einem längst schon entfesselten Spiel das nächste Tor zu erzielen. Es war sehenswert, wie die TSG Gladbach regelrecht einschnürte – doch der Lohn winkte erst in der 89. Minute, als sämtliche TSG-Fans kaum noch wussten, wie sie die Ungewissheit über einen immer möglichen Gladbacher Glückstreffer und den nächsten Aussetzer des Herrn Dingert auch nur eine Minute länger aushalten sollten… Demirbay und Kramaric erlösten die Fans, indem Kramaric sich nach einem Mix aus Foul und Stolpern im Gladbacher Strafraum rasch wieder aufrappelte und den Ball hoch aufs lange Eck hob, wo Demirbay seine Idee perfektionierte und per Kopf das Endresultat von 5:3 herstellte.

Am späteren Abend, im ZDF-Sportstudio, hatte Trainer Nagelsmann schon wieder zur gewohnten Lässigkeit zurückgefunden und kleine Einblicke in seine Trainingsmethoden und Fußballphilosophie gewährt, ohne zu viel zu verraten. Klar und deutlich wiederholte er jedoch, was für alle Hoffenheimer in dieser bisher so glanzvollen Saison so eminent wichtig ist: Er bleibt. Er bleibt auch in der nächsten Saison Trainer der TSG. Mehr müssen wir im Moment nicht wissen, um uns nach dem großartigen Sieg über Gladbach auf die nahezu nicht mehr zu verspielende Beteiligung der TSG am europäischen Wettbewerb aus ganzem Herzen zu freuen!

Fotos: Kraichgaufoto, Uwe Grün

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